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Tief- und Straßenbau/

3D-Steuerung für Kompaktbagger: Überflüssig oder genial?

3D-Steuerung für Kompaktbagger: Überflüssig oder genial?
Die Becka GmbH setzt konsequent auf 3D-Maschinensteuerung: Bauleiter Tim Recke (Mitte) mit Baggerfahrer und Alf Fischer (r.), Verkaufsrepräsentant der Zeppelin Niederlassung Hamm. | Foto: Becka

Die 3D-Maschinensteuerung ist bei großen Kettenbaggern Standard, bei Kompaktmaschinen aber noch die Ausnahme. Das Erdbauunternehmen Becka GmbH aus Wickede stattet seine Cat Kompaktbagger konsequent mit der digitalen Technik aus. Der Wegfall von Schnurgerüsten und Kontrollmessungen beschleunigt den Bauablauf erheblich.

Der Fahrer richtet den Löffel aus, ein kurzer Blick auf das Display und jeder Griff sitzt. Ohne Schnurgerüst oder Pflöcke zeigt das digitale Geländemodell in Echtzeit, wo sich der Bagger befindet und wie viele Zentimeter bis zur Sollhöhe fehlen. Statt auf Erfahrung, Augenmaß und zahlreiche Kontrollmessungen zurückzugreifen, unterstützt die 3D-Maschinensteuerung den Fahrer direkt in der Kabine. Das reduziert Nacharbeiten spürbar und sorgt für einen effizienteren Bauablauf.

3D ist keine Frage der Größe

Was bei großen Maschinen längst etabliert ist, ist bei Kompaktbaggern vielerorts noch eine Ausnahme. Das auf Erd- und Industriebau spezialisierte Unternehmen Becka GmbH aus Wickede nutzt die 3D-Maschinensteuerung schon seit sieben Jahren auf Cat-Kettenbaggern der 15- bis 30-Tonnen-Klasse. Seit der Bauma 2022 rüstet das Unternehmen schrittweise auch alle Cat-Kompaktbagger der Sechs- und Acht-Tonnen-Klasse mit Systemen von Trimble und Sitech aus.

Vorteile gerade bei kleieneren Baustellen

Auf den Baustellen entstehen durch die exakte Ausführung nach digitalem Geländemodell Zeit- und Kostenvorteile. „Unser Ziel ist es, die 3D-Maschinensteuerung überall dort einzusetzen, wo sie einen echten Mehrwert schafft – unabhängig davon, ob es sich um eine große Baugrube oder einen schmalen Rohrgraben handelt“, berichtet Geschäftsführer Tobias Becker. Bei vielen kleineren, wiederkehrenden Arbeiten im Erd- und Straßenbau spare der Betrieb dadurch enorme Zeit. Verkaufsrepräsentant Alf Fischer von der Zeppelin Niederlassung Hamm ergänzt: „Viele denken, der Einsatz einer 3D-Steuerung macht nur bei einer großen Baugrube Sinn. Gerade bei kleineren Maschinen hört man häufig, dass sich die Investition nicht rechne oder die Technik zu komplex sei. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand.“

Daten-Update per Fernzugriff

Wie funktioniert das in de Praxis? Bevor der erste Baggerlöffel Erde bewegt, entsteht jedes Projekt digital. Aus den Planunterlagen generiert das Team in AutoCAD präzise 3D-Geländemodelle, die anschließend im Trimble Business Center für die Maschinensteuerung aufbereitet werden. Per Fernzugriff gelangen die Daten direkt auf die Maschinen. Ändern sich Planungsdetails, wird das Modell aktualisiert und alle Beteiligten arbeiten sofort mit demselben Datenstand.

Digitale Technik macht den Arbeitsplatz attraktiver

Die moderne Technik verändert nicht nur die Abläufe, sondern auch den Arbeitsplatz der Maschinenführer. Sie steuern digitale Geländemodelle, nutzen präzise Vermessungstechnik und übernehmen Kontrollaufgaben direkt aus der Kabine. Das erhöht die Qualität der Arbeit und macht den Beruf für Fachkräfte attraktiver. Junge Mitarbeiter erhalten früh Verantwortung und werden an die digitale Technik herangeführt. „Mit der Maschinensteuerung macht die Arbeit einfach mehr Spaß“, sagt Becka-Bauleiter Tim Recke. „Die erste Frage der Mitarbeiter am Morgen ist: Sind die Modelle fertig? Das zeigt uns, dass die Technik bei uns auf der Baustelle angekommen ist.“

Becka nutzt 3D-Steuerung nicht nur auf Cat-Kettenbaggern der 15- bis 30-Tonnen-Klasse, sondern auch auf allen Cat-Baggern der Sechs- und Acht-Tonnen-Klasse. | Foto: Becka
Becka nutzt 3D-Steuerung nicht nur auf Cat-Kettenbaggern der 15- bis 30-Tonnen-Klasse, sondern auch auf allen Cat-Baggern der Sechs- und Acht-Tonnen-Klasse. | Foto: Becka

Eigene Vermessung mit Rover

Zur digitalen Arbeitsweise gehört bei dem Bauunternehmen inzwischen mehr als die reine Maschinensteuerung. Ein Rover ist auf den Baustellen täglich im Einsatz. Damit erfasst das Team Vermessungsdaten, nimmt Bestandsflächen auf und misst Punkte präzise ein – direkt vor Ort und ohne externe Vermessungsleistungen abzuwarten. Dass mittlerweile ein zweiter Rover angeschafft wurde, unterstreicht den festen Platz der digitalen Vermessung im Baustellenalltag.

UTS-Steuerung für Millimeterarbeit

Je nach Baustelle greift die Becka GmbH auf GNSS oder UTS zurück. GNSS spielt seine Stärken bei großflächigen Erdbewegungen aus, während UTS überall dort eingesetzt wird, wo höchste Präzision gefragt ist oder Satellitensignale fehlen. Laut Bauleiter Tim Recke lässt sich das komplette System innerhalb von 20 Minuten von GNSS auf UTS umstellen. Beim Bau einer Frischgemüsehalle in Hamm zeigte sich die Leistungsfähigkeit: Zahlreiche Bodenplatten mit unterschiedlichen Gefällen sowie 900 Meter Rohrleitungen mussten millimetergenau ausgeführt werden. „Das Projekt glich einem dreidimensionalen Spinnennetz aus Leitungen und Höhenlagen“, berichtet Recke. Ohne die UTS-Steuerung wäre diese Präzision kaum erreichbar gewesen.

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Planungsvorteile für Auftraggeber

Die Digitalisierung wirkt sich auch über die eigentliche Baustelle hinaus aus. Auftraggeber binden das Erdbauunternehmen häufig in frühen Planungsphasen ein, um von der Erfahrung mit digitaler Baustellenabwicklung zu profitieren. Gemeinsam mit Planern und Ingenieurbüros entstehen dadurch wirtschaftlichere Lösungen. Für Tobias Becker ist die Digitalisierung daher längst Voraussetzung für das Arbeiten im modernen Erdbau. Die Investition habe sich schneller amortisiert als erwartet.

Digitalisierung als Teamleistung

Dieser Erfolg entsteht dort, wo moderne Technik auf Menschen trifft, die ihr Potenzial ausschöpfen. In dem mittelständischen Unternehmen mit 25 Mitarbeitern gelingt das als Teamleistung. Dass sich Geschäftsführer Becker intensiv um die 3D-Modelle kümmern kann, verdankt er den Prokuristen Tim Recke und Stefanie Hofmann. Bauleiter Recke verantwortet das operative Tagesgeschäft, während Hofmann die kaufmännischen Abläufe steuert. Die Zukunft der digitalen Baustelle beginnt nicht bei der Größe der Maschine, sondern bei der Bereitschaft, neue Technologien konsequent einzusetzen.

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