Pilotprojekt
Abwasser-Harz als Brückenabdichtung: Leverkusen testet neues Verfahren

Bei der Sanierung kleinerer Brücken suchen Kommunen nach schnellen und wirtschaftlichen Abdichtungen. Die Technischen Betriebe Leverkusen testen aktuell ein unkonventionelles Verfahren. Ein eigentlich für Abwasserschächte entwickeltes Epoxidharz dient dabei als wasserdichte Zwischenschicht unter dem neuen Asphalt.
Die Asphaltschicht einer viel frequentierten Fußgänger- und Landwirtschaftsbrücke am Rand eines Leverkusener Naturschutzgebiets wies starke Alterungsspuren auf. Da Feuchtigkeit den darunterliegenden Beton anzugreifen drohte, beauftragten die Technischen Betriebe Leverkusen die lokale Firma SuD Abwassertechnik mit der Sanierung. Für die städtischen Betriebe hat die Maßnahme Modellcharakter. „Wir haben zahlreiche Brücken, die ein ähnliches Schadensbild aufweisen“, erläutert Andreas Maul von den Technischen Betrieben. Bei einem erfolgreichen Testverlauf plant die Stadt künftig weitere Brücken nach diesem Prinzip abzudichten.

Harz aus der Abwassertechnik zweckentfremdet
Als Abdichtungsmaterial wählte das Sanierungsunternehmen das Epoxidharzsystem "Resishield" des Herstellers Resinnovation. Üblicherweise kommt das chemisch und mechanisch hochbeständige Material in Schachtbauwerken, Fettabscheidern oder Klärbecken zum Einsatz. Auf dem Brückenkörper fungiert das grüne Harz nun als schützende Trennschicht zwischen dem massiven Beton und der neu aufgebrachten Asphaltdecke.
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Langer Härter für hohe Sommertemperaturen
Das System bietet Verarbeitern Flexibilität durch drei verschiedene Viskositäten und vier kombinierbare Härter. Für das Leverkusener Projekt mischten die Facharbeiter die mittlere Viskosität (Resishield MV) mit dem Härter EP45. Da die idealen Verarbeitungstemperaturen für Epoxidharze bei 20 Grad Celsius liegen und sich die Verarbeitungszeit bei zehn Grad mehr halbiert, war diese Wahl entscheidend. Der langsame Härter EP45 garantierte dem Team trotz hoher Sommertemperaturen von rund 30 Grad ausreichend Zeit für die Applikation.
Abdichtung an nur einem Vormittag
Grundsätzlich lässt sich das Material mit einer 1K-Beschichtungsanlage aufsprühen, was bei großen Flächen die effektivste Methode ist. Angesichts der überschaubaren Brückenfläche entschied sich das Team rund um SuD-Geschäftsführer Peter Drüen für den manuellen Auftrag. Nach dem Abschleifen und Reinigen des Betons brachten die Arbeiter die Harzschicht mit dem Spachtel auf. Die komplette Abdichtung des Bauwerks war auf diese Weise innerhalb eines Vormittags abgeschlossen.

Korund sichert den Haftverbund
Eine glatte Harzoberfläche bietet dem heißen Asphalt keinen ausreichenden Halt. Während das Epoxidharz auf dem Beton begann anzuziehen, streute das Sanierungsteam deshalb großflächig Korund über die beschichtete Fläche. Dieses Material erzeugt eine raue Oberflächenstruktur und ermöglicht die notwendige mechanische Verzahnung mit der Deckschicht. Nach der Aushärtung über Nacht konnte der Bautrupp am Folgetag den neuen Asphalt direkt aufbringen.
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