Kommunale Wärmeplanung
Erdwärme wird zum Schlüssel der Dekarbonisierung

Zum Ende der Frist für Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern, ihre kommunale Wärmeplanung vorzulegen, zeigt sich: Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist bundesweit zur Priorität geworden. Fast alle Kommunen haben ihre Wärmepläne innerhalb der Frist veröffentlicht. Der Großteil prüft Geothermie als Erfüllungsoption oder plant bereits konkrete Projekte.

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Zum 30. Juni endet die Frist für Städte mit über 100.000 Einwohnern, ihre kommunalen Wärmepläne zu beschließen und zu veröffentlichen. So besagt es das Wärmeplanungsgesetz (WPG), das erstmals bundesweit alle Städte und Gemeinden dazu verpflichtete, Wärmepläne zu erarbeiten. Zum Fristende zeigt sich, dass das Thema bei den Kommunen an Bedeutung gewinnt – was auch an den geopolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre liegt.
„Nach mehreren Energiekrisen, zuletzt durch die Blockade der Straße von Hormus, haben Stadtwerke schmerzlich erfahren, wie angreifbar sie sich machen, wenn sie ihre Wärmeversorgung ausschließlich auf fossile Wärmeträger aufbauen“, sagt Gregor Dilger, Geschäftsführer des Bundesverbands Geothermie e.V. (BVG).
Geothermie als tragende Säule im städtischen Wärmeplan
Auf dem Weg in eine künftige Wärmeversorgung, die unabhängig von Energieimporten ist, spielt Erdwärme eine entscheidende Rolle. Von den knapp 80 veröffentlichten Wärmeplänen deutscher Großstädte haben rund zwei Drittel Geothermie in ihrer Planung berücksichtigt. Weitere rund 50 Prozent haben bereits Maßnahmen ergriffen, um Erdwärme in ihrer Kommune in die Umsetzung zu bringen. Dazu zählen Städte wie Potsdam, wo sieben potenzielle Anlagenstandorte für tiefe Geothermie bereits identifiziert wurden, von denen sich einer im Regelbetrieb befindet und drei weitere in der konkreten Planungsphase sind. Oberflächennahe Geothermie wird hier ebenfalls, vor allem mit Blick auf Quartierslösungen sowie in Vierteln mit weniger dichter Bebauung, geprüft.
Starke Potenziale für tiefe und oberflächennahe Erdwärme
Auch Münster setzt für seine Wärmeversorgung auf Erdwärme und hat im Rahmen des „Masterplans NRW“ bereits eine großflächige 3D-Seismik durchgeführt. In Münster wird das Potenzial für tiefe und mitteltiefe Geothermie basierend auf bisherigen Untersuchungen der Stadtwerke Münster auf bis zu 206 GWh/a für tiefe und 84 GWh/a für mitteltiefe Geothermie beziffert. Das technische Potenzial von oberflächennaher Geothermie im Stadtgebiet wird mit 385 GWh/a angegeben. Somit könnte rund ein Viertel des Wärmebedarfs Münsters (2.600 GWh/a) durch Erdwärme abgedeckt werden.
In Mannheim entwickeln die regionalen Energieunternehmen EnBW und MVV Energie mit ihrer gemeinsamen Projektgesellschaft GeoHardt GmbH ein Tiefengeothermieprojekt. Die MVV Energie entwickelt zudem mit Vulcan Energie Ressourcen GmbH ein weiteres Geothermie-Projekt in der Region Mannheim zur Förderung von klimaneutraler Wärme und grünem Lithium für die europäische Batterieindustrie.
„Und das sind nur ein paar Beispiele von deutschlandweit insgesamt 188 Projekten in Planung und zahlreichen Anlagen, die bereits seit Jahrzehnten zuverlässig Wärme liefern. Mit dem Ausbau der Erdwärme kann Deutschland nur gewinnen. Eine heimische Wärmeversorgung bringt Versorgungssicherheit, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum“, sagt Gregor Dilger.
Praxiswissen und Leitfäden für die kommunale Praxis
Für Kommunen, die noch ganz am Anfang stehen und sich zu Geothermie informieren wollen, bietet der Bundesverband Geothermie e.V. kostenlose Leitfäden für oberflächennahe und tiefe Geothermie. Außerdem veranstaltet der Verband regelmäßig Workshops oder sogar Führungen zu Geothermiestandorten, die einen guten Einstieg in das Thema bieten. Ebenfalls bietet der Geothermiekongress 2026 (20.-22. Oktober in Potsdam) zahlreiche praxisnahe Erfahrungswerte.
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Quelle: Bundesverband Geothermie
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