Baukonjunktur
Umsatzprognose sinkt trotz Rekordmonat

Überraschend volle Auftragsbücher im Juni wecken Hoffnungen auf ein Ende der Branchenkrise. Das Statistische Bundesamt meldet kräftige Zuwächse bei den Bestellungen. Gleichzeitig senkt der Hauptverband der Bauindustrie seine Umsatzprognose für 2026 und warnt vor unbegründetem Optimismus.
Der preisbereinigte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe verzeichnet einen kräftigen Anstieg. Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldet für den Juni 2026 kalender- und saisonbereinigt ein Plus von 6,0 Prozent gegenüber dem Vormonat. Noch deutlicher fällt der Vorjahresvergleich aus, bei dem der reale Auftragseingang 11,3 Prozent über dem Juni 2025 liegt. Der nominale, also nicht preisbereinigte Wert übersteigt das Vorjahresergebnis sogar um 20,8 Prozent. Auch der Branchenumsatz schließt den Monat positiv ab und wächst real um 6,6 Prozent sowie nominal um 11,5 Prozent auf insgesamt 11,2 Milliarden Euro. Für das erste Halbjahr 2026 bedeutet das ein nominales Umsatzplus von 2,8 Prozent.
Tiefbau treibt die Konjunktur an
Verantwortlich für das kräftige Auftragsplus sind maßgeblich mehrere Großprojekte im Tiefbau. In dieser Sparte nahmen die Bestellungen im Vorjahresvergleich real um satte 17,8 Prozent zu, der nominale Auftragseingang schoss im Juni sogar um 27,1 Prozent nach oben, so der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich von April bis Juni 2026 kletterten die Aufträge im Tiefbau kalender- und saisonbereinigt um 9,3 Prozent gegenüber den drei Monaten zuvor. Der Hochbau wuchs in diesem Zeitraum real nur um 1,5 Prozent, legte aber im isolierten Juni gegenüber dem Vorjahresmonat dennoch um 4,3 Prozent (nominal plus 13,8 Prozent) zu.
Die Konjunkturdaten für Juni 2026 im Überblick
Konjunktur-Indikator | Veränderung zum Vormonat (real) | Veränderung zum Vorjahr (real) | Veränderung zum Vorjahr (nominal) |
Auftragseingang gesamt | +6,0 % | +11,3 % | +20,8 % |
Auftragseingang Hochbau | +8,5 % | +4,3 % | +13,8 % |
Auftragseingang Tiefbau | +4,0 % | +17,8 % | +27,1 % |
Umsatz Bauhauptgewerbe | - | +6,6 % | +11,5 % |
Bauindustrie senkt Umsatzprognose
Trotz dieser scheinbar erfreulichen Zahlen schraubt die Bauwirtschaft ihre Erwartungen für das Gesamtjahr herunter. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) korrigiert seine ursprüngliche Umsatzprognose für 2026 von real plus 2,5 Prozent auf nunmehr plus 1,0 Prozent nach unten. Für das erste Halbjahr 2026 verbucht die Branche zwar ein reales Auftragsplus von 1,8 Prozent, der reale Umsatz bleibt für die ersten sechs Monate mit minus 0,7 Prozent jedoch weiterhin im negativen Bereich. „Angesichts der bis einschließlich Mai stark gebremsten Baukonjunktur und den steigenden Baukosten ist unsere ursprüngliche Prognose nicht mehr zu halten“, so HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. „Ob es sich hierbei aber wirklich um eine unerwartete Trendwende oder nur um ein einmaliges Monats-Strohfeuer handelt, bleibt abzuwarten.“
Margendruck und düstere Ertragserwartungen
Eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen des HDB untermauert die kritische Lage. Nur noch 30 Prozent der Betriebe rechnen im Jahr 2026 mit einem eigenen Umsatzwachstum. Die Situation bei den Erträgen bewerten die Firmen noch weitaus pessimistischer. Fast alle Befragten klagen über Preissteigerungen bei Diesel, Energie sowie Baumaterial, wobei drei Viertel der Unternehmen diese Mehrkosten nicht an die Auftraggeber weiterreichen können. „Es gilt nach wie vor: Umsatz ist noch kein Ertrag“, warnt Müller. Folglich erwarten nur 13 Prozent der Befragten eine Gewinnsteigerung, während 43 Prozent einen Rückgang fürchten.
Sondervermögen erreicht die Basis nicht
Ähnlich kritisch bewertet das mittelständische Baugewerbe die Situation. Zwar stiegen die Aufträge im öffentlichen Bau nominal um 15,7 Prozent und im Straßenbau sogar um 22,1 Prozent, doch eine breite Investitionswende bleibt laut ZDB aus. Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa sieht noch keine Anzeichen für eine flächendeckende Erholung, da die Mittel aus dem Infrastruktur-Sondervermögen auf kommunaler Ebene kaum ankommen. „Der Juni war ein guter Monat für die Bauwirtschaft. Erfreulich ist vor allem der kräftige Anstieg im Straßenbau und im öffentlichen Bau. Aber nach einem schwankenden ersten Halbjahr wäre es verfrüht, jetzt schon von einer Bauwende zu sprechen“, so Pakleppa. Entscheidend sei nun eine kontinuierliche Vergabe öffentlicher Aufträge durch die Kommunen.
Krise im Wohnungsbau verfestigt sich
Im Wohnungsbau wachsen die Sorgen der Bauwirtschaft weiter, obwohl Destatis für den Juni ein nominales Umsatzplus von 8,9 Prozent und ein Auftragsplus von 14,3 Prozent meldet. Kumuliert bis Juni bleibt der Umsatz in dieser Sparte mit minus 0,7 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Zudem berichtet das ifo-Institut zuletzt wieder über steigende Stornierungen von Bauvorhaben. Der HDB senkt folglich seine Jahresprognose für den Wohnungsbau von plus 2,0 Prozent auf nur noch 0,5 Prozent. Was privaten Bauherren und Investoren fehle, sei Planungssicherheit bei der Förderung und bei den Baukosten, so Pakleppa: „Daran sehen wir, wie fragil der vermeintliche Aufschwung ist.“
Unternehmen halten an Fachkräften fest
Derweil ist jedoch ein stabiles Beschäftigungsniveau zu beobachten. Laut Destatis wuchs die Zahl der Beschäftigten in Unternehmen ab 20 Mitarbeitern im Juni um 1,5 Prozent auf rund 545.000 Personen an. Bauindustrie und Baugewerbe gehen davon aus, dass sich die Betriebe für eine künftige Markterholung rüsten. Die HDB-Umfrage bestätigt diesen Trend: 57 Prozent der Unternehmen halten ihr Personal, 24 Prozent bauen sogar weiter auf. „Die Unternehmen möchten sich für eine Erholung im kommenden Jahr gut aufstellen“, resümiert Müller. Der Verband bleibt daher bei seiner Beschäftigtenprognose von plus 1 Prozent auf insgesamt 933.000 Mitarbeiter im Bauhauptgewerbe.
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