Dükerreparatur
Mut zum Risiko

Manchmal braucht es den nötigen Mut, etwas Neues zu probieren. So etwa in Berlin-Spandau, wo ein sanierungsbedürftiger Regenwasser-Düker trotz enormer Herausforderungen, großer Risiken und geringer Erfolgschancen abgedichtet wurde.

Grabenlos, hygienisch, effizient: SaniTube erhält KTW-BWGL-Zertifikat
Die Sanierung von Trinkwasserleitungen ist eine Herausforderung: Neben der technischen Erneuerung spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle.
Der Düker „Popitzweg“ besteht aus zwei duktilen Gussrohren DN 400 und DN 800. Eine Besonderheit ist seine Lage: So kreuzt er einerseits eine U-Bahn, andererseits befindet sich direkt neben dem Düker die historische denkmalgeschützte Siemensbahn. Der Grundwasserstand ist in diesem Bereich sehr hoch.
Im Rahmen der turnusmäßigen Inspektion im Oktober 2025 wurden im fallenden Ast am Dükeroberhaupt auf einer Länge von 3 Metern Korrosionsschäden mit starker Infiltration und Bodeneintrag in der kleineren Röhre festgestellt. Ferner hatten sich bereits Hohlräume in der Bettung gebildet. Aufgrund des erheblichen Schadensbildes (ZK 0) und der besonderen Lage des Dükers musste sofort gehandelt werden. Einerseits war die Standsicherheit des Dükers gefährdet, andererseits hätte es durch die Hohlraumbildung in Kürze zu einer Versackung kommen können, wodurch sich eine konkrete Gefahr für den Straßenverkehr ergeben hätte. Außerdem hätten schlimmstenfalls auch Risse im U-Bahn-Tunnel und in den Fundamenten der Siemensbahn entstehen können.

Herausforderungen & Verfahrenswahl

„Die beste Option war hier das Injektionsverfahren“, so Kröhan, „und so sind wir – auch vor dem Hintergrund guter Erfahrungen – an die Firma Umwelttechnik Franz Janßen herangetreten.“ Im engen Austausch haben die BWB und der Dienstleister für grabenlose Kanalsanierung, -inspektion und -reinigung die Machbarkeit und Risiken eingeschätzt. Dabei gesellten sich zu den bereits genannten Herausforderungen noch weitere: Ähnlich wie die Manschette wäre auch der einzusetzende Packer wegen seiner starren Endelemente kaum durch den 45-Grad-Bogen gekommen. Und: „Wir konnten im Vorfeld der Abdichtung die Schadstellen nicht glattfräsen, da wir sonst das Rohr noch mehr beschädigt hätten und weitere Infiltration zu befürchten gewesen wäre. Es bestand daher das Risiko, dass das Harz bei Druckbeaufschlagung über die Endelemente läuft, so dass wir den Packer nicht mehr aus dem Düker bekommen hätten“, beschreibt Anja Janßen, Umwelttechnik Janßen. Ohnehin sei der Einsatz eines Standard-Packers mit einer Länge von ca. 1,5 Metern bei einer Schadenslänge von 3 Metern nicht sinnvoll gewesen, weil in dem Fall das Harz über die Hohlräume hinter dem Rohr über die anderen Löcher wieder eingetreten wäre.
Größerer Packer als Sonderanfertigung

„Wir brauchten daher einen 3,5 Meter langen Packer, der in einem Arbeitsgang die Schadstellen abdeckt. Bis dato hatten wir einen solchen weder gebaut noch damit gearbeitet“, so Janßen. Hinzu kam, dass zunächst der im Düker befindliche teils verkeilte Unrat aufwendig aus dem Rohr entfernt werden musste, bevor eine Seilverbindung für den Packer installiert werden konnte.
Bei all den örtlichen Bedingungen, die für große Ungewissheit sorgten, und der Tatsache, dass angesichts des sofortigen Handlungsbedarfs Dükerreinigung und Packerneubau samt Materialbestellung und Einsatz des Sanierungsteams in kurzer Zeit erfolgen mussten, habe man die Erfolgsaussicht der Maßnahme bei lediglich 25 Prozent gesehen, verrät Anja Janßen. „Wir waren sehr skeptisch, zumal wir trotz der ganzen Risiken erst einmal in den Packerneubau investieren und natürlich auch Materialtransporte und Personalabstellungen getätigt werden mussten. Gleichzeitig waren wir davon abhängig, dass der Unrat erfolgreich aus dem Rohr befördert wird“, so Janßen.
Mut belohnt: Düker erfolgreich abgedichtet

Dennoch entschied man sich, das Vorhaben umzusetzen und die Injektion durchzuführen, auch weil die BWB das volle Risiko eines Misserfolges trugen. Die Reinigung des Dükers mit Hochdruckwasserstrahlen unter permanenter Absaugung des Unrats dauerte mehrere Wochen und endete erst unmittelbar vor der Sanierung. Währenddessen wurde der 3,5 Meter lange Packer gebaut. Um ein Verkanten im Neigungswinkel des Dükers zu vermeiden, mussten dessen Endelemente kürzer und kleiner gebaut werden.
Die Abdichtung der schadhaften Stellen begann im Dezember 2025 und dauerte drei Tage. Während des Packerein- und rückzugs sind weitere Löcher entstanden, die ebenfalls abgedichtet werden mussten.
Nach der Abdichtung kann nun der Düker neu bewertet und die weitere Sanierung des gesamten Dükers geplant werden. Trotz aller Skepsis, die Reparaturmaßnahme erfolgreich durchführen zu können, hatte es sich letztlich gelohnt, das Risiko einzugehen. Drei Faktoren, so betonen Anja Janßen und Anja Kröhan, seien für den Erfolg entscheidend gewesen: der Mut, neue Wege zu gehen, der offene intensive Diskurs sowie das Teamwork der Beteiligten.

