Wohnungsbau-Krise
Warum das aktuelle Genehmigungs-Plus im Papierkorb landen könnte

Die Zahl der Baugenehmigungen klettert im ersten Halbjahr in den positiven Bereich. Ein Grund zum Aufatmen für die Bauwirtschaft ist das nicht. Die Branchenverbände warnen vor einer Fehleinschätzung. Hohe Stornierungsquoten und teure Finanzierungen bremsen reale Aufträge aus.
Das Statistische Bundesamt verzeichnet für die erste Jahreshälfte einen deutlichen Anstieg. Mit 126.300 genehmigten Wohnungen in Neu- und Bestandsbauten kletterte der Wert gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15,1 Prozent. Besonders das Segment der Mehrfamilienhäuser legte mit 67.000 Einheiten stark zu. Dieser Zuwachs erfolgt allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau der Vorjahre.
Bauministerium sieht eigene Politik bestätigt
Die Bundesregierung wertet die jüngsten Zahlen als ersten Erfolg ihrer Maßnahmen. Bundesbauministerin Verena Hubertz blickt optimistisch auf die Entwicklung: „Der Wohnungsbau kommt zurück. Das ist kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis zielgerichteter Politik.“ Die Politikerin verweist darauf, dass der Bau-Turbo an Fahrt aufnehme, Förderprogramme breit angenommen würden und das Upgrade des Baugesetzbuchs in den Startlöchern stehe. Zugleich räumt die Bauministerin aber ein, dass das Land beim Wohnungsbau noch längst nicht dort sei, wo es stehen müsse, und kündigt weitere Schritte an: „Genau deshalb legen wir nach: mit einem massiven Mitteleinsatz für den sozialen Wohnungsbau, dem weiteren Abbau von Bürokratie und der Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft des Bundes für mehr bezahlbaren Wohnraum.“
Genehmigung ist nicht gleich Bauauftrag
Trotz der positiven Vorzeichen warnt der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) vor früher Euphorie. „Eine Baugenehmigung ist noch keine gebaute Wohnung“, so Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Den steigenden Genehmigungszahlen stehen laut einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts zunehmende Stornierungen gegenüber, die mittlerweile 13,1 Prozent der Bauunternehmen betreffen.
Trübe Aussichten für die zweite Jahreshälfte
Auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sieht die Lage angespannt. Das Genehmigungsvolumen bewege sich nur auf dem Niveau von 2011, so Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. Die Halbjahresbilanz fällt daher zwiespältig aus: Mehr als ein Drittel der befragten Wohnungsbauunternehmen rechnet in der zweiten Jahreshälfte mit einer weiterhin ungünstigen Entwicklung, da Zinsen und Baukosten hoch bleiben.
Immer weniger Fertigstellungen
Derweil warnt die Immobilienwirtschaft vor einem neuen Tiefpunkt bei den Fertigstellungen. „Der Wohnungsbau führt weiterhin Niedrigwasser. Von den genehmigten Wohnungen wird ein immer geringerer Anteil tatsächlich gebaut", bestätigt Dirk Wohltorf vom Immobilienverband Deutschland IVD. „Der Bauturbo ist bislang kaum zu spüren, der Gebäudetyp E lässt weiter auf sich warten und die angekündigte Reform der Neubauförderung soll erst 2027 kommen. Das dauert alles zu lange und kommt bei den Menschen nicht als kraftvolles Signal für mehr Wohnungsbau an."
BauTurbo II und Gebäudetyp E gefordert
Die Spitzenverbände der Bauwirtschaft pochen auf rasche politische Entscheidungen. Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa fordert absolute Verlässlichkeit bei den KfW-Förderprogrammen und die sofortige Umsetzung des Gebäudetyps E. Auch Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller drängt auf stärkere finanzielle Anreize: „Der Bund kann dabei vornehmlich im Bereich der Finanzierung aktiv werden und muss endlich einen BauTurbo II vorlegen, mit neuer Förderkulisse für EH55 Gebäude, einer erhöhten Sonderabschreibung und eigenkapitalunterstützender Darlehen.“
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