Tarifpolitik Bau
Kampf um Löhne und Rente: Burckhardt übernimmt Bundesvorsitz der IG Bau

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt stellt sich an der Spitze neu auf: Auf dem Gewerkschaftstag in Kassel wählten die Delegierten Carsten Burckhardt zum neuen Bundesvorsitzenden. Mit dem 53-jährigen gelernten Elektriker übernimmt ein erfahrener Bau-Tarifexperte das Ruder, der den Arbeitgebern harte Konflikte ankündigt.
Auf dem Gewerkschaftstag in Kassel vollzog die IG Bau einen Generationswechsel an der Verbandsspitze. Die rund 300 Stimmberechtigten wählten den bisherigen Stellvertreter mit großer Mehrheit zum neuen Bundesvorsitzenden. Der bisherige Vorsitzende Robert Feiger kandidierte nach 19 Jahren im Bundesvorstand, davon 13 Jahre an der Spitze, aus Altersgründen nicht mehr. Unmittelbar nach der Wahl schwor die neue Führung die Mitglieder auf ungemütliche Zeiten am Verhandlungstisch ein. Wer den Wohlstand auf den Baustellen erarbeite, müsse verlässlich abgesichert sein und einen gerechten Anteil erhalten. Nach den Sozialprotesten kündigte die Gewerkschaftsspitze weiteren Druck auf der Straße und in den Verhandlungsrunden an, flankiert von der klaren Forderung nach höherer Tarifbindung und spürbaren Reallohnzuwächsen.
Fachmann der Bauwirtschaft an der Spitze
Mit dem neuen Vorsitzenden rückt eine Persönlichkeit an die Spitze, deren gewerkschaftliche Laufbahn eng mit dem Baugewerbe verknüpft ist. Der 53-jährige Dortmunder begann seinen Werdegang mit einer Ausbildung zum Elektriker, bevor er Bildungs- und Kulturarbeit studierte und 1997 hauptamtlich zur IG Bau wechselte. Seit seiner Wahl in den Bundesvorstand im Jahr 2013 verantwortete er federführend die Kernbereiche Bauwirtschaft, Baustoffindustrie sowie den Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Begleitet wird dieser bauspezifische Schwerpunkt durch den ebenfalls neu gewählten stellvertretenden Bundesvorsitzenden Christian Beck. Der 41-jährige Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft leitete zuvor jahrelang die Abteilung Bauwirtschaft und Baustoffindustrie und verstärkt die Ausrichtung des Vorstands auf die Belange der Hauptgewerke.
Rente mit "Muskelkraft-Faktor" gefordert
Inhaltlich stellte die neue Führung unter anderem den Schutz der Beschäftigten vor körperlicher Überlastung in den Mittelpunkt. Versuchen zur Aufweichung des gesetzlichen Acht-Stunden-Tags erteilte die Gewerkschaft eine deutliche Absage. Gleichzeitig positionierte sich die IG Bau vehement gegen die aktuellen rentenpolitischen Pläne der Bundesregierung. Eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters sowie Absenkungen des Rentenniveaus seien mit der Gewerkschaft nicht machbar. Nach 45 Beitragsjahren müsse der Renteneintritt ohne finanzielle Abschläge gewährleistet bleiben. Für Beschäftigte mit schwerer körperlicher Arbeit auf dem Bau verlangt die Gewerkschaftsführung die Einführung eines sogenannten Muskelkraft-Faktors, der den früheren, abschlagsfreien Renteneintritt an die physische Härte des Berufsalltags koppelt.
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Verjüngtes Führungsteam für anstehende Tarifauseinandersetzungen

Als stellvertretende Bundesvorsitzende bestätigt wurde die 57-jährige Rechtsanwältin Nicole Simons, die seit 2017 im Vorstand wirkt und weiterhin die Bereiche Recht, Personal und Jugend koordiniert. Neu in das Gremium gewählt wurden Zeynep Bicici, bislang Abteilungsleiterin für Dienstleistungsbranchen wie die Gebäudereinigung, sowie Lars Dieckmann, der zuvor die politische Organisationsentwicklung der Gewerkschaft steuerte. Neben Feiger schied auch das langjährige Vorstandsmitglied Ulrike Laux altersbedingt aus. Mit diesem Team sieht sich die Gewerkschaft für die kommenden Tarifrunden im Baugewerbe personell gerüstet, bei denen die Vereinbarkeit von Arbeitszeitverkürzungen, Reallöhnen und Arbeitsschutz die Verhandlungen bestimmen dürfte.
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