Baukonjunktur
Noch keine echte Trendwende in Sicht

Die deutsche Baukonjunktur zeigt im April 2026 ein zweigeteiltes Bild: Während die realen Umsätze im Vorjahresvergleich um 3,6 Prozent steigen, stagniert der Auftragseingang im Vergleich zum Vormonat. Während Großprojekte im Tiefbau florieren, verzeichnet der gewerbliche Hochbau Einbrüche. Branchenverbände sehen daher noch keine nachhaltige Trendwende.

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Die Entwicklung der Baukonjunktur im April 2026 verdeutlicht eine wachsende Kluft zwischen den einzelnen Sparten. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis), die am Donnerstag veröffentlicht wurden, stagnierte der reale (kalender- und saisonbereinigte) Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Vergleich zum März 2026 bei 0,0 Prozent.
Im Jahresvergleich gibt es zwar ein minimales reales Orderplus von 0,6 Prozent (nominal +3,6 Prozent). Doch die Betriebe würden vor allem von alten Auftragsbeständen zehren, so teilt es der Verband Bauindustrie mit. Diese könnten nun sukzessive realisiert werden. Der reale Gesamtumsatz kletterte im Vorjahresvergleich um 3,6 Prozent (nominal +6,3 Prozent) auf 10,0 Milliarden Euro.
Tiefbau als Marktstütze – Alarmzeichen im Hochbau
Für Bauunternehmen verschieben sich die Marktpotenziale derzeit drastisch in den Infrastrukturbereich. Der Tiefbau verzeichnete im April ein kräftiges Auftragsplus von real 6,5 Prozent im Vormonatsvergleich (im Vorjahresvergleich sogar +7,4 Prozent). Hier machen sich fließende öffentliche Mittel im Straßen- und Schienenbau positiv bemerkbar.
Konträr dazu verläuft die Entwicklung im Hochbau: Hier sank das Ordervolumen im Vergleich zum März spürbar um 6,7 Prozent (Vorjahresvergleich -6,5 Prozent). Besonders der gewerbliche und öffentliche Hochbau verzeichnen starke Einbrüche, was ausschreibenden Stellen signalisiert, dass private sowie kommunale Investoren geplante Hochbauprojekte angesichts volatiler Rahmenbedingungen aufschieben.
Zarte Stabilisierung im Wohnungsbau
Ein kleiner Lichtblick zeigt sich im krisenbehafteten Wohnungsbau, der im April ein reales Orderplus von 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verbuchen konnte. Sowohl der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) als auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) warnen jedoch vor verfrühtem Optimismus.
ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa betont, dass der schwache Jahresauftakt und die anhaltend hohen Materialkosten die Bilanzen belasten. Zudem sorge der Konflikt in der Straße von Hormus für neue Preissteigerungen bei wichtigen Vorprodukten.
Durch steigende Materialkosten stünden die Unternehmen in allen Sparten unter Druck, so Papkleppa, „im Straßenbau ebenso wie im öffentlichen und gewerbliche Hoch- sowie im Wohnungsbau. Die Margen vieler Betriebe bleiben angespannt.“
Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Verbands Bauindustrie, ergänzt, dass steigende Baugenehmigungen nicht mit echten Aufträgen gleichzusetzen seien. „Die Bauherren warten erst einmal ab. Solange die weltwirtschaftliche und somit auch die konjunkturelle Lage in Deutschland so volatil ist, wird sich daran auch vorerst nichts ändern.“
Beschäftigung bleibt trotz Volatilität solide
Die handfeste Auslastung durch den Tiefbau spiegelt sich gleichwohl in stabilen Beschäftigungszahlen wider. Im April 2026 waren im deutschen Bauhauptgewerbe (in Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten) rund 545.000 Personen tätig – ein Zuwachs von 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich von Februar bis April 2026 lag der bereinigte Auftragseingang insgesamt um 0,4 Prozent über dem Niveau der vorherigen drei Monate. Hierbei stützte der Hochbau die Bilanz im geglätteten Zeitraum kurzfristig mit einem Plus von 2,4 Prozent, während der Tiefbau im Dreimonatsschnitt temporär um 1,3 Prozent nachgab.
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