Wickelrohrverfahren
Grabenlose Rohrsanierung im laufenden Betrieb

In Denzlingen wurden 440 Meter eines schadhaften Stahlbeton-Mischwasserkanals (DN 1100) grabenlos saniert. Um den Verkehr nicht zu beeinträchtigen, kam das Wickelrohrverfahren SPR RO zum Einsatz. Die Maßnahme im Wasserschutzgebiet konnte so bei laufendem Abwasserbetrieb ressourcenschonend und minimalinvasiv erfolgen.

Grabenlos, hygienisch, effizient: SaniTube erhält KTW-BWGL-Zertifikat
Die Sanierung von Trinkwasserleitungen ist eine Herausforderung: Neben der technischen Erneuerung spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle.
Risse, Brüche, Wurzeleinwüchse und Deformationen machten in Denzlingen (Freiburger Bucht) die Sanierung von sieben Haltungen eines Stahlbeton-Mischwasserkanals im Kreisprofil (DN 1100) erforderlich. Wiederholt traten an den Bauteilverbindungen Undichtigkeiten auf. Da die Abschnitte in der Berliner Straße und im Heimatweg im Wasserschutzgebiet der Zone III B liegen, bestand dringender umwelttechnischer Handlungsbedarf: Infiltrierendes Grundwasser erhöhte den Aufwand für die Abwasserbehandlung, während eine Exfiltration den Untergrund gefährdete.
Im Auftrag des Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung Denzlingen und nach Planung der Vogel Ingenieure sanierte die Swietelsky-Faber im Sommer 2026 eine Gesamtlänge von rund 440 Metern. Zum Einsatz kam die Wickelrohrtechnik SPR RO mit dem Rotaloc Wickelrohrsystem von Rib Loc.
Minimale Eingriffe in den Verkehrsraum
Eine besondere Randbedingung des Projekts war das Umfeld: Die Berliner Straße ist stark vom Buslinienverkehr geprägt, der Heimatweg wird als schmaler Fußweg genutzt. Eine offene Bauweise hätte über einen längeren Zeitraum massive Eingriffe in den Verkehrsraum bedeutet, weshalb die Wahl auf eine grabenlose Sanierung fiel.
Gegenüber der offenen Bauweise ließen sich so umfangreiche Aufbruch- und Erdarbeiten sowie aufwendige Verbaumaßnahmen vermeiden. Die kompakte Anlagentechnik benötigte nur wenig Platz zur Baustelleneinrichtung, und die vorhandenen Schächte dienten als direkte Zugänge. Arbeitsbereiche konnten außerhalb der Bauzeiten zügig geräumt werden, sodass Anliegende, der ÖPNV sowie der Fuß- und Individualverkehr insbesondere zu Spitzenzeiten kaum eingeschränkt wurden.

Herstellung im Close-Fit-Verfahren
Für die Sanierung nutzte das Ausführungsteam das System Sekisui SPR RO mit einer Profilwanddicke von 21 Millimetern. Das Verfahren ermöglicht die Herstellung eines neuen Rohrstrangs direkt im bestehenden Kanal. Das werkseitig produzierte PVC-Profil wird über den Schacht eingebracht und maschinell zu einem neuen Rohr gewickelt, wobei die Profilkanten formschlüssig miteinander verriegelt werden.
Durch diese Close-Fit-Ausführung liegt der neu hergestellte Liner eng am Altrohr an, wodurch sich der Querschnitt nur minimal verringert. Ein weiterer Vorteil ist der mörtelfreie Einbau: Da das Profil rein mechanisch verriegelt wird, entfällt ein nachträgliches Verfüllen des Ringraums. Das System härtet nicht chemisch aus, kommt komplett ohne Styrol aus und bietet somit im Vergleich zu vor Ort härtenden Systemen eine hohe Ausführungssicherheit.
Sanierung bei laufendem Abwasserbetrieb
Die Ausführungsvariante des Wickelrohr-Linings nach ISO 11295 erlaubte es, die Sanierung bei laufendem Betrieb durchzuführen. Die sonst üblichen, aufwendigen Maßnahmen zur Außerbetriebsetzung der Leitung und zur Abflusslenkung ließen sich so auf ein Minimum reduzieren. Dies senkte nicht nur die Projektkosten, sondern verringerte durch wegfallende Transport- und Maschineneinsätze auch die CO₂-Emissionen.
Die Wickelmaschine wurde im Schacht positioniert, das Profil unter den gegebenen Betriebsbedingungen kontinuierlich gewickelt. Der Verkehr in der Berliner Straße konnte währenddessen durch eine halbseitige Sperrung aufrechterhalten werden.

Fachgerechte Haus- und Schachtanbindungen
Zur ganzheitlichen Sanierungsmaßnahme zählte auch die Wiederherstellung der Anschlüsse. Die Vorarbeiten begleitete Kanaltechnik Schuster, während Genti Bau die eigentlichen Anschlussarbeiten sowie erforderliche Reprofilierungen ausführte. Für die Hausanschlüsse kam das Hutmax-System zum Einsatz. Das Wickelrohr selbst wurde im Bereich der Schachtanbindungen mit Konodur Flexfit der MC-Bauchemie auf Epoxidharzbasis abgedichtet.
Die Zusammenarbeit der Swietelsky-Faber Niederlassungen Leipzig und Stuttgart mit Unterstützung von Sekisui zeigte, dass sich auch große Mischwasserkanäle in komplexen innerörtlichen Lagen effizient grabenlos sanieren lassen.
Der Autorenbeitrag ist von M. Sc. Kevin Regner, Projektleiter der Swietelsky-Faber GmbH, Niederlassung Stuttgart
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