Fernstraßenbau
Fehlende Bundesmittel: BVMB warnt vor Auftragsloch 2027

Die Warnungen aus dem Sommer werden zur bitteren Realität für die Straßenbauer: Weil die Bundesfinanzierung für 2027 wackelt, bringen die Behörden derzeit kaum noch neue Projekte auf den Markt. Dem Baumittelstand droht für das kommende Jahr ein massives Auftragsloch bei Straßen und Brücken, warnt die BVMB.

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Die Befürchtungen der mittelständischen Straßen- und Brückenbauunternehmen bezüglich der Bundesfernstraßenfinanzierung haben sich im Herbst bestätigt. Mitgliedsunternehmen der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) berichten von einem drastischen Rückgang neuer Ausschreibungen für das kommende Jahr 2027. Während kleinere Dienstleistungen wie Verkehrssicherungen, Rodungsarbeiten oder Fahrbahnmarkierungen weiterhin vergeben werden, herrscht bei größeren Aus-, Um- und Erhaltungsmaßnahmen im Straßen- und Brückenbau derzeit nahezu Stillstand auf dem Markt, so die BVMB.
November-Sitzung kommt für Bauplanung zu spät
Bereits im Juli hatte die Bauwirtschaft eindringlich vor diesem Szenario gewarnt. Eine Nachsteuerung der Bundesmittel im Zuge der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses im November kommt für die vorausschauende Personal- und Maschinenplanung der Betriebe zu spät. „Wir haben seit Monaten davor gewarnt, dass uns bei den Ausschreibungen die Zeit davonläuft. Jetzt erreichen uns aus den Unternehmen genau die Rückmeldungen, die wir eigentlich vermeiden wollten: Es kommen zu wenige neue Straßenbaumaßnahmen auf den Markt – auch der Brückenbau leidet in einigen Regionen“, warnt der stellvertretende Präsident der BVMB, Jürgen Faupel .
Fehlende Ausschreibungen reißen Loch in den Vorlauf
Für die ausführenden Unternehmen sei die aktuelle Zurückhaltung der öffentlichen Hand existenzgefährdend, da der notwendige Vorlauf für das Frühjahr wegbreche. Ob die Behörden die Vergaben formal stoppen oder informell aufschieben, spiele für die Praxis der Betriebe letztlich keine Rolle. „Ob man von einem formalen Ausschreibungsstopp spricht oder nicht, ist für die Unternehmen am Ende zweitrangig. Entscheidend ist, was tatsächlich am Markt ankommt. Und das ist derzeit zu wenig“, so der Geschäftsführer der BVMB, Daniel Jonas. Was heute nicht ausgeschrieben werde, fehle den Betrieben im Auftragsvorlauf für das kommende Jahr.
Bauwirtschaft fordert verlässliche Vergabevorschau
Vor den anstehenden Haushaltsentscheidungen und den Debatten um die künftige Kreditfähigkeit der Autobahn GmbH des Bundes fordert die Bauwirtschaft rasche Klarheit. Es reiche nicht aus, hohe Investitionssummen politisch anzukündigen; die Gelder müssten sofort für konkrete, baureife Projekte freigegeben werden. Neben der reinen Budgetierung verlangen die Unternehmen eine verbindliche Vorschau auf geplante Auftragsvergaben, um Kapazitäten, Geräte und Fachkräfte wirtschaftlich disponieren zu können. „Die Bauwirtschaft braucht jetzt Planungssicherheit. Die Finanzierung muss für 2027 zeitnah gesichert werden, damit neue Projekte auf den Weg gebracht werden können", fordert Faupel. „Ebenso wichtig ist eine belastbare Vergabevorschau, aus der hervorgeht, welche Maßnahmen wann und wo ausgeschrieben werden sollen. Nur so können die Unternehmen Personal, Geräte und Kapazitäten vorausschauend planen.“
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Kanzler muss Versprechen für baureife Projekte einlösen
Der Verband erinnert die Bundesregierung nachdrücklich an die Zusage des Bundeskanzlers, wonach jedes baureife Projekt auch tatsächlich realisiert werden soll. Ein reiner Planungsfortschritt in den Schubladen der Behörden nütze den Baubetrieben auf der Suche nach Auslastung nichts. „Baureife Projekte allein verbessern noch keine Straße und sanieren noch keine Brücke", so Jonas. „Dafür müssen sie ausgeschrieben, vergeben und gebaut werden.“
Chronische Hängepartie: Bauwirtschaft mahnt seit Jahren Strukturreform an
Die aktuelle Warnung reiht sich in eine jahrelange Kette von Vergabe- und Finanzierungsstopps ein. Ende 2024 hatte die Bauwirtschaft nach dem Bruch der Regierungskoalition vor einem Stillstand gewarnt, als eine monatelange vorläufige Haushaltsführung den Neubau von Bundesfernstraßen lahmzulegen drohte. Im Sommer 2025 folgte der nächste Tiefschlag für die Betriebe, als die Autobahn GmbH wegen Budgetengpässen einen realen Ausschreibungsstopp verhängte. Seit Jahren fordert die BVMB daher eine grundlegende Strukturreform weg von kurzatmigen Haushaltsbeschlüssen sowie einen geschlossenen Finanzierungskreislauf Straße.
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