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Münchner Runde 2026: KI & Praxis der Klimaanpassung

Münchner Runde 2026

Klimaanpassung, KI und moderne Kanalnetze im Fokus

M
Marc Szombathy
06.11.2026, 12:22
BLAUBEUREN
Münchner Runde 2026: KI & Praxis der Klimaanpassung
Referenten der Münchner Runde 2026 | Foto: Christina Pahnke, sampics

Die Modernisierung der deutschen Wasserinfrastruktur steht vor entscheidenden Hürden. Bei der 23. Münchner Runde am 15. Oktober 2026 im Veranstaltungsforum Fürstenfeld diskutierten über 300 Fachleute aus Bauunternehmen, Ingenieurbüros und Kommunen aktuelle Lösungsansätze.

Professor Wolfgang Günthert (Deutscher Expertenrat für Umwelttechnologie und Infrastruktur) eröffnete die Tagung und führte wieder durch das Programm. Am Beispiel München kritisierte er die Versiegelung von Grünflächen. Der Klimawandel lasse sich nicht umkehren; entscheidend sei die Klimaanpassung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Regina Paas vom Bundesumweltministerium machte dringenden Handlungsbedarf beim Klimaschutz deutlich. Im Sommer 2026 meldeten 70 Prozent der Wasserversorger extreme Verbrauchsspitzen. Ein zentrales Problem: Die wasserwirtschaftliche Infrastruktur bleibt in der Öffentlichkeit „unsichtbar, unauffällig, unverstanden“, wodurch vorsorgende Investitionen schwer nachvollziehbar sind.

State-of-the-Art: Förderungen & kommunale Klimaanpassung

Martin Moosbauer, Werner Boxleitner und Jingbo Hasubek vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf informierten über staatliche Förderungen der Kanalinstandhaltung und Victoria von Minnigerode (Rödl GmbH Rechtsanwaltsgesellschaft) zeigte kommunale Handlungsoptionen zur Klimaanpassung in der Bauleitplanung auf: Starkregenvorsorge, Hochwassergefahrenkarten und blau-grüne Infrastruktur sollten stärker eingebracht werden.

Praxis-Impulse: Kanalsanierung, Druckleitungen & Retentionsdächer

Aus der Praxis der ferngesteuerten Anschlusssanierung berichteten Martin Orschekowski (Stadtentwässerung Homburg) und Roman Debes (Kanaltechnik DF-ING GmbH). Karin Sprengard (AWA-Ammersee) wies auf den vernachlässigten Wartungsbedarf von Druckleitungen hin und Max Husemann (Optigrün international AG) zeigte am Beispiel eines Nürnberger Stadtquartiers auf, wie Retentionsdächer Regenwasser speichern und dessen Abfluss verzögern.

Digitalisierung & KI im Abwassermanagement: Fremdwasseranalyse und smarte Steuerung

Nach der Mittagspause hatten Fachfirmen wieder die Bühne und Gelegenheit, ihre Produkte und Dienstleistungen vorzustellen. | Foto: Christina Pahnke, sampics
Nach der Mittagspause hatten Fachfirmen wieder die Bühne und Gelegenheit, ihre Produkte und Dienstleistungen vorzustellen. | Foto: Christina Pahnke, sampics

Moderiert von Professor Bert Bosseler (IKT gGmbH), hatten nach der Mittagspause Fachfirmen wieder die Bühne und Gelegenheit, ihre Produkte und Dienstleistungen vorzustellen. Annabella Reinke (Pluvion GmbH) führte anschließend aus, wie sich Fremdwassereinträge durch die Kombination von Messdaten, Netzkenntnis und Vor-Ort-Prüfung lokalisieren lassen. Prof. Günter Müller-Czyzan (Hochschule Hof) und Robert Köllner (Stadtwerke Jena) stellten das KI-Projekt InSchuKA4.0 vor, das historische Betriebsdaten, Wettervorhersagen und Echtzeitmessungen kombiniert, um Abwasserströme vorab zu steuern und Gewässerbelastungen zu senken.

Netzinspektion und KI-Einsatz im Unternehmensalltag

Abschließend schilderten Franziska Lukas (Ingolstädter Kommunalbetriebe) und Jonas Watzlowik (Dr.-Ing. Pecher & Partner Ingenieurgesellschaft mbH) den Ablauf der GEA-Inspektion in Ingolstadt-Unsernherrn. Martin Hildebrand (Evolve Edge) erörterte zu guter Letzt, wie Unternehmen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz ihren Arbeitsalltag – sei es bei Ausschreibungen oder Vergaben – erleichtern können.

Insgesamt 56 Fachfirmen, Branchenverbände und Ingenieurbüros waren mit ihrem Leistungsangebot vertreten. | Foto: Tine Hellwig, Grafikbüro
Insgesamt 56 Fachfirmen, Branchenverbände und Ingenieurbüros waren mit ihrem Leistungsangebot vertreten. | Foto: Tine Hellwig, Grafikbüro

Zukunftsfähige Entwässerungsnetze und Regenwasserbewirtschaftung

Zentrales Ergebnis der Tagung: Zukunftsfähigkeit hängt nicht allein von Neubau und Instandsetzung ab, sondern davon, bestehende Netze systematisch zu modernisieren, Regenwasser dezentral zu bewirtschaften und digitale Technologien in den Betrieb einzubeziehen. Voraussetzung sind langfristige Investitionsstrategien, qualifiziertes Personal und geeignete Förderinstrumente.

Studenten der Hochschule Landshut nutzten das Angebot „Meet the Practice“ der Münchner Runde und nahmen Kontakt zur Praxis auf. Professor Wolfgang Günthert betonte die Bedeutung des Nachwuchses: Die Branche sei spannend, biete gute Berufschancen und brauche Fachkräfte, Techniker und Ingenieure.

Die 24. Münchner Runde findet am 14. Oktober 2027 in Fürstenfeldbruck statt.

Impressionen von der 23. Münchner Runde, die wieder topaktuelle Sachverhalte aufgriff, die die Kanalsanierungsbranche und Wasserwirtschaft bewegen. | Foto: Tine Hellwig, Grafikbüro
Impressionen von der 23. Münchner Runde, die wieder topaktuelle Sachverhalte aufgriff, die die Kanalsanierungsbranche und Wasserwirtschaft bewegen. | Foto: Tine Hellwig, Grafikbüro

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