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Projektmanagement Kanalsanierung: Steuerung & Vertrauen

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Projektmanagement

Kommunikation und Dokumentation – was ist das richtige Maß?

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Hendrik Klar
11.09.2026, 00:00
FÜSSEN
Projektmanagement Kanalsanierung: Steuerung & Vertrauen
Erfolgreiches Projektmanagement in der Kanalsanierung gelingt nur durch eine praxistaugliche Balance aus Steuerung und Vertrauen, bei der Auftraggeber, Ingenieurbüro und Bauunternehmen das gemeinsame Ziel pragmatisch über starre Vertragspositionen stellen. | Foto: B_I MEDIEN, KI-generiert

Projektmanagement in der Kanalsanierung braucht das richtige Maß: so viel Steuerung wie nötig, so viel Vertrauen wie möglich. Ein Projekt wird nicht dadurch besser, dass mehr gefordert wird, sondern dadurch, dass das Geforderte bewertbar, der Mehraufwand angemessen und die Umsetzung fachlich leistbar bleibt. Entscheidend ist, dass die drei Beteiligten nicht nur ihre eigene Rolle sehen, sondern das gemeinsame Projektziel konsequent nach vorne stellen.


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Die Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verschoben. Planung und Dokumentation sind weitgehend digitalisiert; darüber hinaus fließen neue Instrumente, Praxiserfahrungen und technische Erkenntnisse kontinuierlich in Regelwerke und Empfehlungen ein. Die Qualitäts- und Regelwerksanforderungen sind gestiegen, gleichzeitig fehlt auf der ausführenden Seite operatives Personal. Auch die Strukturen der Ingenieurbüros haben sich verändert: Wachstum, neue Standorte und organisatorische Veränderungen machen es erforderlich, Erfahrungswissen bewusster zu organisieren, zu teilen und zu sichern.

Für die Zusammenarbeit von Auftraggeber, Ingenieurbüro und ausführender Firma bedeutet das, dass die alten Routinen nicht mehr selbstverständlich tragen. Drei Fragen prägen hier den Wandel: Was hat sich verändert, wie entsteht das richtige Maß, und was heißt das praktisch für die Qualitätssicherung? Ziel ist es, trotz gestiegener und veränderter Anforderungen gemeinsam zu belastbaren Lösungen zu kommen – und im Zweifel tragfähige Kompromisse über starre Vertragspositionen zu stellen.

Dieses Maß lässt sich nicht pauschal vorschreiben. Es entsteht projektbezogen im Zusammenspiel der Beteiligten: Der Auftraggeber muss Entscheidungen ermöglichen, das Ingenieurbüro Risiken verständlich aufbereiten und die ausführende Firma fachlich bewerten, was unter Baustellenbedingungen verlässlich umsetzbar ist.

Projektmanagement in der Planung

In der Planung entsteht der gemeinsame Entscheidungsraum: Ziele werden geklärt, Risiken transparent gemacht und Vorarbeiten so aufgesetzt, dass die Ausführung planbar bleibt. Frühzeitige Abstimmungen mit dem Auftraggeber – wie sie unter anderem durch das DWA-A 143-21 stärker in den Fokus rücken – reduzieren Planungsverzögerungen und Ausführungsrisiken. Entscheidend ist eine klare Kommunikation, damit Neuerungen für den Auftraggeber von Anfang an nachvollziehbar bleiben. So entsteht mehr Kostensicherheit und die ausführende Firma erhält zugleich klarere Vorgaben.

Ebenso wichtig ist es, den Auftraggeber für seine Bauherrenaufgaben zu sensibilisieren. Stellflächen, geschützte Lagerflächen und die Schaffung der Zugänglichkeit gehören dazu – gut vorbereitet erspart dies der Firma Stillstand. Die Verkehrssicherung wird früher und intensiver abgestimmt.

Die Leistungsbeschreibung wird laufend weiterentwickelt. Vorgaben aus Regelwerksüberarbeitungen, etwa dem DWA-A 143-3, müssen angewandt werden; technische Hinweise wie die ZTV-Empfehlung „Schlauchlining“ sollten dagegen stets hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit und ihrer Folgen geprüft werden. Zur Beschreibung der Baumaßnahme ist weniger oft mehr. Pläne, Fotos, Videos und vollständig bereitgestellte Inspektionsdaten erklären die Aufgabe häufig verständlicher als lange Textpassagen. Produktangaben, Zertifikate und Schulungsnachweise werden im Vergabeverfahren gezielt abgefragt. Geplant wird nicht nur technisch optimal, sondern umsetzbar: Am Markt verfügbare Verfahren werden geprüft, weil Alternativen oft schneller verfügbar und wirtschaftlicher sind – sofern vertretbare Abstriche fachlich bewertet und transparent gemacht werden.

Qualifizierung und Wissenstransfer: Voraussetzung für das richtige Maß

Wer das richtige Maß beurteilen soll, braucht fachliche Sicherheit und ein gemeinsames Verständnis von Qualität. Bei ISAS haben wir diesen Bereich insbesondere durch unser Wachstum bewusster strukturiert: Eine digitale Wissensplattform mit Vorlagen und Schulungsvideos unterstützt gleiche Standards an allen Standorten; persönlicher Fachaustausch sowie digitale, standortübergreifende Schulungen halten das Wissen aktuell.

Dieses Vorgehen ist nicht 1:1 auf jedes Büro übertragbar, zeigt aber, wie Qualifizierung, Wissenstransfer und praktische Erfahrung systematisch verbunden werden können. Praxisnahe Schulungen mit externen Partnern – intern oder auf einer Musterbaustelle – sowie Werksbesichtigungen stärken das Vorstellungsvermögen für die Ausführung. Die Mitwirkung an der Regelwerksarbeit bringt Änderungen früh in die Organisation und ermöglicht es zugleich, eigene Erfahrungen und fachliche Standpunkte nach außen einzubringen.

Wenn es die aktuelle Struktur zulässt, führt ein neu eingestellter Planer die örtliche Bauüberwachung zumindest für einen Teil seiner Projekte selbst durch. Dadurch lernt er aus der praktischen Umsetzung schneller für nachfolgende Planungen.

Projektmanagement in der Bauüberwachung

In der Bauüberwachung gilt Qualität vor Quantität. Verfahrenshandbücher und eng begleitete Sanierungsschritte sichern die Ausführungsqualität und machen zugleich die Leistung des Personals vor Ort sichtbar. Persönliche und digitale Formate können sich sinnvoll ergänzen: Ein Jour fixe vor Ort oder online spart Wege und beschleunigt Abstimmungen, ersetzt aber nicht die regelmäßige Präsenz auf der Baustelle.

Die digitale Abrechnungsdokumentation beschleunigt den Workflow, wenn ausführende Firmen früh unterstützt werden und klare Vorlagen die Struktur vorgeben. Vorgaben zur d11-Abrechnung erleichtern die Prüfung, Werkzeuge wie Mate von SysCribe machen durch die grafische Darstellung von UV-Anlagenprotokollen den Aushärtevorgang verständlicher. Digitalisierung ersetzt dabei nicht die persönliche Vermittlung: Dokumentation, Abrechnung und Bauablauf müssen so erklärt werden, dass Auftraggeber sie nachvollziehen und sicher weiterverwenden können.

Bleibt der Umgang mit dem Unvorhersehbaren. Änderungen im Bauablauf und Behinderungen brauchen Fingerspitzengefühl. Statt auf Vertragspositionen zu beharren, führt der Blick auf das gemeinsame Ziel meist schneller zu tragfähigen Lösungen für alle Beteiligten.

Orientierung für die Praxis: Das richtige Maß ist situativ

Das richtige Maß ist situativ, nicht dogmatisch. Eine frühe Rollenklärung beschleunigt das Projekt und ist keine Formalie. Kommunikation soll Entscheidungen vorbereiten, nicht ersetzen, im Konflikt gehört das gemeinsame Ziel vor die eigene Position. Für die Praxis bleiben zwei Leitfragen: Wo ist im eigenen Projekt gerade zu wenig – und wo zu viel – Projektmanagement? Und welche Entscheidung verbessert heute die Qualität von morgen?

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