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Kanalsanierung/

Sanierung von Großprofilen: Branchentreff 2026 in Düsseldorf

Sanierung von Großprofilen: Branchentreff 2026 in Düsseldorf
Die Veranstaltung fand erneut an Bord der MS RheinFantasie statt. | Foto: B_I/zu Eulenburg

Aktuelle Entwicklungen, innovative Verfahren und praxisnahe Erfahrungen aus der Sanierung großer Abwasserkanäle und Sonderbauwerke standen im Mittelpunkt der vom Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf veranstalteten Fachtagung.

Rund 200 Fachleute aus Kommunen, Ingenieurbüros, Bauunternehmen, Wissenschaft und Industrie konnte der technische Betriebsleiter des Stadtentwässerungsbetriebes Düsseldorf (SEBD), Frank Heuner, am 21. und 22. Mai 2026 zur traditionellen Fachtagung „Standpunkte zur Sanierung von Großprofilen“ begrüßen. Die Veranstaltung, die seit über 20 Jahren als wichtiger Branchentreff etabliert ist, fand erneut an Bord der MS RheinFantasie in Düsseldorf statt.

Sanierung mit Polymerbeton

Die Vorträge des ersten Veranstaltungstages beleuchteten ein breites Spektrum an Themen aus Planung, Bau und Betrieb von Großprofilen. Fachreferentinnen und Fachreferenten präsentierten aktuelle Projekte und berichteten über Erfahrungen bei der Umsetzung komplexer Sanierungsmaßnahmen.

So berichtete der Projektleiter Substanzerhaltung des Stadtentwässerungsbetriebes Düsseldorf, Roland Baum, über den aktuellen Stand der Sanierung des Großprofiles Otto-Petersen-Straße/Heinrichstraße, eines der wohl anspruchsvollsten Düsseldorfer Sanierungsprojekte der letzten Jahre. Dabei handelt es sich um ein Haubenprofil 2100/2400 mit Trockenwetterrinne und einseitigem Bankett bzw. 2400/2400 mit zweiseitigem Bankett. Dieser in den Jahren 1905 bis 1918 gebaute Sammler mit einer geklinkerten Sohle und einer Haube aus Ortbeton verläuft in der Düsseldorfer Innenstadt und wird auf einer Länge von 1,7 Kilometer weitgehend grabenlos renoviert.

Der Projektleiter Substanzerhaltung des Stadtentwässerungsbetriebes Düsseldorf, Roland Baum, berichtete über den aktuellen Stand eines der wohl anspruchsvollsten Düsseldorfer Sanierungsprojekte der letzten Jahre. | Foto: B_I/zu Eulenburg
Der Projektleiter Substanzerhaltung des Stadtentwässerungsbetriebes Düsseldorf, Roland Baum, berichtete über den aktuellen Stand eines der wohl anspruchsvollsten Düsseldorfer Sanierungsprojekte der letzten Jahre. | Foto: B_I/zu Eulenburg

Das Profil erhält eine Auskleidung mit vorgefertigten Elementen aus Polymerbeton. Die Entscheidung zu Gunsten dieses Werkstoffes fiel nicht zuletzt auf der Basis der Erfahrungen aus einer Probebaustelle in einem Sammler an anderer Stelle im Düsseldorfer Kanalnetz. Hier wurden im Jahr 2005 Segmente aus Polymerbeton eingebaut und dieser Sanierungsabschnitt präsentiert sich heute, nach 21 Jahren, weiterhin in einem absolut mängelfreien Zustand.

Aktuell steht die Sanierung des Großprofiles kurz vor der Fertigstellung und die Bilanz des Projektes fällt aus Sicht von Roland Baum rundum positiv aus. Es sei mit dieser Maßnahme eine erhebliche Nutzungsdauerverlängerung des Hauptsammlers bei geringstmöglicher Beeinträchtigung von Anwohnern und Verkehrsteilnehmern erreicht worden. Der vorgegebene Zeitplan sei eingehalten und das angesetzte Budget von 11,2 Millionen Euro nicht nur eingehalten, sondern mit 9,7 Millionen Euro sogar unterschritten worden.

Aktuelle Großprojekte in Köln

Vor welchen Herausforderungen die großen Kommunen stehen, um eine ordnungsgemäße Mischwasserbehandlung und Niederschlagswasserableitung bei Starkregen sicherzustellen, machte der Abtteilungsleiter Planung und Bau Netze der Stadtentwässerungsbetriebe Köln, Uwe Wiederek, am Beispiel zweier Abwasser-Großbaumaßnahmen in Köln deutlich. Das Projekt Entwässerung der Ortslagen Esch, Pesch und Auweiler hat ein Kostenvolumen von rund 110 Millionen Euro. Die Umgestaltung des Entwässerungssystems mit dem Ziel, die Betriebssicherheit zu verbessern und die Entsorgungssicherheit zu erhöhen, umfasst den Bau eines Zuleitungssystems, unter anderem mit einem Stauraumkanal DN 3400, den Neubau eines Pumpwerkes mit einer Leistung von 5 x 800 l/s für entlastetes Regenwasser und 4 x 55 l/s für die Schmutzwasserableitung Richtung Kläranlage Langel. Das entlastete Regenwasser wird über zwei neue, 2,6 Kilometer lange Druckleitungen DN 1200 zum Kölner Randkanal abgeleitet.
Zwei aktuelle Großprojekte standen im Mittelpunkt des Vortrages von Uwe Wiederek, Abteilungsleiter Planung und Bau Netze der Stadtentwässerungsbetriebe Köln. | Foto: B_I/zu Eulenburg
Zwei aktuelle Großprojekte standen im Mittelpunkt des Vortrages von Uwe Wiederek, Abteilungsleiter Planung und Bau Netze der Stadtentwässerungsbetriebe Köln. | Foto: B_I/zu Eulenburg

Das zweite Großprojekt im Vortrag von Uwe Wiederek betraf den aktuellen Stand des Rheindükers in Köln. Die beiden 940 Meter langen Rohrvortriebe DN 3200 und DN 2000 sind im August und im Oktober 2025 erfolgreich abgeschlossen. Der Einzug der Medienrohre soll im Herbst dieses Jahres erfolgen. Die Fertigstellung des Schachtausbaues ist für 2028 geplant, mit der Inbetriebnahme wird Ende 2028 gerechnet.

Rohrlining unter besonderen Umständen

In dem Vortrag von Delia Ewert, Ingenieurbüro Hamburg Wasser, Ingenieurbau Netze, Leiterin Sielbau Nord und Michael Rolf, Abteilungsleiter Rohrlining, Rohrsanierung Jensen, über 2500 Meter Rohrlining in der Billstraße in Hamburg ging es gar nicht so sehr um das Bauverfahren an sich, sondern viel mehr um das Arbeiten in einem sozial speziellen Umfeld und um einen Baugrund, bei dem das im Baugrundgutachten prognostizierte Grundwasser nicht angetroffen wurde. Umstände, die Flexibilität und eine enge Abstimmung zwischen Auftraggeber und der ausführenden Arge erforderten.

Der Baustart verzögerte sich zunächst durch einen Großbrand in einer Lagerhalle in der Billstraße, dann wurden die zur Verkehrslenkung aufgestellten Bakenzäune immer wieder von Anliegern verschoben und abgesperrte Flächen ignoriert. In der Folge wurden Betonabsperrungen aufgestellt und dauerhafter Patrouillendienst eingerichtet. Um Verkehrsbehinderungen zu minimieren, konnten in Absprache unter anderem Schachtstandorte umgelegt und längere Einbauabschnitte realisiert werden. Das nicht vorhandene Grundwasser führte zu einer Umplanung der Baugruben. Dies sind nur einige Beispiele, wie bei dieser Maßnahme in vertrauensvoller Zusammenarbeit auf Augenhöhe flexibel auf sich überraschend ändernde Randbedingungen der Baustelle reagiert und gemeinsam im Bauprozess optimierte Lösungen als Schlüssel zum Erfolg gefunden wurden.

Um flexibles Reagieren auf unvorhergesehene Randbedingungen ging es bei der Vorstellung des Projektes Billstraße in Hamburg von Delia Ewert, Ingenieurbüro Hamburg Wasser, Ingenieurbau Netze, Leiterin Sielbau Nord und Michael Rolf, Abteilungsleiter Rohrlining, Rohrsanierung Jensen. | Foto: B_I/zuEulenburg
Um flexibles Reagieren auf unvorhergesehene Randbedingungen ging es bei der Vorstellung des Projektes Billstraße in Hamburg von Delia Ewert, Ingenieurbüro Hamburg Wasser, Ingenieurbau Netze, Leiterin Sielbau Nord und Michael Rolf, Abteilungsleiter Rohrlining, Rohrsanierung Jensen. | Foto: B_I/zuEulenburg

Langzeitstudie zu Oberflächenschutzsystemen

Über die Erkenntnisse zu einer Probeinstandsetzung im Düsseldorfer Hauptsammler Mitte und deren Auswirkung auf das Sanierungskonzept berichtete Dr. Jan Echterhoff, Bereichsleiter Netze und Wasserbau beim Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf. In dem von biogener Schwefelsäurekorrosion betroffenen Kastenprofil wurden in einer Langzeitstudie verschiedene Oberflächenschutzsysteme unter realen Betriebsbedingungen untersucht, um für die spätere Gesamtsanierung des Sammlers das geeignetste System auswählen zu können. Untersucht wurden zementgebundene Spritzmörtel, kunststoffmodifizierte zementgebundene Spritzmörtel, silikatmodifizierte zementgebundene Spritzmörtel und PE-HD Platten.

Nach Durchführung der Probeinstandsetzung zwischen 1999 und 2005 erfolgte im Jahr 2015 eine erste Untersuchung, nach der man sich bei den weiteren Betrachtungen aus material- und verfahrensspezifischen Gründen auf einen rein zementgebundenen und einen silikatmodifizierten zementgebundenen Spritzmörtel fokussierte. Im Jahr 2025 wurden die Materialeigenschaften dieser beiden Systeme erneut intensiv untersucht. Im Ergebnis fiel die Entscheidung für die Gesamtsanierung des Sammlers unter Berücksichtigung der Widerstandsfähigkeit des Materials, sowie verfahrenstechnischer Argumente zugunsten des rein zementgebundenen Spritzmörtels.

Über die Erkenntnisse aus einer Langzeitstudie zu Oberflächenschutzsystemen berichtete Dr. Jan Echterhoff, Bereichsleiter Netze und Wasserbau beim Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf. | Foto: B_I/zu Eulenburg
Über die Erkenntnisse aus einer Langzeitstudie zu Oberflächenschutzsystemen berichtete Dr. Jan Echterhoff, Bereichsleiter Netze und Wasserbau beim Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf. | Foto: B_I/zu Eulenburg

Weitere Vorträge zu Themen wie Schlauchlining unter herausfordernden Randbedingungen, Lebenszyklusbetrachtung in der unterirdischen Infrastruktur oder zum Einsatz sekundärer Baustoffe rundeten das Vortragsprogramm ab.

Fachmesse fördert Austausch zwischen Praxis und Industrie

In der begleitenden Fachausstellung präsentierten zahlreiche Unternehmen ihre neuesten Produkte, Technologien und Dienstleistungen. Die großzügigen Pausen boten den Teilnehmenden Gelegenheit, sich über technische Entwicklungen zu informieren und den fachlichen Austausch zu vertiefen. Die Ausstellung erwies sich erneut als wichtiger Bestandteil der Veranstaltung und förderte den direkten Dialog zwischen Betreibern, Planenden und Herstellern.

Netzwerken in besonderem Ambiente

Ein weiterer Höhepunkt war die Abendveranstaltung in der Düsseldorfer Altstadt. In entspannter Atmosphäre konnten bestehende Kontakte gepflegt und neue Netzwerke aufgebaut werden. Der persönliche Austausch über aktuelle Projekte und Herausforderungen der Branche wurde von den Teilnehmenden intensiv genutzt und unterstrich den hohen Stellenwert der Fachtagung als Kommunikationsplattform.

Baustellentour mit Praxisbezug

Der zweite Veranstaltungstag stand ganz im Zeichen der praktischen Anwendung. Nach mehreren Kurzvorträgen besuchten die Teilnehmenden ausgewählte Baustellen und erhielten direkte Einblicke in laufende Sanierungsprojekte. Vor Ort wurden technische Lösungen, Bauabläufe und projektspezifische Herausforderungen vorgestellt und diskutiert. Die Kombination aus theoretischer Wissensvermittlung und praktischer Anschauung wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern besonders positiv bewertet.

Der zweite Veranstaltungstag stand im Zeichen der Baustellenpraxis. | Foto: Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf
Der zweite Veranstaltungstag stand im Zeichen der Baustellenpraxis. | Foto: Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf

Positive Bilanz

Mit ihrem ausgewogenen Mix aus Fachvorträgen, Praxisberichten, Fachausstellung, Baustellenbesichtigungen und Netzwerkveranstaltungen bestätigte die Fachtagung „Standpunkte zur Sanierung von Großprofilen“ 2026 ihren Ruf als eine der bedeutenden Fachveranstaltungen im Bereich der Kanal- und Großprofilsanierung. Die hohe Beteiligung und die intensive Diskussion aktueller Themen zeigten die Relevanz eines kontinuierlichen Wissens- und Erfahrungsaustauschs für die Weiterentwicklung der Branche. Der SEBD setzte damit erneut ein wichtiges Zeichen für Innovation, Nachhaltigkeit und Qualität in der kommunalen Infrastruktur.

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