Baustelle
Wie ein Riesen-Kran diese spektakuläre Opernbühne baute

Ausverkauft noch vor Ostern: Für Verdis „La traviata“ entsteht auf dem Bodensee eine gigantische, 25 Meter hohe Spiegelwand aus 86 Einzelteilen. Um diese schwindelerregende Konstruktion direkt im Wasser zu errichten, mussten die Bagger- und Kranprofis zu einer spektakulären Methode greifen – und stellten einen Kran mitten in den See.

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Es ist die vielleicht spektakulärste Baustelle des Jahres, und sie liegt mitten im Wasser: Wer dieser Tage auf den Bodensee vor Bregenz blickt, traut seinen Augen kaum. Wo im Juli 188.000 Zuschauer die Premiere von Giuseppe Verdis Oper „La traviata“ feiern werden, ragt eine gigantische, 25 Meter hohe und 700 Quadratmeter große Spiegelwand in den Himmel. Sie sieht aus wie ein riesiger, über dem See zerbrochener Spiegel.
Doch wie baut man ein solches tonnenschweres Kunstwerk aus Stahl, Holz und Spezialfolien standsicher auf dem Wasser auf? Die Antwort ist ein logistisches Meisterstück, bei dem ein tonnenschwerer Liebherr-Baukran die Hauptrolle spielte – und zwar direkt im See.
Ein Baukran mit nassen Füßen
Weil herkömmliche Krane vom Ufer aus niemals die enorme Reichweite und Tragkraft für die filigrane Konstruktion aufbringen konnten, ließen sich die Ingenieure etwas Besonderes einfallen: Sie verankerten das Fundament eines Liebherr-Flat-Top-Krans (Typ 150 EC-B 8 Litronic) direkt auf dem Seegrund des Bodensees.
Aus dem Wasser ragend, bediente der Kran mit einer Hakenhöhe von knapp 33 Metern und einer Ausladung von 55 Metern jeden noch so entlegenen Winkel der schwimmenden Riesenbühne. Er hob die zentnerschweren Stahlträger ein und platzierte die 86 einzelnen, millimetergenau gefertigten Spiegelsplitter in schwindelerregender Höhe über den Wellen.

Zentimeterarbeit im Liegen und Fliegen
Das schwebende Bühnenbild ist ein großes Puzzle: Jedes der 86 Spiegelelemente wurde an Land aus gefrästen Holzteilen gebaut und mit Spezialfolien beklebt. Auf der Baustelle angekommen, mussten die Hebe-Spezialisten extrem vorsichtig agieren. Bei Wind und Wellengang durften die riesigen, windanfälligen Platten beim Einhängen nicht beschädigt werden.
Zudem ist die Spiegelwand alles andere als starr: Zwei der riesigen Splitter lassen sich während der Aufführung hydraulisch wie Geistertüren aufklappen, während andere Teile über die Bühne gleiten, um im Scheinwerferlicht spektakuläre Videosequenzen zu spiegeln.
Spitzenlose Technik spart wertvollen Platz
Dass die Wahl auf einen sogenannten „Flat-Top-Kran“ ohne die typische, hohe Turmspitze fiel, war kein Zufall. Auf der engen Seebühne arbeiteten zeitweise bis zu 28 verschiedene Spezialfirmen gleichzeitig. Durch das flache Design des Krans konnte der Ausleger dicht über der Baustelle hinwegschwenken, ohne die bereits montierten, hohen Bauteile oder andere Gewerke zu gefährden.
Das spektakuläre Baustellen-Abenteuer auf dem Wasser hat sich gelohnt: Der Aufbau wurde pünktlich abgeschlossen, sodass Mitte Juni die szenischen Proben für das Stück beginnen können. Wenn sich die Opernsänger im Juli im Spiegelbild über dem See bewegen, verdanken sie ihren Auftritt auch den erfahrenen Kranführern und ihrem stählernen Helfer.
Liebherr-Krane gehören in Bregenz dazu
Liebherr ist seit Jahrzehnten offizieller Construction Partner der Bregenzer Festspiele. Das in Vorarlberg verwurzelte Familienunternehmen mit Hauptsitz im nur wenige Kilometer entfernten schweizerischen Bulle nutzt die Festspiele als Bühne, um die Leistungsfähigkeit seiner Krane unter extremen Bedingungen zu demonstrieren. Die Krane werden zur Premiere nicht abgebaut, sondern bleiben Teil des Bühnenbildes.
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