Elektrische Baumaschinen
Fred Cordes: Ohne Zero-Emission-Pflicht verzerrt sich der Wettbewerb

Elektrisch angetriebene Baumaschinen sind die Zukunft im GaLaBau, da ist sich Fred Cordes, Leiter Direktvertrieb Europa bei Wacker Neuson, sicher. Er fordert Vorschriften, damit Elektro-Bagger und Co. faire Chancen auf dem Markt haben. Im exklusiven Interview mit B_I galabau stellt sich Cordes außerdem Fragen zur Konkurrenz aus China, zu den komplexen Anforderungen an GaLaBau-Maschinen sowie zur Zukunft des Mietgeschäfts von Wacker Neuson.
Herr Cordes, auf Messen wie der GaLaBau Nürnberg sind elektrisch angetriebene Maschinen und Geräte sehr präsent. Auf vielen Baustellen sucht man diese hingegen noch vergeblich. Geht die offensive Kampagne von Wacker Neuson bezüglich alternativer Antriebe da nicht etwas an den Anforderungen des Marktes vorbei?

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Fred Cordes: Aus meiner Sicht ist das Thema aus umwelttechnischen Gesichtspunkten und nicht zuletzt wegen der aktuell hohen Kraftstoffpreise wieder allgegenwärtig. Die oft geforderten technischen Voraussetzungen für die Maschinen wurden industrieseitig umgesetzt, jetzt müssen die passenden Rahmenbedingungen für den Einsatz folgen. Stand jetzt sind die Maschinen mit alternativen Antrieben noch ein kleines Segment auf dem Markt, das allerdings stetig wächst.
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Welche Rahmenbedingungen würden Sie sich denn wünschen?
Cordes: Die öffentliche Hand müsste Ausschreibungen nun entsprechend und fair so gestalten, dass „Zero Emission“ für alle gleichermaßen Vorschrift ist. Andernfalls verzerrt sich der Wettbewerb, denn auch wenn die Technologie zukunftsträchtig ist, ist sie eben auch mit einer höheren Anschaffungsinvestition verbunden.
Sie sprechen den Preis der Elektromaschinen an, der ja für viele GaLaBau-Betriebe nach wie vor entscheidend ist. Was wären Ihre Argumente, um Käufer trotzdem von dieser Antriebsart zu überzeugen?
Cordes: Mit E-Maschinen entstehen keine Abgas-Emissionen, wodurch es ein viel saubereres und angenehmeres Arbeiten als bisher ist. Darüber hinaus kann sehr ruhig, sehr leise und sehr komfortabel gearbeitet werden. Betreiber dieser Maschinen sind somit effizient und umweltfreundlich unterwegs. Auf der anderen Seite müssen Entscheider natürlich auch davon überzeugt sein, dass elektrische Antriebe der richtige Weg sind, in Zukunft Baumaschinen zu betreiben. Entscheidend ist aus unserer Sicht, die Kosten über die gesamte Nutzungsdauer der Maschine zu betrachten. Elektrische Maschinen können durch geringere Betriebs- und Wartungskosten wirtschaftliche Vorteile bieten. Hinzu kommt, dass Förderprogramme die Investition in elektrische Maschinen zusätzlich attraktiv machen können.
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Blicken wir auf die Konkurrenz: Es gibt eine Reihe chinesischer Baumaschinenhersteller, die mittlerweile am Markt tätig sind und technisch rasch aufholen, beispielsweise durch Automatisierung. Wie will sich Wacker Neuson in diesem umkämpften Markt durchsetzen?
Cordes: Grundsätzlich nehmen wir jeden Wettbewerber sehr ernst. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass es in Deutschland und Zentraleuropa weiterhin wichtig ist, dass man hohe Qualität zu einem angemessenen Preis in den Markt bringt – und das tun wir. Darüber hinaus sind auch die Ersatzteilversorgung, das Servicenetz sowie der Werterhalt der Maschine von Bedeutung. Der Wettbewerbsdruck war schon immer da, aber dem stellen wir uns und haben die genannten Argumente auf unserer Seite.
Das heißt also, sie heben sich durch die genannten Punkte von der chinesischen Konkurrenz ab?
Cordes: Natürlich müssen wir jeden Tag erneut beweisen, dass wir der bessere Partner sind. Dies gilt grundsätzlich im Wettbewerb, ganz gleich ob aus Europa oder Fernost. Ein Alleinstellungsmerkmal muss man sich durch bessere Servicequalität, schnellere Ersatzteilversorgung und ein kompetenteres Servicenetz verdienen. Und das bieten wir zusammen mit unseren Partnern im Handel.
Auch wenn Sie noch nicht allzu lange bei Wacker Neuson sind, kennen Sie den Markt ja schon durch Ihre vorherigen Tätigkeiten. Hat sich aus Ihrer Sicht der Anspruch des GaLaBauers an die Maschine geändert?
Cordes: Die GaLaBauer hatten schon immer besonders hohe Anforderungen an die Vielseitigkeit und die Flexibilität von Maschinen. Das hat sich nicht geändert. Die Garten- und Landschaftsbaubetriebe brauchen eine vielseitige, flexible und wirtschaftliche Maschine für verschiedenste Einsätze, ob in der Infrastruktur, im Gartenbau oder in Parks. Die Maschine ist dabei oft ein Anbaugeräteträger und dadurch universeller einsetzbar.
Was würden Sie einem GaLaBauer, der seit 20 Jahren Maschinen von der Konkurrenz kauft, sagen, um ihn von Wacker Neuson zu überzeugen?
Cordes: Ich würde die Person einladen, sich einmal auf unsere Geräte zu setzen, um diese mit dem Gewohnten zu vergleichen. Von der Bedienerfreundlichkeit, dem Komfort in der Kabine, der Ansteuerbarkeit und der Produktivität wird er oder sie auf jeden Fall begeistert sein. Wenn man dann Preis und Leistung zusammen mit den Domänen wie Service ins Verhältnis setzt, wird die Person ein Gerät von Wacker Neuson ausprobieren wollen. Da bin ich mir sehr sicher.
In Zeiten, in denen das Portemonnaie auch bei den Auftraggebern enger sitzt, wird gerne auf Miete zurückgegriffen. Wie läuft das Mietgeschäft? Wo sehen Sie vielleicht noch Nachbesserungsbedarf?
Cordes: Wir verstehen uns als Vermieter unseres eigenen Produktportfolios. Gleichzeitig sind wir aber auch ein verlässlicher Partner für andere Vollsortimenter in der Miete. Das Mietgeschäft ist nach vielen Jahren des Wachstums seit rund zwei bis drei Jahren in einer Konsolidierung. Aus meiner langjährigen Branchenerfahrung beobachte ich seit vielen Jahren den sogenannten Rental-Retail-Split, also die Verschiebung zwischen Miete und Kauf. Je nach Marktumfeld fällt die Nachfrage stärker in die eine oder andere Richtung aus, was auch die aktuelle Konsolidierung im Mietgeschäft mit erklärt.
Wir investieren weiter in unseren Mietpark und haben mehr als 4.000 Kompaktmaschinen, die passenden Anbauteile sowie über 5.000 Baugeräte wie Rüttelplatten, Stampfer, Walzen oder Stromaggregate in der Flotte, um weiterhin Spitzen in der Nachfrage abdecken zu können. Wir sehen in der Miete daher für uns weiterhin Wachstumspotenziale.
Wacker Neuson ist stark in der Landwirtschaft vertreten – Tendenz steigend. Ist dies auf eine neue Ausrichtung des Unternehmens – vom GaLaBau hin zur Landwirtschaft – zurückzuführen?
Cordes: Nein, das sehe ich nicht so. Die Wacker Neuson Group hat starke Marken für die Landwirtschaft wie Weidemann oder Kramer im Programm, für Wacker Neuson bleibt die Bauwirtschaft mit ihren Segmenten Tiefbau, Hochbau, GaLaBau und Recycling das zentrale Standbein unseres Geschäfts.
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