Elektro-Baumaschinen
Härtetest im Erdbau: Strabag schickt elf E-Maschinen ins Feld

Leise, abgasfrei, aber unter voller Last: In Oberhausen hat Strabag den schweren Erdbau der Zukunft geprobt. Beim Ausbau einer Anlage traten gleich elf elektrifizierte Großgeräte zum Praxistest an – vom 25-Tonnen-Bagger bis zum Straßenfertiger. Das Ergebnis überrascht besonders beim Blick auf die Betriebskosten.
Elf elektrifizierte Baumaschinen auf einer einzigen Baustelle haben in Deutschland absoluten Seltenheitswert. Für die Erweiterung einer Bodenaufbereitungsanlage in Oberhausen zog der Baukonzern Strabag jedoch schwere Stromer zusammen. Ein 25-Tonnen-Bagger, ein Radlader, ein Straßenfertiger und ein Autokran bewiesen im realen Baustellenalltag, dass sie konventionellen Dieselgeräten in der Leistung nicht nachstehen. Ein mobiler Batteriespeicher mit 153 Kilowattstunden Kapazität hielt die Flotte am Laufen und dämpfte Lastspitzen ab.
Das Projekt schonte die Maschinen keineswegs. Strabag erweiterte die Kapazität der Anlage von 120.000 auf 350.000 Tonnen pro Jahr. Auf dem 17.600 Quadratmeter großen Gelände baute das Team zunächst alte Randwälle und befestigte Altflächen zurück. Den anfallenden Bauschutt von rund 20.000 Tonnen bereitete das Unternehmen direkt vor Ort auf und verbaute ihn als Recycling-Unterbau für die neu asphaltierte Aufbereitungsfläche.
Schwergewichte am Haken

Für die neue Oberflächenentwässerung verlegten die Arbeiter 128 Meter PVC-Rohre. Die schwerste Präzisionsarbeit leistete hierbei der elektrische Liebherr-Autokran. Er hob zwei massive Fertigteil-Betonschächte mit integrierten Lamellenklärern sicher an ihren Bestimmungsort.
Die wirtschaftliche Überraschung
Die Auswertung des Praxistests liefert handfeste Argumente für den Elektroantrieb. Während die Anschaffung der Maschinen noch teuer zu Buche schlägt, sinken die Energiekosten im Betrieb drastisch. Auf der Baustelle in Oberhausen etwa um beachtliche 90 Prozent. Hinzu kommen deutlich niedrigere Wartungskosten und eine rechnerische Einsparung von 18.000 Kilogramm CO2. Zudem entlasteten die erheblich gesunkenen Geräuschemissionen die Arbeiter direkt an der Maschine.
Die Grenzen der Infrastruktur
Trotz der Erfolge zeigte der Baustellenalltag auch die aktuellen Grenzen der Technologie auf. Schwere E-Maschinen sind auf dem Markt noch nicht in allen Größenklassen verlässlich verfügbar. Auch der Aufbau einer ausreichend dimensionierten Ladeinfrastruktur bleibt je nach Einsatzort ein logistischer Kraftakt.
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HVO100 als Brückentechnologie
Weil die elektrische Flotte den straffen Zeitplan allein nicht halten konnte, wählte das Projektteam einen hybriden Weg. Konventionelle Maschinen und Logistikfahrzeuge ergänzten den Maschinenpark. Diese betankte Strabag jedoch nicht mit fossilem Diesel, sondern vollständig mit dem paraffinischen Kraftstoff HVO100.
Vorurteile abbauen: Die elektrische Baustelle funktioniert

„Wir bauen hier nicht nur eine Bodenaufbereitungsanlage – wir bauen Vorurteile ab“, fasst Robert Kucza, Nachhaltigkeits-Experte der Strabag-Direktion Nordrhein-Westfalen, das Projekt zusammen. Mit der elektrischen Baustelle habe das Team bewiesen, dass Elektromobilität im Bauwesen keine Zukunftsmusik, sondern heute schon praxistauglich sei. „Echte Erfahrungen auf der Baustelle überzeugen mehr als jede Theorie."
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