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B_Ibaumagazin

Wie der autonome S1 den Materialtransport verändern könnte

Ein autonomer Einachser statt klassischem Muldenkipper: Mit dem S1 will Liebherr den Materialtransport auf Baustellen und in der Rohstoffgewinnung grundsätzlich überdenken. Peter Kurstjens erklärt im Interview, warum das Konzept so radikal reduziert ist – und wie nah der Einsatz in der Praxis tatsächlich ist.

Liebherr S1: Neues Konzept für autonomen Materialtransport
Der S1 Vision reduziert den klassischen Muldenkipper auf seine Kernfunktion – den Transport von Material – und setzt dabei auf ein skalierbares Systemkonzept. | Foto: Liebherr/S1 Vision

Klein, elektrisch, autonom: Der S1 passt auf den ersten Blick nicht ins vertraute Bild des Materialtransports in der Gewinnung und auf Baustellen. Seit seiner Premiere auf der MINExpo 2024 und der Bauma 2025 sorgt das Konzept des batterieelektrischen, autonomen Einachsers für Diskussionen. Im Interview erklärt Peter Kurstjens, der neue CEO von S1 Vision GmbH seit Januar 2026, warum Liebherr den Muldenkipper neu gedacht hat, welche technischen Entscheidungen dahinterstehen und wie realistisch der Einsatz in verschiedenen Branchen aussehen kann.

Peter Kurstjens ist seit Januar 2026 CEO von S1 Vision GmbH, einer eigenständigen Gesellschaft der Liebherr-Firmengruppe. | Foto: Liebherr/S1 Vision
Peter Kurstjens ist seit Januar 2026 CEO von S1 Vision GmbH, einer eigenständigen Gesellschaft der Liebherr-Firmengruppe. | Foto: Liebherr/S1 Vision

Konzept: Warum der S1 so klein und radikal aufgebaut ist

B_I baumagazin: Herr Kurstjens, der S1 ist deutlich kleiner und radikaler aufgebaut als klassische Muldenkipper. Warum das – und welchen Vorteil hat das?

Peter Kurstjens: Mit dem S1 wollten wir den Materialtransport nicht einfach weiterentwickeln, sondern grundlegend hinterfragen. Statt ein bestehendes Fahrzeug zu optimieren, haben wir uns überlegt, wie eine Transporteinheit aussieht, wenn man sie konsequent vom autonomen Betrieb her denkt.

Dabei haben wir den S1 bewusst auf die wesentlichen Funktionen reduziert. Das Ergebnis ist ein kompaktes, hochmanövrierfähiges Fahrzeug, das neue Einsatzszenarien möglich macht. Die kleinere Bauform ist kein Selbstzweck, sondern eröffnet Vorteile für Arbeitsbereiche, wo wenig Platz vorhanden ist oder wo durchgehend planbare und aufeinander abgestimmte Materialflüsse gegeben sind. Gleichzeitig erlaubt sie eine flexible Skalierung – nicht zwingend über größere Einzelmaschinen, sondern über angepasste Systemlösungen.

Einachser: Warum Liebherr auf eine Achse setzt

Der S1 Vision ist als autonomer, batterieelektrischer Einachser konzipiert und soll Materialtransporte in klar strukturierten Arbeitsbereichen automatisieren. | Foto: Liebherr/S1 Vision
Der S1 Vision ist als autonomer, batterieelektrischer Einachser konzipiert und soll Materialtransporte in klar strukturierten Arbeitsbereichen automatisieren. | Foto: Liebherr/S1 Vision

Warum setzt Liebherr beim S1 Vision auf einen Einachser?

P. Kurstjens: Wenn man die Funktion eines Muldenkippers auf das Wesentliche reduziert, entsteht ein sehr klares technisches Konzept. Die Einachsarchitektur ist dabei eine logische Konsequenz dieses Ansatzes. Sie ermöglicht eine hohe Wendigkeit und reduziert die mechanische Komplexität.

Weniger Achsen bedeuten weniger Bauteile und damit potenziell geringeren Wartungsaufwand. Entscheidend ist jedoch, dass das komplette System – bestehend aus Antrieb, Stabilisierung und Software – auf diese Architektur abgestimmt ist. Der Einachser ist somit nicht nur eine konstruktive Besonderheit, sondern integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts.

Elektroantrieb: Warum der S1 batterieelektrisch arbeitet

Der S1 ist batterieelektrisch ausgelegt. Welche Vorteile bietet der Elektroantrieb?

P. Kurstjens: Ein Fahrzeug, das auf einer Achse balanciert und aktiv stabilisiert wird, benötigt eine sehr schnelle und präzise Drehmomentregelung. Das lässt sich technisch am sinnvollsten mit einem elektrischen Antrieb realisieren.

Darüber hinaus bietet die Elektrifizierung bekannte Vorteile: keine lokalen Emissionen, geringere Lärmbelastung und ein reduzierter Wartungsaufwand. Insbesondere bei Projekten mit strengen Emissionsanforderungen oder perspektivisch auch im Untertageeinsatz kann das relevant sein. Für autonome Systeme ist der elektrische Antrieb zudem eine technisch naheliegende Basis, da sich Steuerung und Regelung sehr fein integrieren lassen.

Baustelle: Können elektrische Maschinen im Alltag bestehen?

Viele Bauunternehmen fragen sich, ob elektrische Transportlösungen im rauen Baustellenalltag bestehen können. Welche Erfahrungen liegen Ihnen dazu bislang vor?

P. Kurstjens: Elektrische Maschinen sind heute auf vielen Baustellen bereits im Einsatz. Entscheidend ist weniger die Antriebstechnologie selbst, sondern die Einbindung in ein schlüssiges Energiekonzept.

Wo Ladeinfrastruktur, Energiespeicher und Einsatzprofile aufeinander abgestimmt sind, funktionieren nach unseren Erfahrungen die elektrischen Lösungen zuverlässig. Wichtig ist eine realistische Planung der Arbeitszyklen, der Ladeleistungen, der -technologie und der Energiebedarfe. In strukturierten Umgebungen lässt sich das gut umsetzen. Genau hier sehen wir auch die ersten sinnvollen Einsatzfelder.

Autonomie: Warum der S1 ohne Fahrer gedacht ist

Das kompakte Fahrzeugkonzept verzichtet auf eine Fahrerkabine und ist vollständig auf autonomen Betrieb und digitale Steuerung ausgelegt. | Foto: Liebherr/S1 Vision
Das kompakte Fahrzeugkonzept verzichtet auf eine Fahrerkabine und ist vollständig auf autonomen Betrieb und digitale Steuerung ausgelegt. | Foto: Liebherr/S1 Vision

Autonomie ist beim S1 von Anfang an mitgedacht. Warum setzen Sie auf dieses Konzept?

P. Kurstjens: Der S1 ist nicht als konventionelles Fahrzeug mit späterer Automatisierung entwickelt worden. Autonomie ist von Beginn an Teil des Konzepts. Deshalb gibt es keine Fahrerkabine, sondern ein vollständig digital gesteuertes System.

Ziel ist es, wiederkehrende Transportaufgaben sicher und planbar zu automatisieren. Dabei geht es weniger um spektakuläre Szenarien, sondern um klar definierte Prozesse, die sich zuverlässig abbilden lassen. Autonomie soll hier nicht Selbstzweck sein, sondern zur Stabilisierung von Materialflüssen beitragen.

Baustellenorganisation: Voraussetzungen für autonomen Betrieb

Welche Anforderungen stellt der autonome Betrieb an die Baustelle selbst?

P. Kurstjens: Autonome Systeme funktionieren am besten in strukturierten und klar abgegrenzten Arbeitsbereichen. In Kieswerken, Steinbrüchen oder abgeschlossenen Arealen lassen sich Prozesse gut definieren und absichern.

Auf offenen innerstädtischen Baustellen mit wechselnden Verkehrsströmen ist die Komplexität deutlich höher. Deshalb prüfen wir sehr genau, für welche Einsatzprofile der autonome Betrieb sinnvoll und wirtschaftlich darstellbar ist. Neben der Maschinentechnik spielen dabei Prozessorganisation, Sicherheitszonen und eine stabile digitale Kommunikation eine wichtige Rolle.

Der S1 ist auf sehr unterschiedliche Nutzlasten skalierbar. Wo sehen Sie realistische Einstiegsszenarien?

P. Kurstjens: Wir sehen realistische Einstiegsszenarien vor allem dort, wo Transportzyklen regelmäßig und klar strukturiert ablaufen. Es geht nicht primär darum, bestehende Großgeräte eins zu eins zu ersetzen, sondern Materialflüsse anders zu organisieren.

Kleinere, aufeinander abgestimmte Einheiten können in bestimmten Szenarien kontinuierlicher arbeiten und Ausfallrisiken reduzieren. Entscheidend ist jedoch immer die konkrete Anwendung. Deshalb stehen bei uns aktuell die Validierung und die Definition passender Pilotanwendungen im Vordergrund.

Logistik: Wie autonome Transporte den Materialfluss verändern

Wie verändert ein System wie der S1 den Materialfluss auf der Baustelle – etwa bei Taktung und Logistik?

P. Kurstjens: Das Potenzial liegt in einer gleichmäßigeren Taktung. Anstelle einzelner, fahrerabhängiger Materialbewegungen können klar definierte Transportzyklen automatisiert und vorhersehbar abgewickelt werden.

Dadurch lassen sich Wartezeiten reduzieren und Abläufe stabilisieren. Perspektivisch ist auch eine koordinierte Zusammenarbeit mehrerer Fahrzeuge denkbar. Aktuell liegt der Fokus jedoch zunächst auf der sicheren und robusten Umsetzung einzelner autonomer Transporteinheiten.

Entwicklung: Wie es mit dem S1 weitergeht

Wo steht der S1 in seiner Entwicklung heute?

P. Kurstjens: Nach der Vorstellung auf der MINExpo und auf der Bauma arbeiten wir an der Weiterentwicklung des zweiten Prototyps. Der Schwerpunkt liegt auf technischer Robustheit, Autonomiefunktionen und der Validierung konkreter Anwendungsfälle.

Parallel führen wir Gespräche mit potenziellen Partnern, um geeignete Pilotprojekte zu definieren. Ein konkreter Markteinführungstermin steht noch nicht fest, da wir die nächsten Schritte vom erreichten Reifegrad abhängig machen.

Marktreife: Welche Entwicklungsschritte noch fehlen

Welche nächsten technischen Meilensteine müssen erreicht werden, damit der S1 auf den Markt kommen kann?

P. Kurstjens: Bevor Bauunternehmen den S1 realistisch einplanen können, müssen Autonomiefunktionen unter realen Bedingungen validiert, Sicherheitskonzepte abgestimmt und die Integration in bestehende Prozesse erprobt werden. Mehrmonatige Pilotprojekte sind hierfür entscheidend. Erst wenn Zuverlässigkeit, Wirtschaftlichkeit und Prozessintegration nachgewiesen sind, ist der nächste Schritt in Richtung breiterer Anwendung sinnvoll.

Organisation: Die Rolle der S1 Vision GmbH

Welche Aufgabe übernimmt die S1 Vision GmbH als eigene Gesellschaft in der Liebherr Gruppe?

P. Kurstjens: Die S1 Vision GmbH ist als eigenständiges Corporate Venture organisiert. Das gibt uns die Möglichkeit, neue Technologien und Geschäftsmodelle mit größerer Flexibilität zu entwickeln, als es in klassischen Projektstrukturen möglich wäre. Gleichzeitig profitieren wir von der industriellen Erfahrung der Firmengruppe Liebherr. Diese Kombination aus unternehmerischer Agilität und industrieller Kompetenz ist ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung des Konzepts.

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Ausblick: Die nächsten Schritte des Projekts

Schwarmtechnologie im Fokus: Der S1 ist als Teil einer Fahrzeuggruppe konzipiert, die miteinander vernetzt sind und koordiniert agieren können. | Foto: Liebherr/S1 Vision
Schwarmtechnologie im Fokus: Der S1 ist als Teil einer Fahrzeuggruppe konzipiert, die miteinander vernetzt sind und koordiniert agieren können. | Foto: Liebherr/S1 Vision

Wie sehen die nächsten Schritte in der Entwicklung des S1 aus?

P. Kurstjens: Wir arbeiten aktuell intensiv an Pilotanwendungen und an der nächsten Generation des Systems. In der zweiten Jahreshälfte 2026 werden wir voraussichtlich eine neue Version des S1 vorstellen und erstmals mehrere Fahrzeuge gemeinsam in Bewegung zeigen können. Das ist eine entscheidende Phase, um die Technologie gemeinsam mit Partnern unter realen Bedingungen zu erproben und die nächsten Schritte in Richtung Markteinsatz vorzubereiten.

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