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Stadtbäume: Wurzelkammersystem Treeparker im Praxistest

Stadtbäume

Standort mit Wurzelkammersystem fit machen

05.08.2026, 06:30, aktualisiert 05.08.2026, 07:07
MAINZ
Stadtbäume: Wurzelkammersystem Treeparker im Praxistest
Eine erfolgreiche Stadtbaumpflanzung beginnt mit der Planung des unterirdischen Standorts. Das Wurzelkammersystem schafft unter befestigten Flächen einen belastbaren und zugleich weitgehend unverdichteten Wurzelraum. | Foto: Gefa Fabritz

Bei Stadtbaumpflanzungen spielt die Planung des unterirdischen Standorts eine große Rolle. So benötigt das Wurzelsystem ausreichend Raum, zugleich müssen die Verkehrsflächen oberhalb für Lasten gewappnet sein. Dafür gibt es ein spezielles Modul-System.

Innerstädtische Standorte gehören zu den schwierigsten Lebensräumen für Bäume. Deshalb hat das niederländische Unternehmen Treebuilders das modulare Wurzelkammersystem „TreepParker“ entwickelt, das in Deutschland von der Firma Gefa Fabritz vertrieben wird. Es dient zur Anpflanzung von Stadtbäumen nebst Wassermanagement und soll für optimale Wachstumsbedingungen unter dem Straßenbelag sorgen.

Unterirdische Nutzungskonflikte in der Stadtplanung

Denn was oberirdisch als kleine Baumscheibe sichtbar ist, setzt sich unterirdisch als Nutzungskonflikt fort, teilt Gefa mit. Leitungen, Fundamente und technische Einbauten konkurrieren mit den Wurzeln um Raum. Zugleich müssen Böden im Straßen-, Wege- und Parkplatzbau stark verdichtet werden, um Verkehrslasten aufzunehmen. Für Baumwurzeln bedeutet das oft zu wenig Sauerstoff, eingeschränkte Wasserverfügbarkeit und hohen mechanischen Widerstand. Unter solchen Bedingungen können sich Bäume nur schwer etablieren, Vitalität und Lebensdauer nehmen ab, so das Unternehmen.

Anforderungen der Infrastruktur und Bedürfnisse des Baumes

„TreepParker“ soll unter befestigten Flächen einen belastbaren und zugleich weitgehend unverdichteten Wurzelraum schaffen. Wie Gefa mitteilt, werden die Verkehrslasten aus Straßen, Wegen oder Parkflächen über die Module abgetragen. Der Raum innerhalb und zwischen den Elementen kann mit geeignetem Baumsubstrat verfüllt und von den Wurzeln erschlossen werden. So ließen sich die Anforderungen der Infrastruktur mit den biologischen Bedürfnissen des Baumes verbinden. Die eigenständig belastbaren Module können an örtliche Gegebenheiten angepasst und bei Leitungen oder baulichen Hindernissen gezielt versetzt werden.

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Integration von Baumrigolen für das Niederschlagswasser

Vorher: So sah der Dr.-Martin-Luther-King-Weg in Mainz im Jahr 2022 aus. | Foto: Gefa Fabritz
Vorher: So sah der Dr.-Martin-Luther-King-Weg in Mainz im Jahr 2022 aus. | Foto: Gefa Fabritz

Nicht nur ausreichender Wurzelraum spielt eine Rolle, sondern ebenso die Versorgung mit Wasser und Sauerstoff sowie der Umgang mit Niederschlagswasser. Laut Gefa eignet sich „TreeParker“ auch als Grundlage einer Baumrigole. Oberflächenwasser lasse sich aufnehmen, zwischenspeichern und kontrolliert in den Baumstandort leiten. Je nach Projekt werde das System mit Komponenten zur Entwässerung, Bewässerung, Belüftung und Wasserspeicherung kombiniert.

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Projektbeispiel: Platzsparende Bauweise im Wohnquartier

Als Praxisbeispiel bringt Gefa die Sanierung der Außenanlagen und des Parkplatzes am Mainzer Dr.-Martin-Luther-King-Weg ins Spiel. Demnach wollte die Wohnbau Mainz GmbH den stark befestigten Freiraum klimaresilient, baumfreundlich und funktional neugestalten – ohne Abstriche bei Nutzung und Infrastruktur. Versiegelte Flächen, begrenzte Platzverhältnisse und vorhandene Leitungen hätten für konventionelle Pflanzgruben nur wenig Spielraum gelassen. Das Planungsbüro entschied sich daher für das „Treeparker“-System.

Insgesamt wurden Gefa zufolge 532 Module mit einer Bauhöhe von jeweils 120 Zentimetern eingebaut. Sie schaffen unter der befestigten Fläche einen tiefen und großräumigen Wurzelbereich und schützen das Baumsubstrat vor der für Verkehrsflächen notwendigen Verdichtung. Der modulare Aufbau habe sich besonders im Bereich vorhandener Leitungen als Vorteil erwiesen und die Anpassung an die baulichen Rahmenbedingungen erleichtert, so das Unternehmen.

Systemkomponenten für Belüftung, Verankerung und Schutz

Nachher: Der Mainzer Dr.-Martin-Luther-King-Weg im Jahr 2025. | Foto: Gefa Fabritz
Nachher: Der Mainzer Dr.-Martin-Luther-King-Weg im Jahr 2025. | Foto: Gefa Fabritz

Auf dem Gelände wurden 21 klimaresistente Bäume gepflanzt, darunter Felsenbirnen, Eisenholzbäume und Blumeneschen. Ergänzend zum Wurzelkammersystem wurden 21 „Luwa“-Systeme von Gefa installiert. Sie unterstützen die gezielte Bewässerung und Belüftung und führen Wasser und Luft getrennt in den Wurzelraum.

Für den sicheren Stand der Bäume kam die unterirdische Ballenverankerung „Treelock“ zum Einsatz. Sie soll den Wurzelballen während der Anwachsphase stabilisieren, ohne oberirdische Pfähle und Bindungen. Baumschutzgitter „Lugo“ und Baumschutzroste „Arnedo“ schützen die Bäume zusätzlich im stark frequentierten Bereich. So entstand ein abgestimmtes Gesamtkonzept aus Wurzelraum, Versorgung, Verankerung und mechanischem Schutz.

Nachhaltige Vitalität unter befestigten Verkehrsflächen

Der Vorher-Nachher-Vergleich mache die Veränderung deutlich, berichtet Gefa. Wo zuvor der technische Charakter einer befestigten Parkplatzfläche dominiert habe, strukturierten heute neue Baumquartiere den Raum. So werten Bäume das Wohnumfeld auf, schaffen Schatten und können langfristig zu einem angenehmeren Mikroklima beitragen. Der entscheidende Teil der Lösung bleibt unsichtbar: Unter der Oberfläche steht den Bäumen ein technisch gesicherter und zugleich durchwurzelbarer Raum zur Verfügung. Die Verkehrsfläche kann weiter genutzt werden, ohne dass das Baumsubstrat übermäßig verdichtet wird.

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Quelle: Gefa Fabritz

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