Neubau, Bestand und Transformation gemeinsam denken
Mit seiner 38. Auflage unterstrich das Oldenburger Rohrleitungsforum am 5. und 6. Februar 2026 seine Stellung als konstruktive Netzwerkplattform fĂŒr die leitungsgebundene Infrastruktur. Unter dem Leitthema âAlt und Neu â Strategien fĂŒr Netze von morgenâ diskutierten Fachleute ĂŒber den Zustand und die Weiterentwicklung unterirdischer Netze. Rund 1.300 Teilnehmer an der Fachtagung und insgesamt mehr als 6.000 Besucherinnen und Besucher auf dem GelĂ€nde der Weser Ems-Hallen machten die diesjĂ€hrige Veranstaltung zur bestbesuchten in der Geschichte des Forums.

Bereits zur Eröffnung im Sitzungssaal des ehemaligen LandtagsgebĂ€udes am 4. Februar wurde klar, dass das Motto der diesjĂ€hrigen Veranstaltung keine GegensĂ€tze betont, sondern Integration einfordert. Denn Bestand und Neubau bilden zu gleichen Teilen das Fundament unserer Daseinsvorsorge und mĂŒssen technisch, betrieblich und strategisch zusammengedacht werden. âAber âAlt und Neu â Strategien fĂŒr Netze von morgenâ ist kein fertiges Konzept, sondern eine Einladung zum Dialogâ, betonte Mike Böge, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Instituts fĂŒr Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg, mit Blick auf die kommenden zwei Tage.
Kritische Infrastrukturen schĂŒtzen
VerĂ€nderte sicherheitspolitische Rahmenbedingungen prĂ€gen zunehmend den Dialog ĂŒber die Zukunft der Netze. Karsten Specht, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands, OOWV, rĂŒckte in diesem Zusammenhang die wachsende Bedeutung kritischer Infrastrukturen in den Fokus. Wasser- und Abwasseranlagen seien heute dauerhaft hybriden Bedrohungen ausgesetzt. Cyberangriffe und gezielte Sabotage seien reale Szenarien, auf die sich Betreiber einstellen mĂŒssten. âWir mĂŒssen davon ausgehen, dass Angriffe kommen â Hoffnung ist keine Strategieâ, betonte Specht im Rahmen der Eröffnung. Cybersicherheit lasse sich dabei nicht delegieren. âDas ist kein IT-Thema, sondern ganz klar ein Vorstandsthema.â VerschĂ€rfte gesetzliche Vorgaben im KRITIS-Umfeld wĂŒrden zwar den organisatorischen und finanziellen Aufwand erhöhen, seien aber Voraussetzung fĂŒr Resilienz und Versorgungssicherheit. Zugleich machte Specht deutlich, dass diese Anforderungen ohne politische Priorisierung, beschleunigte Verfahren und eine langfristig gesicherte Finanzierung kaum zu bewĂ€ltigen seien.

Wasser- und Abwassermanagement unter verÀnderten Rahmenbedingungen

FĂŒr eine erfolgreiche Energie- und WĂ€rmewende
Auch im Kontext einer erfolgreichen Umsetzung der Energie- und WĂ€rmewende stand die AbwĂ€gung und VerknĂŒpfung zwischen alt und neu im Mittelpunkt vieler interessanter DiskussionsansĂ€tze. So werden bei den Verteilnetzen bestehende Gasnetze weiterhin eine tragende Rolle spielen. Deren Aufgabe gilt es aber nun neu zu bewerten und zu definieren. FĂŒr die Gasversorgung skizzierten Heiko Fastje und Jannis Klinkebiel, beide von der in Oldenburg ansĂ€ssigen EWE Netz GmbH, einen realistischen Entwicklungspfad. Trotz ambitionierter Klimaziele bleibe Gas auf absehbare Zeit Bestandteil der Energieversorgung. âRund 90 Prozent der HĂ€user sind heute an das Gasnetz angeschlossen â der Transformationsweg ist entsprechend langâ, betonte er. Auch kĂŒnftig seien MolekĂŒle unverzichtbar, insbesondere fĂŒr SpeicherfĂ€higkeit, industrielle Anwendungen und Versorgungssicherheit. Zugleich warnte Fastje vor verkĂŒrzten Erwartungshaltungen: âEine Energiewende dauert eine Generation â schnelle Antworten auf komplexe Fragen gibt es nicht.â

DarĂŒber hinaus wurde intensiv ĂŒber FernwĂ€rme als wichtiger Baustein der WĂ€rmewende diskutiert. Dr.-Ing. Bernd Wagner vom AGFW, unterstrich, dass die kommunale WĂ€rmeplanung ein organisatorisch und technisch anspruchsvolles Projekt sei. Dies trete gerade in Bezug auf den nun notwendigen Netzausbau, ein gezieltes Asset-Management und eine zugleich wirtschaftliche und innovationsorientierte BauausfĂŒhrung deutlich hervor. âFernwĂ€rmenetze ermöglichen die systemische Einbindung unterschiedlichster WĂ€rmequellen und gewinnen durch digitale, datenbasierte BetriebsfĂŒhrung weiter an Effizienzâ, so Wagner.
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Viel mehr als ein Branchentreffen
Ăber alle Sparten hinweg hat das 38. Oldenburger Rohrleitungsforum verdeutlicht, dass sich die Zukunft der unterirdischen Infrastruktur nicht im Neubau allein entscheidet, sondern im Zusammenspiel von Bestand, gezielter Weiterentwicklung und Integration. Klimaschutz, Energiewende, Klimaanpassung und Ressourceneffizienz treffen dabei auf Anforderungen aus Digitalisierung, Automatisierung und FachkrĂ€ftesicherung. Das Oldenburger Rohrleitungsforum bot dafĂŒr erneut den fachlichen Rahmen.
Mike Böge zog zum Abschluss der Veranstaltung ein entsprechend positives Fazit: âDas Forum war geprĂ€gt von einem sehr konstruktiven Austausch und vielen intensiven Begegnungen. Noch nie zuvor sind hier so viele Menschen zusammengekommen, um sich ĂŒber Verfahren, Werkstoffe, organisatorische Rahmenbedingungen, Strategien gegen den FachkrĂ€ftemangel und weitere wichtige Herausforderungen unserer Branche auszutauschen. Ein besonders eindrucksvoller Moment aber war fĂŒr mich wĂ€hrend der Eröffnungsveranstaltung der Auftritt von Maria Lenz, der Witwe unseres Forum-GrĂŒnders Prof. Joachim Lenz, die mit sehr persönlichen Worten an sein Lebenswerk erinnerte und zugleich den Geist des Oldenburger Rohrleitungsforums spĂŒrbar machte: den offenen, respektvollen und fachlich fundierten Austausch, der die Veranstaltung von Beginn an geprĂ€gt hat.â
Quelle: iro GmbH
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