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Leitungsbau/

Geothermie: Coiled-Tubing gegen Ablagerungen

Projekt „Rosiger"

Coiled-Tubing sichert tiefe Geothermie

18.06.2026, 07:00
AACHEN
Geothermie: Coiled-Tubing gegen Ablagerungen
Im Coiled-Tubing wird ein flexibles, aufgewickeltes Stahlrohr eingesetzt, um Werkzeuge in tiefen Bohrungen zu betreiben. Das Projekt Rosiger will damit die Wartungszeiten von Geothermiebohrungen verringern. | Foto: V. Wittig/Fraunhofer IEG

Tiefe Geothermie besitzt das Potenzial, ein Viertel des deutschen Wärmebedarfs zu decken. Mineralreiche Thermalwässer verursachen jedoch häufig Effizienzverluste durch Ablagerungen in den Brunnen. Das Fraunhofer IEG entwickelt im Projekt Rosiger eine neue Reinigungstechnik, die diese Ausfällungen bei hohen Temperaturen und minimalem Stillstand entfernt. Das BMWi fördert das Vorhaben mit rund 3 Millionen Euro.


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„Durch leicht anwendbare Technologie wollen wir die Effizienz der geothermischen Energiegewinnung steigern", erklärt Volker Wittig, Projektleiter am Fraunhofer IEG. „Die zuverlässige Integration der Energieform Geothermie in den europäischen Energiemarkt hilft es, Wertschöpfung zukunftsfest und regional zu gestalten."

Ausfällungen aus heißem Thermalwässern entsprechen bekannten Phänomenen wie Tropfsteinen in Höhlen, Sintern an Wasserquellen, Kalkflecken am Fenster oder dem sprichwörtlichen „verkalkten Heizstab“ von Spül- und Waschmaschine: Gelöste Bestandteile des Wassers werden zum Feststoff, wenn sich Temperatur oder Druck ungünstig ändern. In technischen Anlagen wie Waschmaschinen oder geothermischen Heizwerken können sie die Funktion und Effizienz beeinträchtigen und somit Wartungs- und Ersatzteilkosten verursachen. Die Entfernung mit klassischen Methoden führt zu Ausfallzeiten und Stillständen des Betriebes.

Wirtschaftliche Aufwältigung mit Coiled-Tubing-Technologie

Ziel von Rosiger ist die Entwicklung eines kontinuierlich laufenden, sicheren und wirtschaftlichen Verfahrens zur Entfernung mineralischer Ablagerungen in tiefen Geothermiebohrungen. Bei der Aufwältigung werden Bohrungen, die sich durch mineralische Ablagerungen verengt haben, erneut aufgebohrt – aufgrund des Bedarfs an Zeit, Material und Personal ein teures und aufwendiges Verfahren.

Zentral im Projekt Rosiger ist deshalb die Coiled-Tubing-Technologie. Klassischerweise wird ein starres, fortlaufend zu verschraubendes Bohrgestänge verwendet, um Werkzeuge im Bohrloch zu platzieren und zu betreiben. Im Coiled-Tubing wird kontinuierlich ein flexibles, aufgewickeltes Stahlrohr oder ein Flexschlauch eingesetzt – mittlerweile auch in großkalibrigen Bohrungen. Der Aufwand für den kontinuierlichen Betrieb der Technologie und die eigentliche Aufwältigung der Geothermiebohrungen sinkt deutlich. Im Idealfall lässt sich zukünftig der Ab- und Austrag von Ablagerungen sogar in den laufenden Betrieb der Geothermieanlage integrieren.

Praxistests und geologischer Einsatz im Malm-Aquifer

Im Projekt werden die effizientesten und am besten kombinierbaren Abtrags- und Austragsmethoden von mineralischen Ablagerungen identifiziert und auf ihre Kompatibilität bezüglich Coiled-Tubing-Technik getestet. Labortests am Fraunhofer IEG dienen der Bewertung und Optimierung einzelner Komponenten. Im Rahmen zweier aufeinander aufbauender Feldtests wird der Erfolg des Gesamtverfahrens in geothermischen Tiefbohrungen evaluiert. Die Erfolgskontrolle geschieht durch detaillierte Auswertung von Bohrlochmessungen und technischen und wirtschaftlichen Kennzahlen – wie Abtragseffizienz, Reinigungsdauer, Zuverlässigkeit und weiteren –, die abschließend mit dem Stand der Technik verglichen werden, um Fortschritt, Effektivität und Wirtschaftlichkeit des neuen Verfahrens zu beurteilen.
Ablagerungen im Inneren eines Brunnenloches senken die Effizienz von Geothermiebohrungen. Im Projekt Rosiger wird Coiled-Tubing genutzt, um die Ablagerungen schnell zu entfernen. | Foto: V. Wittig/Fraunhofer IEG
Ablagerungen im Inneren eines Brunnenloches senken die Effizienz von Geothermiebohrungen. Im Projekt Rosiger wird Coiled-Tubing genutzt, um die Ablagerungen schnell zu entfernen. | Foto: V. Wittig/Fraunhofer IEG

Das entwickelte Verfahren könnte die Marktstandards für Tiefbohrungen verändern. Es eröffnet Möglichkeiten für deutliche Kosteneinsparungen und langfristig hohe Produktionsraten. Das Verfahren wird beispielhaft im geologischen Untergrund des Malms, einer Kalkgesteinsschicht in Bayern, erprobt, kann jedoch auch in allen anderen Geologien angewendet werden. Neben der Beseitigung von mineralischen Ablagerungen an den Rohrwänden und im Bohrloch soll die Technik auch zukünftig für generelle Aufwältigungen wie der Entsandung von Bohrungen, Entfernung von Blockaden durch Salzablagerungen und weitere Arbeiten einsetzbar sein.

Millionen-Förderung und Projektpartner des Verbundvorhabens

Das Verbundvorhaben „Rosiger – Removal of Scaling in Deep Geothermal Wells without Reservoir Interference/Effiziente, kontinuierliche Entfernung von mineralischen Ablagerungen in tiefen geothermischen Bohrlöchern ohne Beeinträchtigung des Reservoirs" wird über den Projektträger Jülich vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Programms „Geothermische Energie" für 3 Jahre mit rund 3 Millionen Euro gefördert. Partner im Vorhaben sind die Stadtwerke München. Auf das Teilvorhaben Remove der Fraunhofer IEG entfallen 800.000 Euro. Das Verbundvorhaben baut auf dem Vorgängerprojekt Rosig auf.

Quelle: Fraunhofer IEG

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