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Wirtschaft und Politik/

Ein Jahr Bau-Turbo: Schnelleres Planungsrecht baut noch keine Wohnungen

Ein Jahr Bau-Turbo: Schnelleres Planungsrecht baut noch keine Wohnungen
Der Bau-Turbo beschleunigt zwar die Genehmigung neuer Wohnbauten, hohe Zinsen und Baukosten verhindern aber weiterhin den tatsächlichen Baustart. | Foto: Schüco International AG

Ein Jahr nach dem Start des Bau-Turbos zieht die Bau- und Wohnungswirtschaft eine ernüchternde Bilanz. Zwar sparen die neuen Ausnahmeregeln im Schnitt über ein Jahr Planungszeit, doch der erhoffte Bauboom ist ausgeblieben. Hohe Baukosten und restriktive Zinsen verhindern, dass aus schnelleren Genehmigungen tatsächlich fertige Wohnungen werden.

Ein Jahr nach Inkrafttreten des Bau-Turbo zum 30. Oktober 2025 meldet das Bundesbauministerium erste messbare Ergebnisse bei der Beschleunigung von Planungsverfahren. Laut einem freiwilligen Datenmonitoring unter knapp 400 Kommunen erhielten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 7.892 Wohneinheiten über die Sonderregelungen eine Zustimmung. Fast 90 Prozent dieser Einheiten entstehen durch Aufstockungen, Umnutzungen oder das Schließen von Baulücken im bereits bebauten Innenbereich. Um die Anwendung zu vertiefen, hat das Ministerium nun ein Praxisprogramm mit acht Modellkommunen von München über Duisburg und Kiel bis zum Landkreis Nienburg gestartet.

Wohnungswirtschaft beziffert Zeitgewinn auf 13 Monate

Trotz dieser positiven Signale fällt das Urteil der Wohnungswirtschaft zurückhaltend aus. Eine Umfrage des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW unter sozial orientierten Wohnungsunternehmen zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen theoretischem Potenzial und tatsächlicher Baupraxis. Wo das Instrument zur Anwendung kam, habe sich die Verfahrensdauer signifikant auf durchschnittlich drei Monate verkürzt, was einem Zeitgewinn von rund 13 Monaten gegenüber regulären Verfahren entspricht, so der GdW. Allerdings gaben nur acht Prozent der befragten Wohnungsunternehmen an, das Instrument bislang in einem konkreten Verfahren eingesetzt zu haben.

Baugenehmigung schafft noch keinen bezahlbaren Wohnraum

Als Hauptursache für die verhaltene Nutzung benennt der GdW die anhaltende Wirtschaftlichkeitslücke im Wohnungsbau. „Eine Baugenehmigung bietet noch niemandem ein Zuhause. Fakt ist: Der Bauturbo kann wertvolle Zeit sparen. Aber solange sich bezahlbare Wohnungen nicht bezahlbar bauen lassen, bleibt sein Versprechen unerfüllt“, mahnt GdW-Präsident Axel Gedaschko. Die Politik müsse den Erfolg ihrer Maßnahmen daran messen, ob real bezahlbare Wohnungen entstehen. Der Verband fordert verlässliche Förderzinsen für das mittlere Preissegment sowie die rechtssichere Verankerung einfacherer Standards über den Gebäudetyp E.

Ostdeutsche Bauwirtschaft sieht regionale Fehlanreize

Auf die strukturellen Grenzen des Instruments in den Regionen verweist auch die Bauwirtschaft in den östlichen Bundesländern. Während der Bau-Turbo in stark nachgefragten Ballungsräumen wie Berlin, Dresden oder Leipzig die innerstädtische Nachverdichtung erleichtere, greife die reine Verfahrensbeschleunigung im ländlichen Raum zu kurz. In weiten Teilen von Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt fehle es nicht primär an Bauland oder Bebauungsplänen, sondern an einer tragfähigen wirtschaftlichen Basis für Investoren.

Wirtschaftlichkeit bleibt das Nadelöhr

„Der Bau-Turbo ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch kein Durchbruch für den Wohnungsbau“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost, Robert Momberg. Schnellere Genehmigungen senkten weder die Baukosten noch verbesserten sie die Finanzierungsbedingungen. Wenn sich ein Projekt am Markt nicht rechne, helfe auch ein beschleunigtes Verwaltungsverfahren wenig. Die Bauwirtschaft fordert von Bund und Ländern daher den Abbau kostentreibender Baustandards und praxistaugliche Investitionsanreize, um die Lücke zwischen Planungsrecht und Baustellenrealität zu schließen.

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