Alpine Aufbereitung
Rohrdorfer Zement bändigt 600 Tonnen Kalkstein pro Stunde

Auf 730 Metern Höhe im oberösterreichischen Steinbruch Ebensee zerkleinert eine neue Gipo-Vorbrechanlage stündlich bis zu 600 Tonnen Kalkstein. Die maßgeschneiderte Sonderkonstruktion verfügt über eine ausgelagerte Steuerung sowie ein automatisches Reinigungssystem für störungsfreie Abläufe - und wurde in einem logistischen Kraftakt auf den Berg transportiert.
Bergfahrt mit 300 PS
Der Aufbau der neuen Großanlage im alpinen Gelände erforderte präzise Vorarbeiten am Brecherplatz. Lokale Fachbetriebe verbauten vor der Montage 220 Kubikmeter Beton und 25 Tonnen Bewehrungsstahl für das Fundament am Hang. Die rund 200 Tonnen schwere Gesamtanlage bewältigte den steilen Aufstieg auf 730 Meter Höhe schließlich aus eigener Kraft, angetrieben von einem mobilen 300-PS-Dieselaggregat. Seit dem erfolgreichen Leistungstest im Frühjahr läuft die Anlage im Normalbetrieb.
Brechtechnik in Maßarbeit
Im Steinbruch Ebensee baut die Rohrdorfer Zement GmbH jährlich durchschnittlich 500.000 Tonnen Kalkstein ab, um das 20 Kilometer entfernte Zementwerk in Gmunden per Bahn und Förderband zu versorgen. Der alte Brecher stieß an seine Verschleißgrenzen. „Unser alter Vorbrecher hatte schon 28 Jahre gedient und in dieser Zeit 12 Millionen Tonnen Gestein verarbeitet, wir brauchten nun etwas Neues, das aber gut in unsere bestehende Infrastruktur passt“, begründet Projektleiter Christian Grabner die Investition. Gipo passte die Anlage exakt an die engen Platzverhältnisse auf dem Berg an.
Ein vorgeschalteter Rollenrost siebt feine Materialanteile vorab zuverlässig aus, sodass ausschließlich das grobe Gestein den Backenbrecher mit einer Einlauföffnung von 1330 mal 900 Millimetern passiert. Das Material wird von zwei Seiten über einen robusten Plattenbandförderer aufgegeben, was den Aufprall dämpft und die Lärmbelastung für die nahegelegene Gemeinde Ebensee spürbar reduziert.

Umkehrfunktion löst Blockaden automatisch
Sollte die Anlage im Betrieb blockieren, muss das Personal den Brechraum nicht mehr wie früher mühsam von Hand ausräumen. Das Gipo-System verfügt über eine integrierte Umkehrfunktion: Durch das Rückwärtslaufen der Brechbacken räumt sich der Vorbrecher bei einem Stillstand vollautomatisch frei. Für Reinigungs- und Servicearbeiten lässt sich die gesamte Maschine zudem elektrisch per Knopfdruck um 20 Meter verschieben.
Getrennte Elektronik gegen Vibrationen
Um Elektronikausfälle durch die enormen Erschütterungen im Steinbruchbetrieb zu verhindern, wählten die Konstrukteure einen unkonventionellen Aufbau. Direkt an der Brechanlage befinden sich ausschließlich die robusten Motoren und Sensoren. Die gesamte empfindliche Steuerungstechnik von Siemens wurde in einem separaten Container neben der Anlage untergebracht und ist damit vor Staub, Wetter und mechanischen Schwingungen geschützt.
Die gesamte Anlage ist modular aufgebaut. Da sich die Abbaugrenzen im Steinbruch im Laufe der Jahre verschieben, lässt sich die Brechanlage in drei verschiedenen Layouts anordnen. In voraussichtlich acht Jahren kann das gesamte System mit überschaubarem Aufwand demontiert und an einem neuen Abbaufeld wieder aufgebaut werden. Eine schnelle Ersatzteilversorgung sichert der Hersteller durch ein großes Zentrallager in der Schweiz und den österreichischen Vertriebspartner Polixmar zu.
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Sicherheit im Fokus

„Für uns war wichtig, dass Gipo eine echte individuelle Anpassung der Anlage auf unserem Steinbruch vornehmen konnte, was nun nicht nur für reibungslose Abläufe, sondern auch für Arbeitssicherheit sorgt“, bilanziert die zuständige Abteilungsleiterin Melanie Lettner. Neben umlaufenden Podesten und Geländern wurde auch das Bedienpersonal direkt in die Gestaltung der Steuerung einbezogen: Die Mitarbeiter durften selbst mitbestimmen, wie die Funkfernbedienungen belegt und wo die Not-Aus-Schalter platziert werden.
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