Baukonjunktur
Globale Krisen bremsen Erholung der Bauwirtschaft aus

Die Bau- und Ausbauwirtschaft meldet eine leichte Stabilisierung der Umsätze auf rund 432 Milliarden Euro für das Jahr 2025. Doch die Bundesvereinigung Bauwirtschaft warnt: Die Folgen des Nahost-Konflikts und der Absturz im Wohnungsbau drücken spürbar auf die Konjunkturentwicklung für 2026.

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Die Talsohle ist noch nicht durchschritten. Das ist die Kernbotschaft der Konjunkturbilanz der Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB). Die in der BVB organisierten Unternehmen erwirtschafteten im Jahr 2025 zwar einen Gesamtumsatz von 432 Milliarden Euro, das ist ein nominales Plus von 0,8 Prozent. Dieses leichte Wachstum ist jedoch maßgeblich auf Preiseffekte zurückzuführen. Für das laufende Jahr 2026 rechnet die Branche lediglich mit einer nominalen Seitwärtsbewegung.
Der BVB-Vorsitzende Marcus Nachbauer warnt daher vor verfrühtem Optimismus: „Wir blicken auf ein Jahr, in dem die zarten Erholungssignale des vergangenen Jahres jetzt auf eine neue Belastungsprobe von außen treffen.“ Der Grund dafür liegt auf den internationalen Rohstoffmärkten. Die seit Februar andauernde zeitweise Sperrung der Straße von Hormus in Folge des Nahost-Konflikts schlägt voll auf die Baustellen durch. Laut BVB melden knapp 76 Prozent der Betriebe gestiegene Bitumenpreise, über 74 Prozent höhere Beton- und Zementkosten sowie über 81 Prozent teurere Kunststoffe. Diese Mehrkosten wurden von fast 43 Prozent der Betriebe bereits an die Kunden weitergegeben.
Unterschiedliche Entwicklung in den Bausparten
Der Blick in die einzelnen Gewerke zeigt eine stark differenzierte Entwicklung der Konjunktur. Das Bauhauptgewerbe generiert mit rund 146 Milliarden Euro Umsatz ein Drittel des Branchenvolumens. Für 2026 wird hier ein leichter nominaler Umsatz- und Beschäftigungsrückgang erwartet. Die Umsatzsaldi sind aktuell im öffentlichen Hochbau, im Wirtschaftsbau und im Straßenbau durchweg negativ.
Positiv entwickelt sich dagegen der Auftragsbestand: Die Reichweite stieg im Bauhauptgewerbe auf 9,5 Monate, im Wohnungsbau sogar um knapp 19 Prozent auf 6,4 Monate. Da diese Aufträge jedoch lange Vorlaufzeiten haben, werden sie sich laut BVB überwiegend erst ab 2027 umsatzsteigernd auswirken.
Rückgänge im Ausbau und der Gebäudetechnik
Die Gebäudetechnik bleibt mit 179 Milliarden Euro Umsatz (40 Prozent Branchenanteil) die größte Sparte. Das Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk (ZVSHK) blickt dabei verhalten auf 2026. Der Auftragsbestand ist auf 11,5 Wochen gesunken, der Verband rechnet mit einem nominalen Umsatzrückgang von bis zu zwei Prozent. Auch das Elektro- und Informationstechnische Handwerk (ZVEH) geht nach leichten Einbußen 2025 von einer Stagnation aus.
In den klassischen Ausbaugewerken (Umsatz 2025: 107 Mrd. Euro) zeigen sich ebenfalls Risse. Während das Tischlerhandwerk (geschätzt 29 Mrd. Euro Umsatz) solide Perspektiven im Sanierungsmarkt sieht, schrumpft der Auftragsvorlauf im Maler- und Lackiererhandwerk auf durchschnittlich 11,4 Wochen. Die Betriebe leiden spürbar unter der Zurückhaltung im Privatkundengeschäft. Ebenfalls unter Druck steht der Gerüstbau, der durch die schwache Hochbaukonjunktur auf eine leichte Umsatzdelle zusteuert.
Stabilitätsanker: Dach, GaLaBau und Reinigung
Den Gegenpol bilden die Sanierungs- und Dienstleistungsgewerke. Das Dachdeckerhandwerk behauptet sich mit einem stabilen Umsatz von 13,5 Milliarden Euro. Treiber ist die energetische Gebäudesanierung. Positiv: Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse bei den Dachdeckern stieg auf fast 9.000 – der höchste Stand seit 2002.
Der Garten- und Landschaftsbau (BGL) wuchs nominal auf über 11,1 Milliarden Euro und rechnet für 2026 mit weiteren Zuwächsen auf bis zu 11,6 Milliarden Euro. Wachstumsimpulse liefern hier kommunale Klimaanpassungen wie Schwammstadt-Konzepte sowie das starke Privatkundengeschäft. Unterstützend für die Gesamtkonjunktur wirkt das Gebäudereiniger-Handwerk, das für 2026 ein Umsatzplus von bis zu vier Prozent prognostiziert.
Forderungen: Wohnungsbau und Infrastruktur entfesseln
Besonders kritisch bewertet der Verband den massiven Einbruch im Wohnungsbau. Mit lediglich 206.600 fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2025 wurde der niedrigste Wert seit über einem Jahrzehnt verzeichnet – bei einem jährlichen Bedarf von rund 400.000 Einheiten. Um den Markt zu reaktivieren, fordert die BVB eine deutliche Ausweitung der KfW-Förderung, zeitlich befristete Sonderkonditionen zur Mobilisierung des Bauüberhangs sowie die Kopplung der Sonder-AfA an den EH-55-Standard.
Neben dem Wohnungsbau mahnt die BVB bei der öffentlichen Hand mehr Tempo bei Infrastrukturinvestitionen an. Von den für 2025 geplanten 37 Milliarden Euro flossen laut Verband nur 24 Milliarden ab, Länder und Kommunen erhielten „keinen einzigen Euro“ .
Zudem warnt Nachbauer davor, das geplante Infrastruktur-Zukunftsgesetz politisch zu verwässern. Wenn neben Straßen, Brücken und Schienen künftig auch Moore und Auen pauschal den Status des „überragenden öffentlichen Interesses“ erhielten, laufe der Beschleunigungseffekt für bauliche Infrastruktur komplett ins Leere. Nachbauer: „Die Bauwirtschaft hat das Potenzial, dieses Land aus der Stagnation zu führen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die Aufgaben sind groß und sie dulden keinen Aufschub.“
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