Bauarbeiter mit kräftigem Diesel-Herz
Mit der erneuerten Schwer-Lkw-Palette erweitert Iveco stetig das Bauprogramm. Jetzt haben die Italiener einen bemerkenswerten X-Way 6x4-Straßenkipper mit großer Kabine und satten 580 PS auf die Räder gestellt, der für uns zum Test vorfährt.

Äußerlich macht der knallrote Italiener schon einiges her. Das lange Active Space (AS)-Fahrerhaus lächelt dem Betrachter förmlich entgegen mit seinem in der Sonne glänzenden Iveco-Logo im Farbton Gunmetal matt an der Front und dem schwarz abgesetzten Kühlergrill. Optisch ähnelt der X-Way damit stark seinem Fernverkehrs-Bruder S-Way. Abhängig davon, wie häufig das X-Modell ins Gelände muss, hält Iveco die drei Konfigurationen bereit. Die Variante für häufige Straßeneinsätze nennt sich „ON“, die für überwiegende Offroad-Einsätze heißt „OFF“. Unser Dreiseitenkipper trägt das Kürzel „ON+“, was auf den Straßeneinsatz mit gelegentlichen Abstechern ins Gelände hindeutet.
Straßenorientierter Dreiachser
Dafür bekommt der 26-Tonner eine dreiteilige Stoßstange samt Stahlecken sowie Gitter über den Scheinwerfern mit auf den Weg. Zusätzlich muss er mit obligatorischem Frontunterfahrschutz, Kamera und Sensoren für verschiedene Fahrerassistenzsysteme ausgerüstet sein. Andererseits fehlt ihm die massive Prallplatte unterm Bug, die Kühler und Kunststoffölwanne vor Bodenkontakt schützt. Zudem schränken die deutlich geringeren Rampen- und Böschungswinkel gegenüber einer „OFF“-Version die Geländegängigkeit tüchtig ein.

X-Way 580 6x4: Komfortables Cockpit voll digitalisiert

Stärkster Iveco-Motor mit 580 PS
Für den Fahrtest lassen wir uns in der Ettengruber Kiesgrube nahe Schweitenkirchen glatte 12 t Kies auf die Dautel-Dreiseitenkippbrücke des in Madrid gefertigten Italieners packen. Noch einmal 8,8 t landen auf dem Rücken des kompakten Humbaur HTK 18. Von dem Multitalent baut Humbaur etwa 150 bis 200 Stück im Jahr. Der auf vier breitschultrigen 435er Reifen rollende Tandemanhänger kann dank des höhenverstellbaren Zugrohrs sowohl im Bau, Galabau und bei Landwirten punkten. Der komplett feuerverzinkte Kippanhänger verfügt über luftgefederte SAF-Achsen und wiegt leer 4.300 Kilo. Ihm bleiben damit 13.700 kg Nutzlast.

Alle 600 mm hohen Bordwände sind klappbar, pendelbar und abnehmbar. Wahlweise gibt es dafür Bordwandaufsätze. Auf Wunsch erhalten Kunden einen Rampenschacht samt Auffahrrampen unter der hydraulisch betriebenen Kippbrücke aus 4 mm Feinkornstahl. Fünf Paar versenkte Schwerlast-Zurrringe in der Brücke sorgen bei Bedarf für die nötige Ladungssicherung. Mit dem Zentralachs-Kippanhänger am Haken und gut 38 t Gesamtzuggewicht beginnt die Fahrt als Schüttguttransporter in der Grube.


Für die Baustraße in der Grube reicht Schaltprogramm „Normal“ in der Regel aus. Erst an Steigungen auf losem Untergrund wechselt der Fahrer des nahezu voll beladenen Zuges in den Performance-Modus und bekommt damit vor den Schaltpunkten etwas höhere Drehzahlen geliefert. Auf das reine Offroad-Fahrprogramm muss der straßenorientierte X-Way-Bulle verzichten. Dank schnellen Schaltzeiten mit kurzen Zugkraftunterbrechungen rollt das Gespann dennoch flott und dynamisch über den Parcours. Die beiden einfach untersetzten Antriebsachsen übernehmen mit ihren acht Rädern souverän die Vortriebsarbeit und bekommen bei Bedarf Unterstützung vom Sperrdifferenzial. Die Längs- und Quersperren legt der Fahrer lässig per Drehknopf in der Armaturentafel ein.
Verbrauchsgünstige Gesamtübersetzung
Auf der Straße gibt der X-Way 6x4 wieder gekonnt den Allrounder. Dank Overdrive-Getriebe läuft der xCurser 13 trotz recht kurz übersetzter Hinterachse (Gesamtübersetzung i=2,92) bei hohem Tempo im wirtschaftlichen Bereich. Bei 85 km/h auf der Autobahn klettert die Drehzahl des Common-Railers nicht über die 1.220er Marke und verspricht günstige Gesamtverbräuche. Iveco attestiert immerhin bis zu 10% Dieseleinsparung gegenüber den gleichgroßen Vorgänger-Motoren.

Dazu hält sich die Goodyear-Bereifung für den gemischten Einsatz akustisch angenehm zurück und vermittelt zusammen mit der straffen Führung der Parabelfedern an allen Achsen einen sehr ausgewogenen Fahreindruck – selbst bei Leerfahrt. Auf unebenen Fahrbahnen mit Schlaglöchern lassen sie auch dank der sehr gut abgestimmten Stoßdämpfer und Stabilisatoren kaum Stöße durch und halten das Geschoss sicher auf der Straße. Zusammen mit der vollluftgefederten AS-Kabine ergibt sich ein hoher Fahrkomfort auf allen Wegen.
Hydraulische Lenkung gewöhnungsbedürftig
Einzig die hydraulische Lenkung wirft Fragen auf. Zwar arbeitet sie leichtgängig und präzise und lässt auch keine Schläge durch, aber nach Kurvenfahrt vermisst der Mann am Lenkrad ein stärkeres Rückstellmoment in die Mittellage. Darauf muss er sich einstellen und selbst beherzt eingreifen. Ein zeitnah auf gleicher Testrunde gefahrener Iveco X-Way 8x4 zeigte diese Eigenart nicht. Die Bremsen versöhnen wieder. Bei Talfahrt unterstützten Intarder und Motorbremse mit bis zu strammen 609 Brems-PS, die über den rechten Lenkstockhebel in sechs Stufen wohldosiert hinzugesteuert werden können. Das reicht zum Verzögern meistens aus, so dass die feinfühlig ansprechenden Scheibenbremsen an allen Achsen nur auf den letzten Metern bis zum Stillstand nötig sind.
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Komfortable Kipper-Bedienung

Auf der Baustelle gestaltet sich das Abkippen simpel. Der Iveco mit Dautel-Kippbrücke verfügt über eine elektrische Schiebeplane und Bordmatic links, die im Fahrerhaus oder per Fernbedienung angesteuert werden. Der Kippwinkel reicht für ein schnelles Entladen aus. Ähnlich beim Tandemanhänger, der sich nach hinten bis zu 48° kippen lässt. Obwohl beide die Dreiseiten-Kippfunktion haben, entleeren wir beide über das Heck. Nach dem Solotripp mit dem roten Italo-Kipper bietet sich das förmlich an. Dabei fällt auf, dass es keinen Außentritt an der Kabine gibt, über den der Fahrer schnell die Ladung in der Mulde kontrollieren könnte. Derartige Finessen hält Iveco erst für die reinrassigen Offroad-Modelle bereit. Stattdessen kann sich der Fahrer hier über jeweils zwei große Außenstaufächer freuen.

Fazit: Für Freude am Fahren
Insgesamt dürfte die Freude mit so einem sympathischen Schlachtschiff in der Baustelle und auf der Straße groß sein. Geräumiges Fahrerhaus, kraftvoller und gleichzeitig unaufdringlicher Motor, sparsamer Antrieb – das motiviert jeden Kraftfahrer und bindet ihn ans Unternehmen. Wer darauf keinen Wert legt, kommt in der Praxis auch mit einem X-Way 6x4 mit kleinem AD-Tagesfahrerhaus sowie 40 oder 80 PS weniger Leistung zurecht, der aber nur schwerlich zum Freund des Fahrers werden dürfte.

Technische Daten: Iveco X-Way 580 6x4 - Setup ON+<br /> Fahrerhaus
Ausführung | Maße / Angaben | |
Typ | Active Space Großraumfahrerhaus | Normaldach |
Breite / Länge | – | 2.500 / 2.250 mm |
Lagerung | Vierpunkt-Luftfederung |
Motor
Ausführung | Werte | |
Motorbezeichnung | Cursor xC13 | |
Bauart | Sechszylinder-Reihenmotor mit variabler eVGT-Turboaufladung und Ladeluftkühlung, vier Ventile pro Zylinder, elektronische Common-Rail-Einspritzung (2.200 bar) | |
Abgasstufe | Euro VI Step E, Hi-eSCR, DPF | |
Bohrung / Hub | 135 / 150 mm | |
Hubraum | 12.900 cm³ | |
Nennleistung | 426 kW / 580 PS bei 1.650/min | |
Max. Drehmoment | 2.600 Nm bei 940–1.565/min | |
Dauerbremse | Motorbremse | 450 kW bei 2.300/min |
Dauerbremse | Intarder | 448 kW (609 PS) |
Motortrockengewicht | 1.018 kg |
Kraftübertragung
Ausführung | Werte | |
Kupplung | Einscheiben-Trockenkupplung | 430 mm |
Getriebe | Automatisiertes ZF-Hitronix 12TX 2650 TO, 12 Vorwärtsgänge, 2 Rückwärtsgänge | |
Getriebesoftware | EcoRoll, ohne GPS-Tempomat | |
Spreizung | i = 12,92–0,77 |
Achsen
Ausführung | Werte | |
Vorderachse | Faustachse 5890, Zweiblatt-Parabelfedern | Achslast: 8,0 t |
Hinterachsen | Doppelt untersetzte Außenplanetenachsen, FPT 452191; Dreiblatt-Parabelfedern | Achslast: 2 × 10,5 t |
Übersetzung | i = 3,79 |
Reifen
Hersteller / Typ | Größe | |
Lenkachse | Goodyear Omnitrac S | 385/65 R 22.5 |
Antriebsachsen | Goodyear Omnitrac D | 315/80 R 22.5 |
Fahrgestell
Ausführung | Werte | |
Rahmen | Parallel-Leiterrahmen | Stärke 7,7 mm |
Bremsen | Vorn und hinten Scheibenbremsen | |
Kraftstoff- / AdBlue-Tank | 390 / 50 l |
Maße und Gewichte
Werte | |
Länge / Breite / Höhe | 7.850 / 2.550 / 3.500 mm |
Radstand | 3.500 / 1.380 mm |
Wendekreis | 19.000 mm |
Rampenwinkel | 19° |
Böschungswinkel vorn / hinten | 15° / 15° |
Leergewicht Zug / Nutzlast | 17.280 / 22.720 kg |
Leergewicht Lkw / Anhänger | 12.980 / 4.380 kg |
Zul. Gesamtgewicht Solo / Zug | 26.000 / 40.000 kg |
Testgewicht | 38.180 kg |
Aufbau
Werte | ||
Hersteller | Dautel | |
Art | Dreiseitenkipper DK 3.49 | |
Innenmaß L / B / H | 4.900 / 2.420 / 850 mm | |
Besonderheiten | Kipperboden aus 5-mm-Stahl VS 450; 12 Zurrösen im Bodenblech; Bordmatik links; elektr. Schiebeverdeck Marcolin; Fernsteuerung |
Anhänger
Ausführung | Werte | |
Hersteller | Humbaur | |
Typ | HTK 18 50 25 Tandem-Dreiseitenkipper | |
Single-Bereifung | Athos HG2157 | 435/50 R 19.5 |
Achsen / Federung | SAF-Achsen mit Luftfederung | |
Kippwinkel seitlich / hinten | 45° / 48° | |
Gesamtmaß L / B / H | 7.000 / 2.550 / 1.750 mm | |
Innenmaß L / B / H | 5.030 / 2.420 / 600 mm | |
Ladehöhe | 1.135 mm | |
Leergewicht / Nutzlast | 4.300 / 13.700 kg | |
Gesamtgewicht | 18.000 kg |
Messwerte
Werte | |
Einstiegsstufenhöhen | 440 / 830 / 1.230 mm |
Höhe Fahrerhausboden | 1.595 mm |
Höhe Motortunnel | 70 mm |
Lenkraddurchmesser | 435 mm |
Bodenfreiheit vorn / hinten | 267 / 321 mm |
Innengeräusch bei 60 / 80 km/h | 65 / 66 dB(A) |
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