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KI im Bauhandwerk: Warum ohne digitale Prozesse in Betrieben nichts geht

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KI am Bau

KI-Trainer: So kommen Betriebe über das „Ich teste mal ChatGPT“-Stadium hinaus

11.09.2026, 10:36
LOHNE
KI im Bauhandwerk: Warum ohne digitale Prozesse in Betrieben nichts geht
KI-Trainer Patrick Amato von der Handwerkskammer Koblenz | Foto: Carlotta Roob

Viele Handwerks- und Bauunternehmen experimentieren bereits mit ChatGPT und Co. – doch echten Mehrwert bringt Künstliche Intelligenz erst, wenn die digitalen Prozesse im Betrieb stimmen. Denn KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie arbeitet. Ein Blick darauf, welche Basis-Arbeit jetzt ansteht und wo KI im Handwerksalltag dann wirklich hilft – mit Einschätzungen von KI-Trainer Patrick Amato von der Handwerkskammer Koblenz.


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Kaum ein Thema beschäftigt die Arbeitswelt derzeit so sehr wie Künstliche Intelligenz. Doch zwischen Interesse und tatsächlichem Nutzen klafft in vielen Fällen noch eine Lücke. „Ganz unterschiedlich“ beschreibt Patrick Amato die Stimmung in den Betrieben. Er war zwei Jahre lang KI-Trainer im Projekt „Mittelstand Digital Zentrum Handwerk“ und ist mittlerweile bei der Handwerkskammer Koblenz für KI-Projekte zuständig. „Oft testet der Chef gerade mal ChatGPT – man dippt sozusagen den großen Zeh ins Wasser. Es kommen aber auch richtig innovative Betriebe aus ganz unterschiedlichen Gewerken, die schon viel weiter sind.“ Zwischen diesen beiden Polen liegt eine Erkenntnis, die Amato in zwei Jahren als Trainer immer wieder gewonnen hat: „80 Prozent der Schmerzen, die ich gesehen habe, waren gar keine KI-Probleme, sondern Digitalisierungsprobleme.“

KI ist nur so gut wie die Daten dahinter

Der Grund liegt in der Funktionsweise von KI selbst: Sie kann nur mit den Informationen arbeiten, die ihr digital, strukturiert und aktuell zur Verfügung stehen. Fehlt diese Grundlage, bleibt der Mehrwert aus – unabhängig davon, wie leistungsfähig das eingesetzte Modell ist. Viele Betriebe pendeln laut Amato noch „zwischen dem Bauchgefühl des Chefs und der Einstellung: Das haben wir schon immer so gemacht“. Eine E-Mail kommt rein, wird ausgedruckt, handschriftlich ergänzt, wieder eingescannt und irgendwo abgelegt. „Wenn man Papierlogik einfach eins zu eins auf den Computer überträgt und sich dann wundert, warum das nicht funktioniert, gibt es Nachholbedarf“, so Amato.

Die Basis-Arbeit: Was jetzt zu tun ist

Bevor Betriebe in KI-Tools investieren, empfiehlt Amato einen anderen ersten Schritt: eine ehrliche Ist-Aufnahme und Prozessanalyse. „KI wahllos einzusetzen, bringt nichts.“ Konkret bedeutet das:

  • Eine digitale Projektakte anlegen, in der alle Informationen zu einem Projekt gebündelt und für alle zugänglich sind – „eine Quelle der Wahrheit“, wie Amato es nennt.
  • Auf eine vernünftige Branchensoftware setzen statt auf Insellösungen und Excel-Tabellen.
  • Zeiterfassung und Projektplanung digitalisieren, damit belastbare Daten überhaupt erst entstehen.
  • Erst wenn diese digitalen Prozesse „Teil der Firmen-DNA“ geworden sind, kommt KI als sinnvolles Add-on ins Spiel.

„Es scheitert selten an den Tools, sondern an den Prozessen im Betrieb“, bringt Amato es auf den Punkt.

Wenn die Basis stimmt: Wo KI im Handwerksalltag wirklich hilft

Ist die digitale Grundlage geschaffen, zeigt sich in der Praxis, wie viel Zeit KI tatsächlich sparen kann. Ein Beispiel aus dem Möbelbau: Eine Tischlerei hat einen Chatbot auf ihrer Website integriert, der Kundinnen und Kunden hilft, ihre Ideen zu visualisieren. „Früher ist da viel Beratungszeit reingegangen, nur um überhaupt ein grobes Bild zu bekommen“, erklärt Amato. „Jetzt beschreiben Leute dem Chatbot, was sie vorhaben, und gehen mit einem konkreten Bild in die Werkstatt.“ Auch in der Kundenkommunikation am Telefon sind KI-Assistenten auf dem Vormarsch – nicht, um den Kundenservice zu ersetzen, sondern damit überhaupt jemand rangeht, wenn das Telefon klingelt, während die Kolleginnen und Kollegen auf der Baustelle sind. Die Assistenten nehmen zum Beispiel das Anliegen für einen späteren Rückruf auf oder können direkt Termine vereinbaren.

Der bequemste Weg: KI direkt in der genutzten Software

Besonders praxistauglich wird KI laut Amato dort, wo sie kein zusätzliches Tool ist, sondern organischer Bestandteil der Software, mit der Betriebe ohnehin arbeiten. „Dem Handwerker ist am Ende egal, wie es gelöst wird, Hauptsache, es wird gelöst“, so Amato. „Wenn Kommunikation, Bauakten und Material bereits in einem System vereint sind und die KI als einfaches Chatfenster integriert ist, entfällt der Implementierungsaufwand.“ Damit bestätigt er eine Einschätzung, die auch die Geschäftsführerin der NEVARIS Bausoftware GmbH, Ruth Schiffmann, Anfang des Jahres formulierte: Softwareanbieter sollten Unternehmen bei der Nutzung von KI mitnehmen und diese nativ in ihre Lösungen integrieren.

Baustellen-App 123erfasst bindet KI in Baudokumentation und Kalkulation ein

Ein Beispiel für diesen Ansatz liefert die Baustellen-App 123erfasst, ebenfalls aus dem Hause NEVARIS. Das Tool bettet KI-Funktionen direkt in bestehende Arbeitsabläufe ein, statt sie als separates Tool zu positionieren. Im KI-Chat lassen sich Informationen zu Personen, Projekten und Geräten per Sprach- oder Texteingabe abrufen und erfassen; ein Agent ordnet die Angaben automatisch in den richtigen Kontext ein. Im Modul Qualität analysiert die KI Fotos von Mängeln direkt vor Ort und erstellt automatisch die passende Beschreibung im Ticket – eine wichtige Grundlage für rechtssichere Dokumentation. Im Modul Kalkulation schlägt ein Kalkulationsassistent auf Basis ähnlicher, bereits erfasster Angebote passende Positionen vor, während eine Kalkulationsprüfung vor dem Versand automatisch auf Fehler und Unstimmigkeiten hinweist. Der gemeinsame Nenner: KI unterstützt genau dort, wo im Arbeitsalltag ohnehin dokumentiert, kalkuliert und kommuniziert wird.

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Fazit: KI-Nutzung braucht strukturierte Prozesse

KI ist im Handwerk angekommen, und die Betriebe, die früh einsteigen, sichern sich einen Vorsprung. Der Schlüssel dazu liegt allerdings weniger im Tool selbst als in der digitalen Basis, auf der es aufsetzt. Wer zuerst seine Prozesse ordnet und eine zentrale digitale Datenquelle nutzt, schafft die Voraussetzungen für wirkungsvolle KI-Nutzung. „Wir werden einfach ein paar nervige Nebentätigkeiten los und können uns auf die wichtigeren Sachen konzentrieren“, fasst Amato zusammen. „Das ist der eigentliche Wandel.“

Zum Thema:

  • Nordbau 2026: Infrastrukturbau, KI-Baumaschinen & 3D-Betondruck
  • KI Bau-Software von Craftview: Büroautomatisierung für Bau und GaLaBau
  • Rettet KI die Abwassernetze? VSB-Vorstand Michael Hippe im Interview
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Quelle: 123erfasst


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