Innovation
Münchner Flachbordstein: Die schnelle Lösung für sichere Radwege

Der "Münchner Flachbordstein" verspricht, die Trennung von Radwegen und Fahrbahn im städtischen Raum sicher zu ermöglichen. Durch eine besondere Klebetechnik kann der Bordstein auf bestehenden Straßen verlegt werden – und das kostengünstig, haltbar und schnell. In München wurde die Bordstein-Innovation nun erstmals verlegt.
Es ist ein zunehmendes Problem in vielen Städten: Wie können bestehende Verkehrswege aufgeteilt werden, ohne die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gefährden? Besonders häufig gerät dabei die Trennung von Radwegen und Fahrbahn in den Blickpunkt. Um Unfällen vorzubeugen, können Radwege auf bestehenden Straßen nachträglich baulich abgegrenzt werden. Und hier kommt der neue "Münchner Flachbordstein" ins Spiel, der aus Beton besteht. Entwickelt wurde er vom Betonwerk Linden, welches zu Rohrdorfer gehört. Die Münchner Innovation soll haltbarer und weniger unterhaltsintensiv als bisher häufig genutzte Trennelemente auf Fahrbahnen aus Hartgummi oder Kunststoff sein.
Flach, haltbar, flexibel einsetzbar
Ein Normalstein ist 25 cm breit, 12 cm hoch und 100 cm lang und wiegt rund 60 Kilogramm. Die abgeschrägten Bordsteine sind damit flacher als klassische Bordsteine. Dadurch sinke das Risiko, dass Radfahrerinnen und Radfahrer mit den Pedalen daran hängen bleiben, so der Hersteller. Ein weiterer Vorteil: Die Flachbordsteine sind grundsätzlich überfahrbar, Einsatzfahrzeuge können die bauliche Trennung daher bei Bedarf queren.
Die Elemente werden mit einer speziell entwickelten Verbindung auf dem Asphalt verklebt. Dadurch sind keine Bohrungen, Dübel oder Schrauben erforderlich. Bordstein und Klebeschicht können aufgrund der Materialähnlichkeit gemeinsam als Betonbruch recycelt und wiederverwendet werden. Bei der Herstellung der Bordsteine ist zudem ein Recyclingbetonanteil von bis zu 30 Prozent möglich.

Erster Praxiseinsatz in München
In München-Obergiesing hat die Stadt den Münchner Flachbordstein erstmals entlang der Tegernseer Landstraße eingebaut. Ziel war es, eine rund 300 Meter lange Lücke im Münchner Radwegenetz zu schließen. Die neue Radverkehrsanlage trennt den Radweg jetzt baulich vom weiteren Straßenverkehr. Die Flachbordsteine wurden am Gefälle und am Verlauf der Straße ausgerichtet. Bei Ein- und Ausfahrten sowie Kreuzungen bleiben die erforderlichen Öffnungen frei. Sie sichern die Erreichbarkeit und ermöglichen den Abfluss von Regenwasser.
Geringere Kosten erwartet
Christian Zechmeister von der Oberbauleitung Tiefbau im Baureferat München erklärt die Vorteile des neuen Bordsteins: „Unter geeigneten örtlichen Bedingungen lassen sie sich deutlich schneller einbauen als klassische Bordsteinlösungen. Im Vergleich zu einer konventionellen Ausführung mit Granitborden erwarten wir außerdem geringere Baukosten. Wie sich die Flachbordsteine langfristig bewähren, wird nun der Einsatz im öffentlichen Straßenraum zeigen.“ Ein weiterer Einsatz des Bordsteins im Münchner Stadtgebiet sei bereits vorgesehen.
Simple Verlegweise bietet Vorteile
In der bayerischen Landeshauptstadt kamen für den Einbau ein Asphaltfräser für die 50 cm breite Verlege-Schneise, ein Minibagger sowie manuelle Versetzhilfen zum Einsatz. Spezialgeräte seien laut Hersteller nicht nötig. Die vergleichsweise einfache Verlegweise reduziere den Zeitaufwand sowie den notwendigen Straßenumbau und verkürze Bauzeiten spürbar. Vergleichbare Projekte könnten demzufolge in einem Bruchteil der bisherigen Zeit und mit weniger Kosten umgesetzt werden.
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Werkversuche bestätigen die Eignung
Die Flachbordsteine wurden im Werk Berglern nahe München, einem Produktionsstandort des Betonwerks Linden, erprobt. Auf einer Teststrecke untersuchte das Unternehmen verschiedene Klebeverfahren. Die Verbindungen wurden durch Kernbohrungen beprobt und im Labor geprüft. Die Teststrecke wurde dem Realbetrieb nachempfunden und teilweise sogar höherer Beanspruchung ausgesetzt. Über rund ein Jahr waren die Bauteile der Witterung sowie Überfahrten durch Lkw und Radlader ausgesetzt. Zudem wurden sie unter anderem auf Hitze, Frost und die Beständigkeit gegen Tausalz getestet. Die Versuche bestätigten die Eignung des Systems.

Quelle: Rohrdorfer
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