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Nachhaltigkeitspreis: Schleiftechnik macht Kopfsteinpflaster barrierefrei

Nachhaltigkeitspreis: Schleiftechnik macht Kopfsteinpflaster barrierefrei
Präzisionsarbeit auf dem Campus: Eine Schleifmaschine des Fräsdienst-Service E. Feind GmbH, mit der historisches Kopfsteinpflaster präzise abgeschliffen wird, wurde zur Abschlussveranstaltung des Nudafa-Reallabors an die TH Wildau geliefert. | Foto: Mike Lange/TH Wildau

Denkmalschutz und moderne Barrierefreiheit unter einen Hut zu bringen, gilt im kommunalen Straßenbau als extrem kostspielig. Ein prämiertes Reallabor-Projekt aus Brandenburg beweist das Gegenteil: Durch präzises Abschleifen werden unebene Pflasterstraßen lärmarm und fahrradfreundlich – ganz ohne Asphaltierung.


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Ein neuartiges Verfahren zur Instandsetzung und Aufwertung historischer Pflasterstraßen hat eine hochkarätige Anerkennung erhalten. Die gemeinschaftliche Entwicklung des Nudafa-Reallabors wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 in der Kategorie Transformationsfeld Gesellschaft ausgezeichnet. An der Innovation arbeiteten die Technische Hochschule Wildau (TH Wildau), die Technische Universität Berlin (TU Berlin), das Berliner Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, die Gemeinde Eichwalde sowie der sächsische Spezialist Fräsdienst-Service E. Feind GmbH als Technologiepartner eng zusammen.

Precision Grinding glättet holprige Pflasterstraßen

Kern der prämierten Technologie ist das sogenannte „Precision Grinding“. Dabei kommt eine Großfräse zum Einsatz, die mit einer schnelldrehenden, mit Diamanttrennscheiben bestückten Welle ausgerüstet ist. Auf diese Weise wird die unebene Oberfläche des historischen Kopfsteinpflasters im Bestand präzise abgeschliffen, ohne die Steine auszubauen. Das Ergebnis ist eine ebene Fahrbahn, die den Rollwiderstand und Erschütterungen drastisch reduziert. Davon profitieren neben Radfahrenden auch mobilitätseingeschränkte Personen mit Rollatoren oder Rollstühlen sowie Eltern mit Kinderwagen. Gleichzeitig sinken der Reifenlärm und die Vibrationsübertragung auf angrenzende Wohngebäude spürbar.

Ressourcenschonung und Denkmalschutz im Einklang

Der wesentliche bautechnische Vorteil des mechanischen Schleifverfahrens liegt im Substanzerhalt. Statt das Natursteinpflaster aufwendig aufzunehmen, zu entsorgen und die Straße komplett neu zu asphaltieren, bleibt das historische Erscheinungsbild der Ortskerne gewahrt. Da die tiefen Fugen zwischen den Steinen unberührt bleiben, bleibt auch die natürliche Versickerungsfähigkeit der Verkehrsfläche für Regenwasser erhalten. Dies vermeidet eine zusätzliche Bodenversiegelung und unterstützt das kommunale Regenwassermanagement.

Digitale 3D-Vermessung und Schleifsimulation im Praxistest

Seine Praxistauglichkeit unter extremen Bedingungen bewies das Verfahren im Juni 2025 in der Straße „Am Graben“ in der Gemeinde Eichwalde. Bei der Bearbeitung des dortigen, stark unebenen Großsteinpflasters setzten die Partner erstmals auf eine Kombination aus hochpräziser 3D-Vermessung und einer vorgeschalteten digitalen Schleifsimulation. Zuvor war die neue Frästechnik bereits im Frühjahr 2025 im Berliner „Priesterweg“ im Bezirk Tempelhof-Schöneberg erfolgreich getestet worden. Die Vermessungs- und Simulationsdaten machen den bautechnischen Eingriff für kommunale Planungsämter im Vorfeld exakt kalkulierbar.

Kostengünstige Alternative zum herkömmlichen Straßenumbau

Neben den ökologischen Vorteilen bietet das Abschleifen den Kommunen erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Die reinen Bearbeitungskosten vor Ort liegen oft weit unter den Budgets, die für einen kompletten grundhaften Straßenausbau inklusive Unterbau und Asphaltierung veranschlagt werden müssten. „Wir sind stolz, Teil dieser Innovation aus Brandenburg zu sein", sagt Christian Rudolph, Professor für Radverkehr an der TH Wildau. „Sie zeigt, was möglich ist, wenn Wissenschaft, Kommunen und Technologiepartner gemeinsam an praktischen Lösungen arbeiten.“

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