Antriebswende am Bau
Warum Dynapac auf Elektro-Fertiger setzt

Während Deutschland noch über die Antriebswende diskutiert, liefert Dynapac schon vollelektrische Großasphaltfertiger in die Niederlande. Im bau.bi-Interview fordern Marten Buse und Frieso Brink ein politisches Umdenken. Sie erklären, warum die Technik dem Diesel längst ebenbürtig ist – und warum HVO auf Dauer keine Lösung ist.
bau.bi hat jüngst mit Prof. Frank Will über die stagnierende Antriebswende bei Baumaschinen gesprochen. Wir haben bei Marten Buse (Global Product Manager City & Electric Paver) und Frieso Brink (Teamleader Engineering) vom Baumaschinenhersteller Dynapac nachgefragt, wo Deutschland in Sachen emissionsfreier Baustelle wirklich steht.
bau.bi: Inwieweit teilen Sie die Meinung von Prof. Will - oder sind Sie anderer Meinung?
Dynapac: Wir teilen die Einschätzung von Prof. Will: Die Transformation steht am Anfang. Der Grund liegt aber nicht in fehlender Technologie oder mangelnder Alltagstauglichkeit der Maschinen, sondern in zwei strukturellen Problemen. Erstens ist die Kostendegression bei batterieelektrischen Komponenten, wie sie die Automobilindustrie erlebt hat, in der Baumaschinenwelt noch nicht angekommen. Zweitens lassen sich bei niedrigen Stückzahlen die hohen Entwicklungskosten nicht umlegen – ein klassisches Henne-Ei-Problem.
Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, braucht es politischen Willen. Skandinavien, die Niederlande, die Schweiz, Kalifornien und China zeigen, dass das funktioniert. Deutschland als Entwicklungsstandort vieler OEMs könnte hier einen entscheidenden Unterschied machen und den Rückenwind schaffen, um diese mehrheitlich in Deutschland entwickelten Technologien in die Welt zu tragen. Bisher fehlt es daran. Dynapac hat das Ziel, bis 2030 rund 50 Prozent aller Produktlinien zu elektrifizieren. Wir liefern bereits: Unser vollelektrischer Straßenfertiger ist der Dieselvariante in der Einbauleistung ebenbürtig und bei der Betriebslautstärke klar überlegen.
bau.bi: Welche alternativen Antriebe favorisieren Sie und warum?
Dynapac: Batterieelektrisch – eindeutig. Bei hydraulischen Arbeitsmaschinen lassen sich durch den Einsatz mehrerer elektrischer Einzelantriebe viele Hydraulikkomponenten ersetzen und der Gesamtwirkungsgrad der Maschine auf über 65 Prozent steigern. HVO und andere alternative Kraftstoffe sind bilanziell kurzfristig eine Option, lösen aber das eigentliche Problem nicht. Wie beim Wasserstoff ist die Wandlungskette ineffizient: Jeder zusätzliche Umwandlungsschritt kostet Energie. Der richtige Weg in der Energiewende ist, möglichst wenig davon zu verschwenden.
"Die pauschale Zulassung von Hvo verzerrt den Wettbewerb und verhindert die echte systematische Effizienzsteigerung."
Dass die Elektrifizierung auch bei großen Maschinen funktioniert, ist belegt: Wir haben einen 22-Tonnen-Straßenfertiger mit fünf Antrieben erfolgreich elektrifiziert und beweisen mit Einbauzeiten von acht bis zehn Stunden, dass die elektrischen Maschinen von heute absolut baustellentauglich sind.

bau.bi: Welche politischen Rahmenbedingungen halten Sie für notwendig, um alternative Antriebe zu fördern?
Dynapac: Es braucht zwei Hebel. Zum einen Ausschreibungen mit klaren Vorgaben: Baustellen, bei denen elektrische oder wasserstoffbetriebene Maschinen vorgeschrieben sind, schaffen Wettbewerbsgleichheit und sichern die Auslastung. Wichtig dabei ist, dass die pauschale Zulassung von HVO in solchen Ausschreibungen den Wettbewerb verzerrt und die technische Effizienzsteigerung verhindert.
Zum anderen braucht es direkte Anschaffungsförderungen und langfristige Planungssicherheit. Die Anschaffung ist kapitalintensiv. Der Betreiber muss die Möglichkeit bekommen, diese Maschinen langfristig kalkulieren zu können. Diese Maßnahmen führen zu steigenden Stückzahlen. Mit höheren Volumina verbessert sich die Verhandlungsposition der OEMs gegenüber Komponentenlieferanten, wodurch wir eine Kostendegression von 40 bis 50 Prozent erwarten. Ab diesem Punkt sind elektrische Maschinen allein durch geringere Betriebs- und Wartungskosten wirtschaftlich attraktiv. Bleiben diese Impulse aus, wird Prof. Wills Prognose Realität: Die Fläche bleibt verbrennergetrieben, und der Wandel beschränkt sich auf einzelne Vorreitermärkte außerhalb Deutschlands.
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