IFAT: Twin Talks
Digitale Zwillinge: Zwischen Vision und Notwendigkeit
Auf der IFAT 2026 in München diskutierten Experten im Rahmen der „Twin Talks“ am GWP-Gemeinschaftsstand, wie Digitalisierung, KI und digitale Zwillinge die Branche resilienter machen können. Die zentrale Erkenntnis: Technologie ist nur ein Teil der Lösung – entscheidend sind die Menschen und eine klare Datenstrategie.


Vom Kalibrierschlauch zum Werkzeug in der grabenlosen Sanierung
Der AIRBAGLINER® von Bodenbender hat sich vom klassischen Kalibrierschlauch zu einem festen Bestandteil moderner Sanierungssysteme entwickelt.
Die Experten auf dem Podium waren sich einig, dass die größten Risiken in der Kombination aus alternder Infrastruktur und den Folgen des Klimawandels liegen. Prof. Dr. Frank Obenaus, Vorstand bei Emschergenossenschaft und Lippeverband, betonte die Notwendigkeit, „in unsere Anlagen zu reinvestieren, um sie zukunftsfähig, flexibel und zuverlässig im Betrieb zu machen“. Neben extremen Wetterlagen wie Dürreperioden und Starkregenereignissen nannte er auch die Cybersicherheit als eine der drei größten Bedrohungen.
Daten: Der Schatz, der noch gehoben werden muss
Ein wiederkehrendes Thema war der Umgang mit Daten. Während Obenaus zugab, dass man oft auf einem „Datensee“ sitze, aber „nicht genug mit der riesigen Datenmenge macht“, die man habe, wies Dr.-Ing. Pascale Rouault, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Wasser Berlin (KWB), auf ein anderes Problem hin: Oft werden Daten innerhalb eines Unternehmens nicht geteilt. Ihre Forderung war eindeutig: „Die Daten gehören dem Unternehmen, nicht einzelnen Abteilungen. Entscheiden Sie sich, Ihre Daten zu teilen!“ Nur so könne man das volle Potenzial von Analysen und Modellen ausschöpfen, um etwa auf Wasserknappheit zu reagieren oder den Zustand von Anlagen zu bewerten.
Der Mensch im Mittelpunkt der digitalen Transformation
Alle Podiumsgäste stimmten darin überein, dass die digitale Transformation kein reines Technologie-Thema ist. Sebastian Guckelberger, Global Head of Vertical Market Development Water bei Siemens, erklärte, dass die beste digitale Lösung nichts nütze, „wenn der Betreiber ihr nicht vertraut, nicht daran glaubt und sie schlichtweg nicht nutzt“.

Der Schlüssel liege darin, die Mitarbeiter für den Wandel zu begeistern und eine „Koalition der Begeisterten“ zu schaffen, die neue Arbeitsweisen vorleben. Obenaus ergänzte, wie wichtig es sei, die Öffentlichkeit mitzunehmen, etwa durch „starke Bilder“ von renaturierten Flüssen, um den Nutzen der Investitionen greifbar zu machen.
KI als Schlüsseltechnologie für komplexe Probleme
Wo liegt der perfekte Anwendungsfall für künstliche Intelligenz? Für Pascale Rouault kann KI dort helfen, „wo wir heute keine Lösung haben und die Komplexität zu hoch ist“. Als Beispiel nannte sie ein in Dänemark eingesetztes KI-Modell zur intelligenten Wasserverteilung in einer Region mit Wasserknappheit.

Sebastian Guckelberger sieht das größte Potenzial der KI darin, dem Fachkräftemangel zu begegnen, indem das Expertenwissen ausscheidender Mitarbeiter in digitalen Systemen gesichert wird. Für ihn ist das so, „als hätte man jederzeit einen Experten zur Hand, der einem bei verschiedenen Aufgaben hilft.“
Technologie und Mensch müssen Hand in Hand gehen
Die Digitalisierung in der Wasserwirtschaft ist längst kein Selbstzweck mehr, sondern eine zwingende Notwendigkeit, um den wachsenden Herausforderungen durch Klimawandel, Cyberbedrohungen und eine alternde Infrastruktur zu begegnen. Digitale Zwillinge und KI bieten dabei enorme Potenziale – sei es bei der effizienten Bewältigung von Wasserknappheit oder der Sicherung von wertvollem Expertenwissen gegen den Fachkräftemangel.
Doch wie die „Twin Talks“ auf der IFAT zeigten, gelingt die Transformation nur, wenn Unternehmen bestehende Datensilos aufbrechen und vor allem die Menschen in den Mittelpunkt stellen. Die technologischen Lösungen stehen bereit; nun gilt es, sie mit Vertrauen, einer klaren Strategie und einer echten „Koalition der Begeisterten“ in die Praxis umzusetzen.
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