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Mineralische Kanalsanierung: Olgasammler in Ulm mit Injektion und in Handarbeit saniert

Mineralische Sanierung

Handarbeit im 120 Jahre alten Olgasammler

27.10.2026, 14:03, aktualisiert 27.10.2026, 14:45
ULM
Mineralische Kanalsanierung: Olgasammler in Ulm mit Injektion und in Handarbeit saniert
Bauleiter Bernd Hubert hat genau vorgegeben, wie das Schachbrettmuster für die Injektion der Betonsuspension gebohrt werden muss. | Foto: Andreas Mauritz, Jockgrim

Der 120 Jahre alte Oststadtsammler (Olgasammler) unter der Ulmer Olgastraße ist stark korrodiert. Um den Betrieb für mindestens weitere 25 Jahre zu sichern, setzen die Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm (EBU) auf eine händische mineralische Sanierung kombiniert mit einem Injektionsverfahren. Die Firma HS Kanalsanierung setzt das anspruchsvolle Projekt im begehbaren Profil unter beengten Verhältnissen und in minimalem Zeitfenster um.


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Die Sanierung von Trinkwasserleitungen ist eine Herausforderung: Neben der technischen Erneuerung spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle.


Die Stadt Ulm will das große Sanierungsprojekt in der Hauptverkehrsader Olgastraße noch vor der kommenden Landesgartenschau im Jahr 2030 abschließen. Bis dahin heißt es „Ulm baut um". Die Sanierung des alten Olgasammlers ist eines von mehreren Bauprojekten, die in diesem engen Zeitfenster durchgeführt werden.

Der 550 Meter lange Sanierungsabschnitt hat ein anspruchsvolles Haubensonderprofil der Dimension 900/1500 mit senkrechten Wänden, Scheitelbogen und geklinkerter Sohle. Die Kanalwand leidet unter starker Betonkorrosion, teilweise mit Längsrissbildung (Altrohrzustand ARZ IIIa nach DWA-A 143-2). Ursache ist vor allem die Erdlast, denn der Kanal liegt in einer mittleren Tiefe von rund sechs Metern, mit einer Erdüberdeckung von bis zu 5,70 Metern. Der darüber laufende Verkehr und die Straßenbahntrasse fallen für die Statik dagegen kaum ins Gewicht.

Trotz der starken Schäden schieden gängige grabenlose Verfahren aus: Ein Schlauchliner kam aufgrund der senkrechten Wände am Kämpferbereich statisch nicht infrage, da er dem Wasseraußendruck nicht standgehalten hätte. Ein Kurzrohrlining hätte den Querschnitt des Kanals verengt. Die Entscheidung fiel daher auf die mineralische Sanierung von Hand.

Baustellenlogistik und komplexe Wasserhaltung

„Bei der Sanierung sind alle Rahmenbedingungen so, wie sie fast nicht komplizierter sein können, mit der Straßenbahn, mit beengten Bedingungen", sagt Georg Scholz, Abteilungsleiter Abwasserwirtschaft bei den Entsorgungsbetrieben der Stadt Ulm (EBU). „Das funktioniert eben nur, wenn man alle Akteure kooperativ zusammenbringt." Bei der Abwägung und Entscheidung für die mineralische Sanierung von Hand und das Injektionsverfahren war auch das Ingenieurbüro Isas aus Füssen beteiltigt.

Der Kanal liegt teilweise direkt unter dem Gleisbett der Straßenbahn, die bis auf ein paar Stunden in der Nacht ständig fährt. Um unabhängig vom Verkehr arbeiten zu können, errichtete das Team vorab einen sieben Meter tiefen Einstiegsschacht.

Während der Arbeiten im engen, nur 1,50 Meter hohen Profil leitet eine aufwendige Wasserhaltung den Trockenwetterabfluss um. Die Pumpen fördern 50 Liter pro Sekunde über eine Strecke von 20 Metern, während seitliche Zuläufe einzeln eingebunden werden. Da die Anlage bei Starkregen überflutet werden könnte, schützt ein dreiphasiges Alarmierungsmodell – gekoppelt an Wetterdaten und Schachtpegel – die im Kanal arbeitenden Menschen.

Für HS Kanalsanierung, Spezialist für händische Sanierung begehbarer Kanäle, ist der Auftrag eine ungewöhnlich große Maßnahme. „Das ist auch für uns ein Prestigeprojekt, wir wollen gut aussehen", sagt Geschäftsführer Sebastian Gorecki. Von den insgesamt sechs Kolonnen des Unternehmens mit 34 Sanierern ist in Ulm die Stammkolonne von Bauleiter Bernd Hubert mit zehn Mitarbeitenden im Einsatz. Später wird auf 17 aufgestockt.

Die Arbeit im Kanal ist anspruchsvoll: Die Mitarbeitenden können überwiegend nur gebückt und von Hand arbeiten. Eine eingerichtete Wasserhaltung sorgt dafür, dass das Abwasser in einen benachbarten Schmutzwassersammler umgeleitet wird, also während der Arbeit kein Abwasser durch den Sanierungsbereich fließt.

Bauleiter Bernd Hubert (HS Kanalsanierung), Markus Kneher (EBU Ulm), Sebastian Brunner (Isas Ingenieure), Sebastian Gorecki (HS Kanalsanierung), Benjamin Blenk (Isas Ingenieure) und Georg Scholz (Abteilungsleiter Abwasserwirtschaft EBU Ulm). | Foto: Andreas Mauritz, Jockgrim
Bauleiter Bernd Hubert (HS Kanalsanierung), Markus Kneher (EBU Ulm), Sebastian Brunner (Isas Ingenieure), Sebastian Gorecki (HS Kanalsanierung), Benjamin Blenk (Isas Ingenieure) und Georg Scholz (Abteilungsleiter Abwasserwirtschaft EBU Ulm). | Foto: Andreas Mauritz, Jockgrim

Sebastian Gorecki nutzte in der Planung eine günstige Fügung: Die Straßenbahnschienen im Baustellenbereich waren im Sommer aus anderen Gründen gesperrt, ein Ersatzverkehr eingerichtet. So konnte Gorecki die in vier Abschnitte unterteilte Bauabfolge so anpassen, dass die Baukolonne in diesem Zeitfenster konzentriert und ohne aufwendige Nachtarbeit vorankommen konnten.

Reißverschlussverfahren: Bohrungen im Raster

Im Zentrum der Sanierung steht der Schutz des freigelegten Altbetons durch eine mineralische Beschichtung. Um die Struktur zusätzlich zu verfestigen, bohren die Sanierer im Abstand von 40 Zentimetern rund 18 Millimeter große Löcher in die Kanalwände. Es entsteht ein schachbrettartiges Raster mit bis zu 1.000 Injektionspackern pro Bauabschnitt.

Anschließend verpresst das Team eine kunststoffmodifizierte Zement-Suspension unter Druck in die Kanalwand. Die Suspension verteilt sich in den Lunkern des porösen Altbetons und verschließt Längsrisse im sogenannten Reißverschlussverfahren. Das Material erfüllt die Expositionsklasse XA3 nach DIN EN 206-1 und ist damit hochgradig beständig gegen chemische Angriffe durch Abwasser.

Der Olgasammler in Ulm nach der Sanierung. | Foto: Andreas Mauritz, Jockgrim
Der Olgasammler in Ulm nach der Sanierung. | Foto: Andreas Mauritz, Jockgrim

Nach jedem Bauabschnitt beauftragte HS Kanalsanierung eine Kamerabefahrung. Neben dieser internen Qualitätskontrolle war während der Ausführung auch Norbert Nielsen, Prüfingenieur des Güteschutzes Kanalbau, vor Ort, um die fachgerechte Umsetzung zu prüfen. Zum Abschluss der Gesamtmaßnahme erfolgte eine TV-Befahrung durch die EBU, um den Zustand des sanierten Kanals zu dokumentieren. Ursprünglich war die Sanierung bis Ende September terminiert, abgeschlossen wurde sie bereits zwei Wochen früher.

Gewonnene Zeit für die städtische Planung

Das gewählte Verfahren fungiert als robuste Zwischenlösung. Die Haltbarkeit der mineralischen Auskleidung wird von Isas-Ingenieur Sebastian Brunner auf mindestens 25 Jahre geschätzt. Die Stadt Ulm gewinnt durch die erfolgreiche Maßnahme das nötige Zeitfenster, um einen neuen, größer dimensionierten Parallelkanal in Ruhe planen zu können, der den alten Kanal in Zukunft entlasten soll.

Dass der Hauptsammler der an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern gelegenen Stadt saniert werden muss, war schon länger bekannt. „Das ist eine größere Sanierung an einem technisch anspruchsvollen Kanalprojekt, an einem wichtigen Kanal, der große Mengen Abwasser transportiert", erklärt Georg Scholz.

Lesen Sie hier mehr zu Kanalsanierung:

Mineralische Kanalsanierung: Olgasammler in Ulm mit Injektion und in Handarbeit saniert: Weitere Bilder

Der Schaden im Olgasammler in Ulm vor der Sanierung. | Foto: Andreas Mauritz, Jockgrim
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Quelle: HS Kanalsanierung


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