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B_Iumweltbau

Neubau, Bestand und Transformation gemeinsam denken

Mit seiner 38. Auflage unterstrich das Oldenburger Rohrleitungsforum am 5. und 6. Februar 2026 seine Stellung als konstruktive Netzwerkplattform fĂŒr die leitungsgebundene Infrastruktur. Unter dem Leitthema „Alt und Neu – Strategien fĂŒr Netze von morgen“ diskutierten Fachleute ĂŒber den Zustand und die Weiterentwicklung unterirdischer Netze. Rund 1.300 Teilnehmer an der Fachtagung und insgesamt mehr als 6.000 Besucherinnen und Besucher auf dem GelĂ€nde der Weser Ems-Hallen machten die diesjĂ€hrige Veranstaltung zur bestbesuchten in der Geschichte des Forums.

Oldenburger Rohrleitungsforum 2026: Strategien fĂŒr Netze von morgen
Rekordbeteiligung: Insgesamt mehr als 6.000 Besucher auf dem GelĂ€nde der Weser Ems-Hallen und ĂŒber 500 Aussteller in der begleitenden Fachausstellung – dies ist die Erfolgsbilanz des 38. Oldenburger Rohrleitungsforums. | Foto: B_I/Valdix

Bereits zur Eröffnung im Sitzungssaal des ehemaligen LandtagsgebĂ€udes am 4. Februar wurde klar, dass das Motto der diesjĂ€hrigen Veranstaltung keine GegensĂ€tze betont, sondern Integration einfordert. Denn Bestand und Neubau bilden zu gleichen Teilen das Fundament unserer Daseinsvorsorge und mĂŒssen technisch, betrieblich und strategisch zusammengedacht werden. „Aber ‚Alt und Neu – Strategien fĂŒr Netze von morgen‘ ist kein fertiges Konzept, sondern eine Einladung zum Dialog“, betonte Mike Böge, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Instituts fĂŒr Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg, mit Blick auf die kommenden zwei Tage.

Kritische Infrastrukturen schĂŒtzen

VerĂ€nderte sicherheitspolitische Rahmenbedingungen prĂ€gen zunehmend den Dialog ĂŒber die Zukunft der Netze. Karsten Specht, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands, OOWV, rĂŒckte in diesem Zusammenhang die wachsende Bedeutung kritischer Infrastrukturen in den Fokus. Wasser- und Abwasseranlagen seien heute dauerhaft hybriden Bedrohungen ausgesetzt. Cyberangriffe und gezielte Sabotage seien reale Szenarien, auf die sich Betreiber einstellen mĂŒssten. „Wir mĂŒssen davon ausgehen, dass Angriffe kommen – Hoffnung ist keine Strategie“, betonte Specht im Rahmen der Eröffnung. Cybersicherheit lasse sich dabei nicht delegieren. „Das ist kein IT-Thema, sondern ganz klar ein Vorstandsthema.“ VerschĂ€rfte gesetzliche Vorgaben im KRITIS-Umfeld wĂŒrden zwar den organisatorischen und finanziellen Aufwand erhöhen, seien aber Voraussetzung fĂŒr Resilienz und Versorgungssicherheit. Zugleich machte Specht deutlich, dass diese Anforderungen ohne politische Priorisierung, beschleunigte Verfahren und eine langfristig gesicherte Finanzierung kaum zu bewĂ€ltigen seien.

BegrĂŒĂŸten die GĂ€ste im Rahmen der Eröffnung im Sitzungssaal des ehemaligen LandtagsgebĂ€udes: Mike Böge, Institut fĂŒr Rohrleitungsbau an der Fachhochschule e.V., Jannis Klinkebiel, EWE Netz GmbH, Karsten Specht, OOWV, Prof. Dr. Manfred Weisensee, PrĂ€sident der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth, Falko Mohrs, NiedersĂ€chsischer Minister fĂŒr Wissenschaft und Kultur, JĂŒrgen Krogmann, OberbĂŒrgermeister der Stadt Oldenburg, und Bernd Niedringhaus, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der iro GmbH Oldenburg (v.l.n.r.). | Foto: iro / Michael Stephan
BegrĂŒĂŸten die GĂ€ste im Rahmen der Eröffnung im Sitzungssaal des ehemaligen LandtagsgebĂ€udes: Mike Böge, Institut fĂŒr Rohrleitungsbau an der Fachhochschule e.V., Jannis Klinkebiel, EWE Netz GmbH, Karsten Specht, OOWV, Prof. Dr. Manfred Weisensee, PrĂ€sident der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth, Falko Mohrs, NiedersĂ€chsischer Minister fĂŒr Wissenschaft und Kultur, JĂŒrgen Krogmann, OberbĂŒrgermeister der Stadt Oldenburg, und Bernd Niedringhaus, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der iro GmbH Oldenburg (v.l.n.r.). | Foto: iro / Michael Stephan

Wasser- und Abwassermanagement unter verÀnderten Rahmenbedingungen

Insgesamt erwies sich das Leitthema „Alt und Neu“ als Klammer fĂŒr die vielen fachlichen Debatten des Forums. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie gewachsene Netze unter grundlegend verĂ€nderten Rahmenbedingungen nicht nur weiterbetrieben, sondern gezielt weiterentwickelt werden können. FĂŒr die Wasser- und Abwasserwirtschaft wurde deutlich, dass sich Resilienz und Klimafolgenanpassung in konkreten technischen, betrieblichen und organisatorischen Anforderungen an Planung, Bau und Betrieb niederschlagen mĂŒssen – von der systematischen Kenntnis des Bestands ĂŒber neue Transportleitungen bis hin zu einer datenbasierten BetriebsfĂŒhrung. „Die Erhöhung von Resilienz in der Wasserversorgung erfordert kontinuierliche Anpassungsprozesse“, betonte Dr. Wolf Merkel, Vorstand – Ressort Wasser beim DVGW, im Rahmen des jĂ€hrlich stattfindenden PressegesprĂ€chs. Der damit verbundene Handlungsdruck spiegelt sich unmittelbar im Investitionsbedarf wider. Klimabedingte Zusatzinvestitionen in der Wasserversorgung summieren sich in den kommenden zehn Jahren auf bis zu 13 Milliarden Euro. Dies sei ein Umfang, der politisch und gesellschaftlich hĂ€ufig unterschĂ€tzt werde. Dass die Netze bislang zuverlĂ€ssig funktionieren, verdecke den tatsĂ€chlichen Anpassungsbedarf, warnte Merkel.
Pressekonferenz: Auch in diesem Jahr diskutierten Journalistinnen und Journalisten wieder mit ausgewĂ€hlten Branchenexperten ĂŒber aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen. | Foto: iro / Michael Stephan
Pressekonferenz: Auch in diesem Jahr diskutierten Journalistinnen und Journalisten wieder mit ausgewĂ€hlten Branchenexperten ĂŒber aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen. | Foto: iro / Michael Stephan
Auch beim Abwasser- und Regenwassermanagement verdichtet sich die Entwicklungsdynamik spĂŒrbar. Klimatische Extreme nehmen zu, wĂ€hrend Netze nur mit entsprechenden VorlĂ€ufen angepasst werden können. „So schnell, wie der Klimawandel voranschreitet, können wir unsere Netze nicht umbauen“, betonte Prof. Dr.-Ing. Katharina Teuber, Professorin fĂŒr Siedlungswasserwirtschaft an der Jade Hochschule und Vorstandsmitglied im Institut fĂŒr Rohrleitungsbau. Umso wichtiger sei es, den vorhandenen Bestand konsequent auszuschöpfen und intelligenter zu nutzen. „Wir mĂŒssen schauen, was wir aus dem Bestand herausholen können“, sagte Teuber mit Blick auf digitale Steuerung und neue AnsĂ€tze im Umgang mit Niederschlagswasser. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass die zunehmende Digitalisierung zwar hohen Nutzen stifte, zugleich aber neue Zielkonflikte eröffne. Der wachsende Anspruch an datenbasierte Steuerung steht in einem SpannungsverhĂ€ltnis zu steigenden Anforderungen an die Cyber- und Systemsicherheit. Dies seien Faktoren, die nicht allein technisch lösbar seien, sondern klare organisatorische ZustĂ€ndigkeiten und qualifiziertes Personal erforderten.

FĂŒr eine erfolgreiche Energie- und WĂ€rmewende

Auch im Kontext einer erfolgreichen Umsetzung der Energie- und WĂ€rmewende stand die AbwĂ€gung und VerknĂŒpfung zwischen alt und neu im Mittelpunkt vieler interessanter DiskussionsansĂ€tze. So werden bei den Verteilnetzen bestehende Gasnetze weiterhin eine tragende Rolle spielen. Deren Aufgabe gilt es aber nun neu zu bewerten und zu definieren. FĂŒr die Gasversorgung skizzierten Heiko Fastje und Jannis Klinkebiel, beide von der in Oldenburg ansĂ€ssigen EWE Netz GmbH, einen realistischen Entwicklungspfad. Trotz ambitionierter Klimaziele bleibe Gas auf absehbare Zeit Bestandteil der Energieversorgung. „Rund 90 Prozent der HĂ€user sind heute an das Gasnetz angeschlossen – der Transformationsweg ist entsprechend lang“, betonte er. Auch kĂŒnftig seien MolekĂŒle unverzichtbar, insbesondere fĂŒr SpeicherfĂ€higkeit, industrielle Anwendungen und Versorgungssicherheit. Zugleich warnte Fastje vor verkĂŒrzten Erwartungshaltungen: „Eine Energiewende dauert eine Generation – schnelle Antworten auf komplexe Fragen gibt es nicht.“

Das in diesem Jahr sehr winterliche AußengelĂ€nde des Oldenburger Rohrleitungsforums bot wieder viel Raum, um interessante Systemlösungen des Tief- und Leitungsbaus kennenzulernen. | Foto: iro / Michael Stephan
Das in diesem Jahr sehr winterliche AußengelĂ€nde des Oldenburger Rohrleitungsforums bot wieder viel Raum, um interessante Systemlösungen des Tief- und Leitungsbaus kennenzulernen. | Foto: iro / Michael Stephan

DarĂŒber hinaus wurde intensiv ĂŒber FernwĂ€rme als wichtiger Baustein der WĂ€rmewende diskutiert. Dr.-Ing. Bernd Wagner vom AGFW, unterstrich, dass die kommunale WĂ€rmeplanung ein organisatorisch und technisch anspruchsvolles Projekt sei. Dies trete gerade in Bezug auf den nun notwendigen Netzausbau, ein gezieltes Asset-Management und eine zugleich wirtschaftliche und innovationsorientierte BauausfĂŒhrung deutlich hervor. „FernwĂ€rmenetze ermöglichen die systemische Einbindung unterschiedlichster WĂ€rmequellen und gewinnen durch digitale, datenbasierte BetriebsfĂŒhrung weiter an Effizienz“, so Wagner.

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Viel mehr als ein Branchentreffen

Über alle Sparten hinweg hat das 38. Oldenburger Rohrleitungsforum verdeutlicht, dass sich die Zukunft der unterirdischen Infrastruktur nicht im Neubau allein entscheidet, sondern im Zusammenspiel von Bestand, gezielter Weiterentwicklung und Integration. Klimaschutz, Energiewende, Klimaanpassung und Ressourceneffizienz treffen dabei auf Anforderungen aus Digitalisierung, Automatisierung und FachkrĂ€ftesicherung. Das Oldenburger Rohrleitungsforum bot dafĂŒr erneut den fachlichen Rahmen.

Mike Böge zog zum Abschluss der Veranstaltung ein entsprechend positives Fazit: „Das Forum war geprĂ€gt von einem sehr konstruktiven Austausch und vielen intensiven Begegnungen. Noch nie zuvor sind hier so viele Menschen zusammengekommen, um sich ĂŒber Verfahren, Werkstoffe, organisatorische Rahmenbedingungen, Strategien gegen den FachkrĂ€ftemangel und weitere wichtige Herausforderungen unserer Branche auszutauschen. Ein besonders eindrucksvoller Moment aber war fĂŒr mich wĂ€hrend der Eröffnungsveranstaltung der Auftritt von Maria Lenz, der Witwe unseres Forum-GrĂŒnders Prof. Joachim Lenz, die mit sehr persönlichen Worten an sein Lebenswerk erinnerte und zugleich den Geist des Oldenburger Rohrleitungsforums spĂŒrbar machte: den offenen, respektvollen und fachlich fundierten Austausch, der die Veranstaltung von Beginn an geprĂ€gt hat.“

Quelle: iro GmbH


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