Streusalz: Warum es der "Baumkiller Nr. 1" ist und wie wir Stadtbäume retten
Frostzeit ist Streuzeit – doch Vorsicht: Was auf Gehwegen für Sicherheit sorgt, wird für unsere Bäume zur echten Bedrohung. Der BUND warnt jetzt deutlich: Streusalz ist der "Baumkiller Nummer eins". Das Tückische daran: Die Schäden zeigen sich oft erst im Frühjahr, wenn die Bäume statt Nährstoffen versalzenes Wasser saugen.

Christian Hönig, Abteilungsleiter Biodiversität beim BUND, findet deutliche Worte: „Streusalz ist ein schleichender Tod für Bäume.“ Das Problem ist nicht allein das Salz, sondern die Wechselwirkung mit dem Klimawandel. In Verbindung mit wiederkehrender Trockenheit wird das Streumittel laut BUND zum „Baum-Killer Nummer eins“.
Wie Streusalz den Bäumen schadet
Das chemische Problem beginnt unsichtbar im Boden. Streusalz (Natriumchlorid) verhindert Eisbildung bis minus zehn Grad Celsius. Es löst sich im Schmelzwasser auf, versickert und reichert sich über Jahre im Erdreich an. Das führt zu einer verhängnisvollen Kettenreaktion im Frühjahr:
- Nährstoffmangel: Wenn Bäume für den Blattaustrieb Wasser benötigen, nehmen sie statt lebenswichtiger Nährstoffe das schädliche Chlorid auf.
- Trockenstress: Eine hohe Salzkonzentration im Boden erschwert die Wasseraufnahme massiv.
- Strukturschäden: Das Salz verändert die Bodenstruktur und den Nährstoffgehalt dauerhaft.
„Das Wasser, das die Bäume nach dem Frost wieder aufnehmen, enthält in hohem Maße Chlorid und schädigt die Blätter, die ohnehin schon durch die Trockenheit unterversorgt sind“, erklärt Hönig. Ganze Kronenteile können absterben. Zudem verätzt die Salzlauge Wurzeln und Rinde – sowie die Pfoten von Tieren.
So erkennen Sie Salzschäden
Ist ein Baum betroffen? Achten Sie auf diese Symptome, die oft langfristig auftreten:
- Blattrandnekrosen: Rostrote Ränder an den Blättern.
- Verkümmerter Wuchs: Das Wachstum ist beeinträchtigt.
- Absterbende Kronen: Einzelne Partien oder die ganze Krone werden kahl.
Die Lösung: Intensivkur für Stadtbäume
Der BUND fordert von Gemeinde- und Grünverwaltungen, den massiven Salzeinsatz des Winters im Frühjahr aktiv auszugleichen. Nur so lässt sich verhindern, dass Stadtbäume, die im Sommer als Schattenspender dringend gebraucht werden, absterben.
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Die Forderungen des BUND im Überblick:
- Wässern und Düngen vor dem Austrieb: Eine regelmäßige "Intensivkur" im Frühjahr ist essenziell. Das Wasser verdünnt die Salzkonzentration; der Dünger sorgt dafür, dass die Wurzeln Nährstoffe statt Chlorid aufnehmen.
- Jährliche Wiederholung: Da sich Salz über Jahre anreichert, sollte dieser Frühjahrsdienst zum Standard werden.
- Bodenverbesserung: An stark belasteten Standorten müssen Maßnahmen gegen Bodenverdichtung ergriffen werden.
Appell an Anwohner: Winterdienst ohne Salz
Besonders kritisch ist der Einsatz von Salz auf Gehwegen, da die Lauge hier oft direkt in den Wurzelbereich der Bäume fließt. Der BUND ruft deshalb alle Bürgerinnen und Bürger auf, konsequent auf Salz zu verzichten.
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Echte und falsche Alternativen
Wie sorgt man umweltfreundlich für Sicherheit? Christian Hönig stellt klar: „Auch wenn es aufwändiger ist: Die klassische Schnee- und Eisbeseitigung mit Schaufel, Besen und Eiskratzer beugt Glätte effektiv vor und ist auch besser für Bäume, Böden und Tierpfoten.“
Vorsicht bei vermeintlichen Hausmitteln:
- Gurkenwasser: Keine gute Idee. Es wirkt nur durch das enthaltene Kochsalz, welches sich ebenfalls im Boden anreichert.
- Ameisensäure: Zwar biologisch abbaubar, aber sie verbraucht beim Abbau in Gewässern extrem viel Sauerstoff. Dies führt zu Sauerstoffmangel im Boden.
Fazit: Wer im Sommer grüne Bäume und kühlen Schatten genießen möchte, muss im Winter auf Salz verzichten und im Frühjahr die Pflegemaßnahmen intensivieren.
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