Women empowering HDD
Wie Frauen die Horizontalbohrbranche umkrempeln

Fachkräftemangel und tradierte Rollenbilder – die HDD-Branche (Horizontal Directional Drilling) ist nach wie vor stark männerdominiert. Doch der Wind dreht sich. Mit der Initiative „Women empowering HDD“ (We-HDD) hat sich ein starkes Netzwerk formiert, das Frauen in der Branche sichtbar macht, gezielt Nachwuchs fördert und veraltete Strukturen aufbricht.

Regenwasserbewirtschaftung mit dem AquaFlowManager planen
Der AquaFlowManager von Funke unterstützt die Planung der Regenwasserbewirtschaftung von der Bemessung bis zur Produktauswahl.
Braucht die HDD-Branche denn zwingend Frauen? „Die Branche braucht nicht zwingend speziell Frauen, sie braucht schlichtweg Arbeitskräfte“, bringt es Lydie Vuille (Forexi), Geologin und Mitglied der We-HDD-Kerngruppe, auf den Punkt. „In der Vergangenheit hieß das: Wir brauchen Arbeitskräfte, also brauchen wir Männer. Heute müssen wir unseren Teil dazu beitragen, dieses Denken zu verändern.“ Denn Frauen seien genauso fähig, diese Arbeit zu leisten, sagt Vuille.
Dass ein Umdenken dringend notwendig ist, zeigt ein Blick auf die Demografie. „Unser Spezialgebiet ist leider bisher nicht sehr populär und wir haben einen verhältnismäßig hohen Altersdurchschnitt“, erklärt Fabiola Schnau, Mitarbeiterin bei X-Plan Schnau. Wenn Arbeitskräfte in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen, biete das laut Nicole Laubach (Creative Director & Marketing bei L-Team) die große Chance, jüngere Talente in das Geschäft zu holen.
Aus einer Frage wird eine Bewegung: Die Kerngruppe We-HDD wird gegründet
Um dieser Entwicklung zu begegnen und Frauen in der Branche zu stärken, hat sich We-HDD gegründet. Die Initialzündung gab der jährliche Kongress des Drilling Contractors Association (DCA). Es fiel auf, dass unter den Teilnehmenden kaum Frauen waren. Auf Anfrage des Vorstands heraus formierte sich Ende 2023 die Kerngruppe von We-HDD. Heute besteht diese aus sieben Frauen aus fünf europäischen Ländern, die verschiedenste Disziplinen abdecken – vom Marketing über das Ingenieurwesen bis hin zum operativen Baustellenbetrieb.
Ein zentraler Baustein ihrer Arbeit sind die eigens ins Leben gerufenen „DCA Spring Talks“, die dieses Jahr bereits zum zweiten Mal erfolgreich in Aachen stattfanden. Um den Rahmen familiär und den Austausch offen zu halten, dürfen pro Firma maximal zwei Personen teilnehmen – und davon höchstens ein Mann. Der Erfolg gibt dem Konzept recht: „Unternehmen bringen Frauen aus allen Abteilungen mit – nicht nur aus Führungspositionen“, freut sich Fabiola Schnau über die gestiegene Sichtbarkeit.
Der Bruch von Barrieren: Veraltete Denkmuster und neue Arbeitsmodelle
Doch auch wenn schwere körperliche Arbeiten heute längst von Maschinen übernommen werden, existieren Barrieren weiter. „Das Hauptproblem sind die Barrieren, die noch in den Köpfen herrschen“, so Diana Rennkamp (Herrenknecht AG). Frauen müssten am Anfang oft Hürden überspringen und stärker als Männer beweisen, dass sie technisch denken und Projekte erfolgreich führen können. Hinzu komme das Vorurteil, dass Themen wie Mutterschaft die Leistungsfähigkeit einschränken würden.
Der Wille zur Veränderung muss da sein – beginnend bei einem respektvollen Umgang in der Führungsebene.
– Fabiola Schnau, X-Plan Schnau GmbH
Dabei ließen sich diese Barrieren mit dem entsprechenden Willen der Führungsebenen leicht aus dem Weg räumen. Fabiola Schnau plädiert für flexiblere Arbeitsmodelle: „Insbesondere größere Projekte lassen sich zum Beispiel auch hervorragend im Jobsharing mit zwei Projektleitenden führen. Das macht alles viel flexibler.“ – Und beuge ganz nebenbei auch Burnout-Fällen vor.
Die Initiative We-HDD zeigt jedenfalls Wirkung. Das Netzwerk bündelt seine Kräfte zudem mit der DCA-Initiative „Drill for Europe“, einer zentralen Landingpage für HDD-Marketing und Stellenangebote. Das gemeinsame Ziel ist klar formuliert: Als Vorbild fungieren, eine Anlaufstelle für junge Talente bieten und der Branche zeigen, dass Diversität nicht nur eine Floskel, sondern die Lösung für viele personelle und strukturelle Herausforderungen ist.
3 Fragen an die Frauen von WE-HDD:
1. Welche Hürden müssen Frauen in der HDD-Branche aktuell noch überwinden?
Diana Rennkamp: „Die größten Hürden existieren heute in den Köpfen. Körperliche Kraft ist durch den Einsatz moderner Maschinen überhaupt kein Argument mehr. Dennoch müssen Frauen oft mehr Überzeugungsarbeit leisten und stärker beweisen, dass sie technisch versiert sind und Projekte erfolgreich leiten können.“
Fabiola Schnau: „Das ist unfair, aber der Tatsache geschuldet, dass Frauen in diesen Berufen einfach noch ungewohnt sind. Wir müssen da als Frauen selbstbewusster herangehen und Vorurteile gar nicht erst an uns heranlassen.“
2. Wie lassen sich diese strukturellen Barrieren im Arbeitsalltag abbauen?
Fabiola Schnau: „Der Wille zur Veränderung muss da sein – beginnend bei einem respektvollen Umgang in der Führungsebene. Wenn die Führung alle Mitarbeitenden – ob jung, alt, divers, weiblich oder männlich – gleichermaßen unterstützt, trägt sich das in alle Bereiche. Zudem müssen Führungskonzepte angepasst werden, etwa durch flexible Arbeitszeiten oder Projektleitungen im Jobsharing-Modell.“
3. Wie messbar ist euer bisheriger Erfolg zur Stärkung der Diversität?
Lydie Vuille: „Wir haben vor einiger Zeit Umfragen bei Geologie-Studentinnen und bei Unternehmensleitungen durchgeführt. Die Studentinnen sind extrem motiviert und haben absolut keine Angst vor der sogenannten Männerwelt. Viele Firmenleitungen dachten wiederum, bei ihnen sei beim Thema Diversität schon alles perfekt. Den weiblichen Mitarbeitenden fiel jedoch durchaus noch Verbesserungsbedarf auf. Zukünftig wollen wir die Frauen in den Unternehmen direkt befragen, etwa zur Arbeitsqualität und Ausrüstung, um zu evaluieren, was unsere Arbeit in den Firmen konkret zum Positiven verändert hat.“
Mehr zur Gruppe We-HDD gibt es hier.
Lesen Sie hier mehr zum Thema We-HDD und Frauen am Bau:
Neueste Beiträge:
Meistgelesene Artikel
Jetzt Ausschreibungen finden
Wählen Sie eine Leistungsart, die Sie interessiert.


Bau


Dienstleistung


Lieferung
Top Bau-Themen:
Jetzt zum Newsletter anmelden:
Leitungsbau, Kanalsanierung, Abwasser – erfahren Sie das wichtigste rund ums Thema unterirdische Infrastruktur.
Hier finden Sie Hinweise zum Datenschutz







