„Kann den Akku an jeder Haushaltssteckdose laden“
Trotz Wirtschaftskrise in Deutschland gibt es dennoch Hoffnungsschimmer: Im B_I-Interview spricht Marco Maschke, Leiter des Deutschlandbüros von Baumaschinenhersteller Komatsu, über elektrische Mikrobagger, Digitalisierung, Fachkräftemangel und „Popometer“.

Welche Bedeutung hat der Standort Hannover für das Unternehmen?

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Immer wieder ist vom Fachkräftemangel die Rede: Inwiefern betrifft dieses Thema Komatsu in Hannover?
Maschke: Fachkräftemangel beschäftigt uns alle. Wir haben das Glück, dass wir ein japanisches Unternehmen sind. Wegen der Überalterung der Gesellschaft ist man in Japan schon viel weiter mit der Thematik. Dort hat der Fachkräftemangel viel früher eingesetzt. Das war einer der Gründe, warum man bei Komatsu sehr früh auf automatisierte Maschinen gesetzt hat – auch in der Produktion. Was uns noch mehr beschäftigt, ist der Fachkräftemangel bei unseren Kunden. Wie können wir dem entgegengehen? Denn wir kennen das alle: Der Fahrer, der die Maschine mit dem „Popometer“ (Gesäß eines Fahrzeugführers, Anm. d. Red.) steuert – diese Generation stirbt aus. Deswegen haben wir schon vor über 13 Jahren halbautomatische Maschinen vorgestellt. Der Erfolg mit der Vermarktung dieser Maschinen gibt uns Recht. Ein Beispiel: Über 70 Prozent unserer in Europa verkauften Planierraupen, die nun wirklich Fahrerkönnen erfordern, sind mit einem halbautomatischen System ausgestattet.
Welche Neuerungen, die Komatsu im Frühjahr in Hannover präsentiert hat, werden den Alltag auf den deutschen Baustellen am stärksten verändern?
Maschke: Digitale Lösungen für die Baustelle – dahin müssen wir mehr und mehr kommen. Baustellen digitaler abbilden. Das fängt schon bei der Projektbeschreibung und Vergabe an. Sind Projekte und Maschinen digital miteinander vernetzt, dann ist es unseren Kunden möglich, die größten Effizienzgewinne zu erzielen. Und das ist nur der erste Schritt, der mit Sicherheit in Zukunft noch weitere Fortschritte nach sich ziehen kann.

Sie haben jetzt in Hannover elektrische Mikrobagger präsentiert, die ein Betriebsgewicht von gerade einmal 330 und 520 Kilo haben. In Japan verkauft Komatsu die Maschinen schon, in Deutschland soll noch der Markt erkundet werden. Wie groß sind die Erfolgschancen?
Maschke: Es ist durchaus realistisch, dass die Bagger hier auf den Markt kommen, denn diese Maschinen überzeugen mit zweierlei.Zum einen sind sie elektrisch, was schon mal sehr gut ist. Denn bei den momentanen Kraftstoffpreisen haben wir vermehrt Kundennachfragen nach batteriebetriebenen elektrischen Fahrzeugen. Zum anderen ist das Konzept dieser Maschinen sehr interessant:Der auswechselbare Akku kommt bei großen Vermietern oder auch Abbruchunternehmen gut an – da besteht durchaus Interesse, diese Maschinen einzusetzen. Wir haben sie bereits an mehreren Standorten gezeigt.
Für welche Einsatzorte eignen sich die Mikrobagger überhaupt?
Maschke: Im Abbruch, in Gebäuden. Und in Gebäuden, in denen besonderer Lärmschutz und Emissionsarmut gefordert sind. Zum Beispiel im innerstädtischen Bereich, aber auch in Krankenhäusern. Das sind Einsatzbereiche, in denen die Maschinen vorstellbar sind. Doch das schlagende Argument ist, so wurde es uns widergespiegelt, der einfache Akku-Tausch. Man kann den Akku an jeder Haushaltssteckdose laden, sodass die Maschine immer einsatzbereit ist.

Was Mini- und Kompaktbagger betrifft, haben die Hersteller schon einige elektrische Modelle auf den Markt gebracht, die auch nachgefragt werden. Doch wann kommt nach Ihrer Einschätzung die Elektrifizierung größerer Maschinen ins Rollen?
Maschke: Momentan lautet die Devise noch: je größer die Maschine, desto teurer der Akku und desto teurer die Maschine. Wir haben momentan noch kein Preis-Leistungs-Verhältnis, bei dem die Kunden zuschlagen. Bei Minibaggern haben wir etwa einen Faktor 2 gegenüber einem herkömmlichen Verbrenner-Modell. Angesichts der momentanen Kraftstoffpreise rechnet sich das für den Unternehmer tatsächlich etwas früher.
Also geht’s bald los mit den größeren E-Baggern?
Maschke: Bei den größeren Maschinen muss noch ein bisschen Zeit ins Land gehen. Aber auch hier war Komatsu einer der Vorreiter. Wir haben bereits vor sechs Jahren auf der Bauma einen 20-Tonnen-Bagger als Testmaschine vorgestellt. Auch dort werden wir weiter fortschreiten. Aber momentan sind die Batteriekosten noch zu hoch, sodass sich in den seltensten Fällen für Unternehmer die Anschaffung lohnt. Es sei denn aus rein ökologischen Gründen.
In Deutschland stottert der Wirtschaftsmotor nach wie vor: Inwiefern spürt Komatsu dies – und wie reagiert das Unternehmen darauf?
Maschke: Die wirtschaftliche Lage im letzten Jahr war tatsächlich noch schlimmer. Gerade in Deutschland haben wir einerseits das große Glück und andererseits den Nachteil, dass unsere Infrastruktur dringend erneuert werden muss. Die neue Bundesregierung hat seit dem vergangenen Jahr ein Infrastrukturprogramm zusätzlich zum Bundesverkehrswegeplan aufgelegt – mit 500 Milliarden Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren. Erste Effekte sehen wir momentan noch nicht. Aber natürlich werden diese Effekte innerhalb dieses Jahres oder spätestens im nächsten Jahr zum Tragen kommen. Da sind wir sehr zuversichtlich und blicken frohen Mutes in die Zukunft.
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Herr Maschke, vielen Dank für das Gespräch.
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