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Horizontalbohren/

Netzanschluss OST-6-1: Komplexe HDD-Bohrungen für Windpark-Anbindung

Windpark-Netzanbindung

Präzisionsarbeit unter Strand und Dünen

02.11.2026, 07:00
WIESBADEN
Netzanschluss OST-6-1: Komplexe HDD-Bohrungen für Windpark-Anbindung
Michels Trenchless führte drei Anlandungsbohrungen und drei Unterquerungen an Land durch, um drei Exportkabelsysteme, OST-6-1 (Los 1), für den Offshore-Windpark Gennaker zu installieren. | Foto: Michels Corporation

Mit dem Abschluss der sechsten und letzten Horizontalspülbohrung im Projekt „OST-6-1“ wurde ein wesentlicher Schritt zur Anbindung des Offshore-Windparks Gennaker, eines der größten und leistungsstärksten der Ostsee, an das Übertragungsnetz an Land vollzogen. Die Michels Trenchless GmbH, hundertprozentige Tochter der Michels Family of Companies, führte drei Anlandungsbohrungen sowie drei Bohrungen an Land durch.

Anlandungsbohrungen sind technisch anspruchsvoll. Aufgrund der besonderen Anforderungen an der Schnittstelle zwischen Land und Meer verfügen nur wenige Auftragnehmer über die notwendige technische Ausrüstung für derartige Projekte. Das Projekt OST-6-1 ist das erste in Deutschland, bei dem die eigens von Michels entwickelten Atlas-Bohranlagen zum Einsatz kamen. Die drei Anlandungsbohrungen mit Längen von 1.081, 1.111 und 1.141 Metern erstrecken sich vom Südufer bei Dierhagen-Strand (Mecklenburg-Vorpommern) bis zu Austrittspunkten am Meeresboden in mehreren Metern Wassertiefe. Sie ermöglichten die Verlegung von Rohren aus hochdichtem Polyethylen (HDPE) mit einem Durchmesser von 630 Millimetern.

Maritime Logistik und Offshore-Ausrüstung

Michels organisierte die maritimen Aktivitäten für den Offshore-Teil des Projekts in Dierhagen. Für die Offshore-Arbeiten wurden drei Hubplattformen (Jack-up-Bargen) mobilisiert, die die erforderliche Ausrüstung und Lagerkapazitäten bereitstellten. Zudem unterstützten mehrere Schiffe das Projekt, darunter ein Personentransportschiff, ein Schlepper und ein Vermessungsschiff. Michels koordinierte die Schiffsbewegungen fortlaufend, um auf betriebliche Änderungen reagieren zu können und bei der Zeitplanung den Transport von Personal und Ausrüstung zu berücksichtigen.

Mit dem Abschluss von insgesamt sechs HDD-Bohrungen wurden die Voraussetzungen für die Anbindung eines der größten und leistungsstärksten Offshore-Windparks der Ostsee an das Übertragungsnetz an Land geschaffen. | Foto: Michels Corporation
Mit dem Abschluss von insgesamt sechs HDD-Bohrungen wurden die Voraussetzungen für die Anbindung eines der größten und leistungsstärksten Offshore-Windparks der Ostsee an das Übertragungsnetz an Land geschaffen. | Foto: Michels Corporation

Die drei 800 Meter langen HDD-Bohrungen an Land, welche die Anlandungsbohrungen mit einem im offenen Graben verlegten Abschnitt verbinden, wurden am selben Standort wie die Anlandungsbohrungen ausgeführt. Jede dieser Bohrungen umfasst ein Rohrbündel mit je drei HDPE-Rohren DN 250 sowie je einem Rohr DN 50 und DN 80.

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Herausforderungen durch Standort, Tourismus und Naturschutz

Das HDD-Verfahren war für dieses Projekt aufgrund der vorhandenen Feuchtgebiete sowie zum Zwecke des Küstenschutzes erforderlich. Die landseitig letzten 400 Meter des Bauloses werden in offener Bauweise ausgeführt, um den Anlandungsbereich mit der Trasse an Land zu verbinden.

Die Baustelle befand sich 15 Kilometer südwestlich der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst an der Ostseeküste und stellte aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten sowie des jährlichen Touristenaufkommens eine besondere Herausforderung dar. Als beliebtes Urlaubsziel verzeichnet der Ort in den Sommermonaten einen starken Bevölkerungszuwachs, was zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen im Baustellenbereich führte. Der Strandbereich gilt als ökologisch sensibel; am Rand des Arbeitsbereichs befinden sich geschützte Sanddünen und Zugvögel nutzen den Strand als Brutgebiet.

Drei jeweils über 1.000 Meter lange Anlandungsbohrungen verlaufen vom Südufer bei Dierhagen-Strand zu Austrittspunkten am Meeresboden in mehreren Metern Wassertiefe und ermöglichten die Verlegung von Kabelschutzrohren. | Foto: Ulrich Wirrwa
Drei jeweils über 1.000 Meter lange Anlandungsbohrungen verlaufen vom Südufer bei Dierhagen-Strand zu Austrittspunkten am Meeresboden in mehreren Metern Wassertiefe und ermöglichten die Verlegung von Kabelschutzrohren. | Foto: Ulrich Wirrwa

Geologie erfordert Anpassungen der Bohrtechnik und des Bauablaufs

Die geologischen Bedingungen am Strand waren von schwerem Geschiebemergel geprägt, der deutlich härter war als erwartet. Michels erbrachte auch Ingenieur- und Planungsleistungen für das Projekt und hatte ursprünglich geplant, das Pilotloch mittels Spülstrahlverfahren (Jetting) zu erstellen. Da sich der Geschiebemergel jedoch nicht allein durch den Spüldruck durchdringen ließ, entschied sich das Team für den Einsatz eines Bohrmotors (Mud Motor). Der stark geschichtete Boden barg die Gefahr, dass Bohrflüssigkeit an den Übergängen zwischen harten und weichen Schichten in Hohlräume oder Klüfte entweichen und sich außerhalb der geplanten Bohrtrasse ausbreiten könnte. Um das Risiko eines unkontrollierten Austritts von Bohrflüssigkeit (Inadvertent Return) zu minimieren, vergrößerte das Team den Durchmesser des Pilotlochs.

Michels passte den Bauablauf bei Bedarf an, um Verzögerungen zu vermeiden. Die erste HDD-Bohrung des Projekts – eine Anlandungsbohrung – begann im November 2025. Aufgrund veränderter Bodenverhältnisse wurde die erste Bohrung unterbrochen, während zusätzliches Equipment und Werkzeug mobilisiert wurden. Währenddessen arbeiteten die Teams am Pilotloch für die zweite Anlandungsbohrung weiter.

Die drei 800 Meter langen landseitigen HDD-Abschnitte verbinden die Anlandungsabschnitte mit einem Segment, das in offener Bauweise errichtet wird. | Foto: Michels Corporation
Die drei 800 Meter langen landseitigen HDD-Abschnitte verbinden die Anlandungsabschnitte mit einem Segment, das in offener Bauweise errichtet wird. | Foto: Michels Corporation

Lärmschutz, Notfallplan und Sturm-Sicherung

Um die Auswirkungen auf Anwohner, Tourismus und Umwelt so gering wie möglich zu halten, errichtete Michels eine 10 Meter hohe Lärmschutzwand und legte Zufahrtsstraßen an. Vor Baubeginn wurde ein Notfallplan für den Fall unkontrollierter Flüssigkeitsaustritte, Leckagen oder sonstiger Risiken erstellt, und alle Beteiligten standen in ständigem Austausch. Der Großteil der Arbeiten fand in den Wintermonaten statt; Nachtarbeit war untersagt, um die Lärmbelastung zu begrenzen. Der Zugang zur Baustelle war beschränkt und erfolgte ausschließlich über eine eigens angelegte Baustraße mit gesichertem Tor. Nachdem die Touristen für den Winter abgereist waren, stellten saisonale Stürme ein weiteres Hindernis dar. Am Neujahrstag drohte ein schwerer Wintersturm die am Strand nahe der Baustelle gefertigten Rohre durch die Wellen fortzuspülen. Als Vorsichtsmaßnahme setzte das Team einen Notfallplan um und beschwerte die verschweißten Rohre mit Wasser, um sie am Ufer zu stabilisieren.

Abschließende Tiefbauarbeiten

Der letzte Abschnitt der Offshore-Arbeiten von Michels – ein 50 Meter langer Kabelschutzrohrabschnitt – wurde im Anschluss an den seeseitigen Austrittspunkt in einem durch Nassbaggerarbeiten erstellten offenen Graben verlegt.

Zum Abschluss der landseitigen Arbeiten verlegt Michels einen 400 Meter langen Abschnitt in offener Bauweise, um die HDD-Bohrlöcher mit der Übergangs- bzw. Zwischengrube östlich von Dierhagen-Dorf zu verbinden.

Das HDD-Verfahren minimierte die Auswirkungen auf ein ökologisch sensibles Gebiet, das während der touristischen Hochsaison einen starken Bevölkerungszuwachs verzeichnet. | Foto: Michels Corporation
Das HDD-Verfahren minimierte die Auswirkungen auf ein ökologisch sensibles Gebiet, das während der touristischen Hochsaison einen starken Bevölkerungszuwachs verzeichnet. | Foto: Michels Corporation
Die Bohrarbeiten wurden im Juli 2026 abgeschlossen. Der Netzanschluss OST-6-1 wird nach seiner geplanten Fertigstellung Ende 2027 eine Gesamtleistung von bis zu 927 Megawatt übertragen. Die grabenlosen Verfahren lieferten einen entscheidenden Beitrag zur Infrastruktur für den Netzanschluss OST-6-1 für den Anschluss des Offshore-Windparks Gennaker. Dank innovativer Methoden sowie einer sorgfältigen Planung unter Berücksichtigung von Sicherheits- und Terminanforderungen trug Michels dazu bei, den malerischen Strand an der Ostseeküste in seiner Schönheit zu bewahren und gleichzeitig die Voraussetzungen für die künftige Versorgung mit sauberer Energie zu schaffen.

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Quelle: Michels Trenchless



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