Pilotprojekte bestätigen wirksamen Rückhalt
In der EU entstehen nach verschiedenen Studien jährlich bis zu 500.000 Tonnen Reifenabrieb. In Deutschland schätzt das Umweltbundesamt die jährliche Menge auf rund 98.000 Tonnen. Damit trägt Reifenabrieb einen wesentlichen Anteil zu den gesamten Mikroplastikemissionen bei. Eine neue Filterlösung löst das Problem direkt an der Quelle.


Vom Kalibrierschlauch zum Werkzeug in der grabenlosen Sanierung
Der AIRBAGLINER® von Bodenbender hat sich vom klassischen Kalibrierschlauch zu einem festen Bestandteil moderner Sanierungssysteme entwickelt.
Beim Fahren lösen sich kleinste Partikel von Pkw- und Lkw-Reifen. Bei Regen werden diese Partikel von der Fahrbahnoberfläche in die Straßenabläufe gespült und gelangen über die Entwässerungssysteme in Bäche, Flüsse und andere Gewässer. In Umweltproben sind entsprechende Partikel inzwischen in Fließgewässern und teilweise auch in Trinkwasserressourcen nachweisbar. Die möglichen Auswirkungen auf Ökosysteme und Gesundheit werden wissenschaftlich weiter untersucht; die Studienlage weist auf relevante Risiken hin.
Parallel dazu werden die gesetzlichen Anforderungen an Gewässer- und Trinkwasserqualität schrittweise verschärft. Für Kommunen und Infrastrukturbetriebe stellt sich damit zunehmend die Frage, wie Einträge aus dem Straßenverkehr – insbesondere Reifenabrieb – technisch reduziert werden können.
Filtersystem für Straßenabläufe
Ein im Rahmen des Forschungsprojekts „Urbanfilter“ entwickeltes Filtersystem setzt an den Straßenabläufen an. Es soll Mikroplastikpartikel und andere Feststoffe im Regenwasser zurückhalten, bevor diese in die Kanalisation und weiter in Oberflächengewässer gelangen. Das System wird als Einsatz in Standard-Straßenabläufe mit Nassschlammfang eingebaut (in Deutschland u.a. nach DIN 4052). Es ist damit grundsätzlich mit gängigen Gullytypen kompatibel. Besonders relevant ist der Einsatz an stark befahrenen Straßen, Kreuzungen und weiteren Verkehrsknotenpunkten, an denen erhöhte Mengen an Reifenabrieb anfallen.
Die Filterlösung wurde von der Technischen Universität Berlin und der Audi Stiftung für Umwelt gemeinsam mit der GKD – Gebr. Kufferath AG (Düren, NRW) entwickelt. GKD hat das System unter dem Produktnamen „Capturion“ für die Anwendung in Kommunen, Planungsbüros und Straßenbetrieben weiterentwickelt.
Filter-Tests in Berlin und Kopenhagen

Die Wirksamkeit des Filtersystems wurde zunächst auf einem Teststand in Berlin geprüft, der sich am Zulassungsverfahren des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) orientiert. In diesen Versuchen wurden unter kontrollierten Bedingungen Rückhaltegrade und hydraulische Leistungsfähigkeit untersucht.
In einem anschließenden Praxistest ab November 2024 in Kopenhagen wurde das System an der Frederiksberg Allé eingesetzt, einer Hauptverkehrsstraße mit rund 7.700 Fahrzeugen pro Tag. Während der Testphase wurden dort 121 Millimeter Niederschlag erfasst. Die Messungen ergaben, dass in den umgerüsteten Straßenabläufen deutlich mehr Mikroplastik und weitere Feststoffe erfasst wurden als in nicht umgerüsteten Vergleichsschächten. Im Mittel war die zurückgehaltene Masse an Mikroplastik und Feststoffen knapp 130 Prozent höher als in unbehandelten Gullys.
Die umgerüsteten Schächte blieben auch bei Starkregenereignissen funktionsfähig. Einschränkungen im Abflussverhalten wurden in den Berichten nicht beschrieben. Capturion wurde nach der Installation in Düren mit dem Nachhaltigkeitspreis der IHK Aachen ausgezeichnet.
Pilotanwendung in Düren
In Düren (Nordrhein-Westfalen) wurde im September 2025 ein Pilotprojekt gestartet, bei dem mehrere Straßenabläufe mit dem Filtersystem ausgerüstet wurden. Ziel ist es, die Übertragbarkeit auf eine mittelgroße Stadt mit teilweise enger und weniger tiefer Entwässerungsinfrastruktur zu prüfen. Die Pilotanwendung läuft noch.
Die bisherigen Erfahrungen der kommunalen Betriebe zeigen, dass sich der Filter in die regulären Wartungsabläufe integrieren lässt. Der Wartungsaufwand pro Schacht steigt demnach nicht wesentlich, da die Reinigung mit vorhandener Technik (z.B. Saugwagen) erfolgt.

Einordnung: Baustein zum Gewässerschutz
Mikroplastik aus Reifenabrieb entsteht kontinuierlich im alltäglichen Straßenverkehr und gelangt über die Entwässerungssysteme in die Umwelt. Vor dem Hintergrund der bestehenden und erwarteten regulatorischen Anforderungen gewinnen technische Maßnahmen entlang des Emissionspfads an Bedeutung.
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Das hier beschriebene Filtersystem stellt einen Ansatz dar, um Einträge aus dem Straßenabfluss zu reduzieren. Es kann – abhängig von lokalen Randbedingungen, Straßentypen und Wartungsstrukturen – als Baustein in kommunalen Strategien zum Gewässerschutz eingesetzt werden. Weitere Untersuchungen zur Langzeitwirkung, zu Wartungsintervallen und zu kombinierten Maßnahmen (z.B. mit verkehrs- oder reifenseitigen Ansätzen) sind für eine umfassende Bewertung des Gesamtnutzens relevant.
Quelle: GKD
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