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Baukonjunktur zieht an: Deutschland bleibt europäischer Spitzenreiter

Baukonjunktur zieht an: Deutschland bleibt europäischer Spitzenreiter
Großprojekte stützen die Baukonjunktur: Der Neubau der Talbrücke Rahmede an der A45 steht stellvertretend für die hohe Auslastung im deutschen Infrastruktursektor - laut der aktuellen RICS-Umfrage stärkster Wachstumstreiber der Bauwirtschaft. | Foto: Peri

Die Stimmung in der Bauwirtschaft hellt sich weltweit auf. Im aktuellen RICS-Monitor steigt der globale Index deutlich. Deutschland festigt trotz anhaltendem Material- und Fachkräftemangel seine Spitzenposition in Europa. Zudem drehen die Erwartungen für Gewinnmargen erstmals seit langem wieder ins Positive.

Die Stimmung in der globalen Bauwirtschaft hat sich im zweiten Quartal 2026 spürbar aufgehellt. Der weltweite Baustimmungsindex der RICS kletterte von +8 auf +13 Punkte. Während sich der Markt in fast allen Regionen erholt, festigt Deutschland seine europäische Spitzenposition vor den Niederlanden mit einem Sprung von +27 auf +36 Punkte. Dieser Wert beschreibt den sogenannten Nettosaldo: Die Zahl der deutschen Bauunternehmen, die von einer steigenden Auslastung berichten, ist damit um deutliche 36 Prozentpunkte höher als die Zahl der Betriebe mit schrumpfenden Auftragsbüchern.

Deutschland führt europäische Märkte an

Auf europäischer Ebene verzeichnet der Construction Sentiment Index einen deutlichen Zuwachs auf +17 Punkte. Deutschland treibt diese Entwicklung an. Die nationale Belebung stützt sich auf alle drei Bausektoren. Auch in den Niederlanden steigt der Stimmungsindex auf +35 Punkte, getragen durch eine hohe Aktivität im Infrastrukturbau. Italien kehrt mit +10 Punkten in den positiven Bereich zurück, während sich in Frankreich der Abwärtstrend mit einem Wert von -8 Punkten merklich abschwächt.

Infrastrukturbau bleibt globaler Wachstumstreiber

Im sektoralen Vergleich erweist sich die Infrastruktur weltweit als stabilste Säule der Bauwirtschaft. Der globale Nettosaldo für die aktuelle Arbeitsauslastung in diesem Segment stieg von +20 auf +23 Prozent. Der private Gewerbeimmobilienbau stabilisierte sich bei einem Nettosaldo von Null Prozent, der private Wohnungsbau bleibt mit minus 6 Prozent weiterhin leicht im negativen Bereich. In Deutschland stieg die Arbeitsauslastung im Infrastrukturbereich von +29 auf +44 Prozent, im privaten Gewerbebau von +13 auf +33 Prozent und im Wohnungsbau von +20 auf +22 Prozent.

Fachkräftemangel verdrängt die Materialkrise

Obwohl Materialkosten mit 64 Prozent Nennungen in Europa das am häufigsten angeführte Hemmnis bleiben, rückt der Ressourcenmangel zunehmend in den Fokus der Baubetriebe. Der Anteil der Befragten, die einen akuten Arbeitskräftemangel beklagen, stieg sprunghaft von 28 auf 58 Prozent. Den Mangel an qualifizierten Fachkräften führen mittlerweile 61 Prozent der europäischen Unternehmen an. In Deutschland teilen sich die Materialkosten und der Fachkräftemangel mit jeweils 56 Prozent Nennungen den Spitzenplatz unter den bauhindernden Faktoren.

Erwartungen für Gewinnmargen werden positiv

Für die kommenden zwölf Monate erwarten die Marktteilnehmer in Europa eine weitere Festigung der Bautätigkeit. Die Erwartungen für die Arbeitsauslastung im Wohnungsbau stiegen auf plus 23 Prozent, im Gewerbebau auf plus 31 Prozent. Besonders deutlich hellt sich die Prognose für die Profitabilität auf: Die Erwartung für die Gewinnmargen drehte mit plus 13 Prozent erstmals seit über einem Jahr wieder ins Positive, nachdem im Vorquartal noch ein Wert von minus 19 Prozent verzeichnet worden war.

Entspannung bei den Kreditbedingungen

Das Finanzierungsumfeld für Bauprojekte zeigt im zweiten Quartal 2026 deutliche Zeichen der Stabilisierung. Der Nettosaldo der Erwartungen für die Kreditbedingungen in den kommenden zwölf Monaten erreichte mit Null Prozent erstmals seit mehreren Quartalen wieder ein neutrales Niveau, nachdem er zuvor bei minus 14 Prozent gelegen hatte. Diese Normalisierung geht laut RICS mit stabileren Anleiherenditen und rückläufigen Inflationserwartungen einher.

Branchenausblick auf das laufende Jahr

„Der globale Construction Index steigt und bestätigt die aktuelle Marktdynamik", sagt Susanne Eickermann-Riepe, Senior Vice President weltweit bei der RICS. „Die Stimmung in der Bauwirtschaft steigt in den meisten Regionen weltweit. Der 12-Monats-Ausblick ist in allen Sektoren deutlich positiv, und die Erwartungen haben im laufenden Quartal im Gewerbebau und im Wohnungsbau zugenommen. Top-Performer bleibt aber nach wie vor der Bereich Infrastruktur." Die Materialkosten blieben das am häufigsten genannte Problem, aber Arbeits- und Fachkräftemangel träten stärker in den Vordergrund. Die 12-Monats-Kostenprognosen seien vor allem im Gewerbe- und Wohnungsbau gestiegen. Die Beschäftigungserwartungen verbesserten sich und auch die Gewinnmargen würden deutlich positiver eingeschätzt. „Ein gutes Signal für einen deutlich verbesserten Ausblick in 2026“, so Eickermann-Riepe.

Was ist die RICS?

Begriff

RICS (Royal Institution of Chartered Surveyors)

Was ist das?

Die RICS ist der weltweit führende Berufsverband von Immobilien- und Baufachleuten. Er wurde 1868 in Großbritannien gegründet und erhielt vom britischen Königshaus eine königliche Charta (Royal Charter).

Mitglieder

Der Verband vertritt global über 134.000 zertifizierte Fachkräfte (sogenannte Chartered Surveyors) in den Bereichen Immobilien, Bauwesen, Projektentwicklung, Wertermittlung und Infrastruktur.

Aufgaben

Die RICS setzt weltweite Qualitäts- und Ethikstandards in der Immobilien- und Bauwirtschaft und überwacht deren Einhaltung. Zudem führt sie regelmäßige Marktanalysen und Konjunkturumfragen durch.


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