Deutsche Bahn
Bauwirtschaft fordert längere Vorlaufzeiten und bessere Planungsdaten

Die aktuellen Probleme im Schienenverkehr resultieren nach Ansicht des Bauverbandes BVMB nicht aus den Generalsanierungen, sondern aus jahrzehntelangen Versäumnissen. Der Verband verteidigt das Konzept der Deutschen Bahn, bemängelt aber strukturelle Defizite wie veraltete Pläne und knappe Vorlaufzeiten bei der Modernisierung.

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Die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) bewertet die Korridorsanierungen der Bahn als zwingend erforderliche Maßnahme. Die aktuellen Betriebsunterbrechungen machten lediglich die systeminhärenten Probleme der Vergangenheit sichtbar. Das deutsche Schienennetz besitzt nach Ansicht des Verbandes keinerlei Reserven oder Umleitungsstrecken mehr. Umfangreiche Baumaßnahmen verursachten in einem derart auf maximale Auslastung getrimmten System unweigerlich erhebliche Einschränkungen. „Die Generalsanierungen sind konzeptionell notwendig und richtig“, so BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka.
Veraltete Daten als extremes Planungsrisiko
Ein massives Problem bei der Umsetzung sei die mangelhafte Qualität der Projektvorbereitung. Zwischen den politischen Zielvorgaben und dem tatsächlichen Baustart lägen oftmals nur wenige Monate. Diese extrem kurzen Vorbereitungszeiträume erzwingen laut BVMB unweigerlich Terminverschiebungen und zusätzliche Sperrungen. Von den Mitgliedsunternehmen höre der Verband regelmäßig Beschwerden über unzureichende Bestandsdaten während der Ausschreibungsphase. Das Problem: Die Bauunternehmen erkennen bauliche Risiken aufgrund veralteter oder unvollständiger Pläne meist erst direkt während der Ausführung. Dies gefährde die Termin-, Kosten- und Ausführungssicherheit der Infrastrukturprojekte drastisch, so Gilka.
Bauverband warnt vor technischem Kompetenzverlust
Neben der unzureichenden Datenlage kritisiert der Bauverband den schwindenden Sachverstand im System Schiene. Die Modernisierung des Netzes verlange zwingend hochqualifizierte Fachkräfte bei der DB InfraGO, bei Planungsbüros und Genehmigungsbehörden. Der Erhalt von technischem Erfahrungswissen bilde die Grundvoraussetzung für den Sanierungserfolg. Eine Kombination aus steigenden technischen Anforderungen und gleichzeitigem Kompetenzabbau bewertet der BVMB-Chef als nicht zukunftsfähig.
Appell an den Bundesverkehrsminister: Generalsanierungen weiterführen
In einem gemeinsamen Brief mit zwei weiteren Branchenverbänden empfiehlt die BVMB dem Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, am Konzept der Korridorsanierungen festzuhalten und dieses strategisch weiterzuentwickeln. Für eine erfolgreiche Modernisierung verlangt der Verband von der Politik und den Bahngesellschaften eine langfristig gesicherte Finanzierung für kontinuierliche Baumaßnahmen. Zudem fordern die mittelständischen Bauunternehmen realistischere Vorbereitungszeiträume auf Basis vorab verifizierter Bestandsdaten sowie den Stopp des Kompetenzabbaus bei den öffentlichen Auftraggebern.
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