Atlas-Insolvenz
Buhler Versatile übernimmt – IG Metall warnt vor massivem Stellenabbau

Die traditionsreiche Atlas-Gruppe beendet ihr Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Der kanadische Landmaschinenhersteller Buhler Versatile übernimmt den operativen Geschäftsbetrieb. Die IG Metall befürchtet den Abbau von rund 200 Arbeitsplätzen.

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Rund vier Monate nach dem Insolvenzantrag im Februar 2026 hat die Atlas-Gruppe eine tragfähige Zukunftslösung gefunden. Der strategische Investor Buhler Versatile übernimmt sämtliche Vermögenswerte der operativ tätigen Gesellschaften, darunter die Atlas GmbH, die Atlas Spare Parts GmbH und die Atlas Kompakt GmbH. Der Kaufvertrag soll am 8. Juni in Hamburg notariell beurkundet werden, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Synergien mit Agrar- und Baumaschinen-Konzern
Der neue Eigentümer Buhler Versatile ist Teil der türkischen Asko Group, einer familiengeführten Industrieholding mit über 2.500 Mitarbeitern, die bereits im Agrar- und Baumaschinensektor aktiv ist. Mit dem Erwerb baut die Gruppe ihre Präsenz auf dem europäischen Markt aus. Atlas bringt ein etabliertes Händlernetzwerk und ein starkes Portfolio im Mobilbagger- und Ladekransegment in den Verbund ein.
Zukunft der Arbeitsplätze noch Verhandlungssache
Während das Management unter Lubomir Litchev die Übernahme als entscheidenden Schritt zur Sanierung wertet, sorgt die Personalplanung für massiven Gegenwind. Denn wie viele der rund 400 Arbeitsplätze an den Standorten konkret erhalten bleiben, steht noch nicht fest. In der offiziellen Erklärung des Unternehmens ist nur von der Absicht die Rede, einen „erheblichen Teil“ der Belegschaft zu übernehmen. Der Erhalt der Arbeitsplätze steht unter dem Vorbehalt von Personalmaßnahmen, die in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat verhandelt werden müssen.
IG Metall warnt vor Kahlschlag und fordert Tarifbindung
Die Gewerkschaft IG Metall Oldenburg wertet den Investoreneinstieg zwar als wichtiges Signal für den Fortbestand des Traditionsunternehmens, übt jedoch scharfe Kritik an den drohenden Einschnitten. Gewerkschaftssekretär Arne Bischoff befürchtet weitreichende Restrukturierungen: „Ein Neustart gelingt nicht, indem man Belegschaften ausdünnt und Know-how aus dem Unternehmen drängt. Sollten tatsächlich 200 Arbeitsplätze abgebaut werden, käme dies einem Kahlschlag gleich.“
Die Gewerkschaft kritisiert zudem, dass ihr das detaillierte Erwerberkonzept bislang nicht vorliege. „Restrukturierung darf nicht zum Selbstzweck werden. Wir werden nicht akzeptieren, dass Beschäftigte die Zeche für Managementfehler der Vergangenheit zahlen“, so Bischoff weiter.
Gleichzeitig verknüpft die Gewerkschaft den Neustart mit einer klaren tarifpolitischen Forderung an die neuen Eigentümer. Martina Bruse, Geschäftsführerin der IG Metall Oldenburg, erwartet von der türkischen Asko-Holding eine eindeutige Haltung zur Tarifbindung: „Wenn Asko es ernst meint mit einem nachhaltigen Engagement bei Atlas, dann erwarten wir dieselbe Offenheit für Tarifverträge, wie sie bei anderen Partnerunternehmen – etwa bei Claas – Standard ist.“
Ende einer monatelangen Insolvenz-Krise
Die Atlas-Gruppe steckte seit rund zwei Jahren in einer tiefen Krise, verschärft durch die schwache Baukonjunktur und interne Spannungen mit der früheren Eignerfamilie Filipov. Während der Sanierungsphase in Eigenverwaltung wurde der Geschäftsbetrieb fortgeführt. Die Löhne der rund 400 Beschäftigten waren bis April über das gesetzliche Insolvenzgeld abgesichert.
Der finale Vollzug der Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Genehmigungen nach dem Außenwirtschaftsgesetz sowie dem Abschluss eines Interessenausgleichs und Sozialplans mit dem Betriebsrat.
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