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Kürzung der Westbalkanregelung: Baugewerbe warnt vor Baustopps

Kürzung der Westbalkanregelung: Baugewerbe warnt vor Baustopps
Kürzung der Westbalkanregelung: Der ZDB warnt vor dem Verlust von 8.000 Bau-Arbeitskräften und Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten. | Foto: Pixabay

Die Pläne der Bundesregierung zur Halbierung der Westbalkanregelung stoßen im Baugewerbe auf scharfe Kritik. Nach Berechnungen des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB) könnten durch die Kürzung auf 25.000 Visa jährlich rund 8.000 Arbeitskräfte auf deutschen Baustellen wegfallen. Dies gefährde die Umsetzung geplanter Infrastrukturprojekte, warnt der Verband.


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Die Bundesregierung beabsichtigt eine Reduzierung des jährlichen Kontingents für Arbeitskräfte aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Vorgesehen ist laut Koalitionsvereinbarung eine Senkung von derzeit 50.000 auf 25.000 Visa pro Jahr ab dem 1. Januar 2027. Für den Bausektor bedeutet dieser Schritt einen tiefen Einschnitt, da rund 30 Prozent aller erteilten Visa auf die Bauwirtschaft entfallen. Keine andere Branche stützt sich bei der Personalplanung so stark auf diese Regelung.

Rückabwicklung der 2023 beschlossenen Ausweitung

Mit der geplanten Kürzung vollzieht die Bundespolitik eine Kehrtwende. Im Juni 2023 hatte der Bundestag mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Fachkräfteeinwanderung die ursprünglich befristete Westbalkanregelung dauerhaft entfristet und das Kontingent von 25.000 auf 50.000 Personen verdoppelt. Der Verzicht auf die langwierige behördliche Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse machte das Modell zum wirksamen Instrument gegen den Personalmangel am Bau und wurde von der Bauwirtschaft entsprechend begrüßt. Dass die Politik diese Erleichterung nun wieder kassiert, stößt bei den Betrieben auf Unverständnis.

Hoher Anteil ausländischer Beschäftigter auf Baustellen

Die Abhängigkeit von Fach- und Arbeitskräften aus Drittstaaten ist im Bauhauptgewerbe ausgeprägt, wo rechnerisch jeder siebte Beschäftigte einen ausländischen Pass besitzt. „Für die Baubranche ist die Regelung das erfolgreichste Modell zur Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften aus Drittstaaten“, sagt ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Bis zum Jahresende drohe dem Baugewerbe ein rechnerischer Verlust von rund 8.000 Arbeitskräften, warnt der ZDB.

Widerspruch zwischen Bauinvestitionen und Fachkräftemangel

Die Bauwirtschaft sieht in der Reform einen deutlichen Widerspruch zur aktuellen Infrastrukturpolitik. Während der Bund über Sondervermögen Milliardenbeträge für Brücken, Schienenwege und den Wohnungsbau bereitstellt, wird zugleich der Zugang für ausführende Arbeitskräfte beschnitten, so der ZDB. Dieser politische Kurs drohe die Realisierung baureifer Vorhaben auszubremsen. Die hohe Nachfrage nach den Visa belegen auch die Daten der Bundesagentur für Arbeit: Das Kontingent für 2025 war bereits Ende November vollständig ausgeschöpft. Die Bundesagentur für Arbeit habe sogar 105.000 Zustimmungen erteilt, da lange Wartezeiten an den Konsulaten die tatsächliche Einreise verzögern und so nicht jede Zustimmung zu einer Einreise führe. .

Hohe Beschäftigungsquote unter Zuwanderern

Die statistischen Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bestätigen den wirtschaftlichen Erfolg des Modells. Demnach gehen 98 Prozent der über die Westbalkanregelung eingereisten Personen einer regulären Beschäftigung nach, da ein bestehender Arbeitsvertrag zwingende Einreisevoraussetzung ist. Zudem arbeiten rund 58 Prozent von ihnen als Fachkräfte, Spezialisten oder Experten. Die Zuwanderung erfolgt somit direkt in versicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse und nicht in die sozialen Sicherungssysteme, betont der ZDB.

Forderung nach Erhalt der Quote und Ausweitung

Der Spitzenverband fordert die Politik auf, die 2016 eingeführte Regelung in der bestehenden Form beizubehalten. Notwendig sei mindestens die Sicherung des bisherigen Kontingents von 50.000 Personen pro Jahr. Ergänzend verlangt das Baugewerbe eine konsequente Digitalisierung und Beschleunigung der Bearbeitungsschritte in den Visastellen sowie eine Prüfung, ob das Modell auf weitere Herkunftsländer ausgedehnt werden kann.


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