Binnenwasserstraßen
Niedrigwasser bedroht Wirtschaft: Bauindustrie fordert raschen Ausbau

Extrem niedrige Pegelstände auf dem Rhein und anderen Binnenwasserstraßen legen die Schwachstellen der deutschen Logistik offen. Da beladene Schiffe nur noch Teilmengen transportieren können, drohen Lieferengpässe und Produktionsausfälle. Die Bauindustrie drängt auf einen klimaresilienten Ausbau der maritimen Infrastruktur.
Wirtschaft und Industrie sind auf zuverlässige Transportwege angewiesen, um Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zu garantieren. Derzeit können Schiffe wegen unzureichender Fahrrinnentiefen wieder nur einen Bruchteil ihrer möglichen Ladung transportieren. Das lässt die Transportkosten erheblich steigen und setzt Lieferketten unter Druck. Eine Verlagerung der Güter auf Straße und Schiene ist infrastrukturell und mengenmäßig häufig nicht realisierbar.
Auswirkungen auf die Gesamtkonjunktur
Die Folgen betreffen neben der Binnenschifffahrt die gesamte Volkswirtschaft, darunter massiv die Chemie-, Stahl-, Baustoff- und Automobilindustrie. Aktuell führt der Rhein etwa 90 Zentimeter weniger Wasser als im Hitzesommer 2018. Seinerzeit errechnete das Kieler Institut für Weltwirtschaft ein um 0,4 Prozent geringeres Bruttoinlandsprodukt. Die Bundesregierung rechnet für das laufende Jahr ohnehin nur mit einem minimalen Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent, welches durch die stark steigenden Logistikkosten schnell zunichte gemacht werden könnte.
Ausbau zur Begrenzung von Schäden
Der Hauptgeschäftsführer vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) Tim-Oliver Müller betont die Notwendigkeit robuster Infrastrukturen zur Krisenbewältigung: „Niedrigwasser gehört leider mittlerweile zu den Hitzeperioden in den Sommermonaten dazu. Umso wichtiger ist es, die wirtschaftlichen Auswirkungen deutlich zu begrenzen, indem die Wasserstraßen zuverlässig unterhalten, Engpässe beseitigt und notwendige Ausbauvorhaben konsequent umgesetzt werden. Dazu gehören leistungsfähige Fahrrinnen, funktionierende Schleusen, Wehre, Brücken und Hafenanbindungen.“
Gefährdung der industriellen Wertschöpfung
Der Vorsitzende der Bundesfachabteilung Wasserbau im HDB Thomas Gross warnt vor den direkten Folgen unzureichender Investitionen: „Wer bei der Wasserstraße spart, gefährdet Deutschlands industrielle Wertschöpfung.“ Die Aufnahme der Wasserstraßeninfrastruktur in das Sondervermögen des Bundes bewertet der Verband zwar als überfälligen Schritt, sieht die bisherigen Maßnahmen jedoch als bei Weitem nicht ausreichend an.
Dauerhafte Finanzierung zwingend erforderlich
Gross fordert daher ein politisches Umdenken bei der Budgetplanung für Bundeswasserstra ßen: „Wir weisen seit vielen Jahren darauf hin, dass die Wasserstraßen, ihr Ausbau und ihr Unterhalt deutlich mehr öffentliche und politische Aufmerksamkeit benötigen, als sie in den letzten Jahren erfahren haben. Wir brauchen eine dauerhaft verlässliche, auskömmliche und überjährige Finanzierung der Wasserstraßeninfrastruktur. Andernfalls wird der Sanierungsstau trotz einzelner Budgeterhöhungen weiter anwachsen.“
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