22 Jahre Praxistest
Warum sich die grabenlose Sanierung am Biggesee bewährt hat

2004 kam bei der Sanierung eines Doppeldükers unter dem Vorstaubecken des Biggesees in Nordrhein-Westfalen der W-Liner von Rädlinger primus line zu einem seiner ersten Einsätze. Mehr als 20 Jahre später blickt der Netzbetreiber Kreiswerke Olpe auf dieses frühe Primus Line-Projekt zurück und erklärt, warum die Entscheidung für die grabenlose Sanierungsmethode aus damaliger Sicht mutig und richtig war.

Grabenlos, hygienisch, effizient: SaniTube erhält KTW-BWGL-Zertifikat
Die Sanierung von Trinkwasserleitungen ist eine Herausforderung: Neben der technischen Erneuerung spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle.
Als die Kreiswerke Olpe im Jahr 2003 Rohrnetzverluste an einem Doppeldüker im Bereich des Biggesee-Vorstaubeckens feststellten, standen sie vor einer weitreichenden Entscheidung: Neubau, Austausch oder Sanierung? Die beiden parallel verlaufenden Trinkwasserleitungen aus dem Jahr 1965 queren auf einer Länge von rund 200 Metern die Sohle eines Vorstaubeckens des Stausees und versorgen den Raum Drolshagen. Nach Prüfung der Alternativen durch das Ingenieurbüro Bieske und Partner GmbH entschieden sich die Kreiswerke Olpe (KWO) im Jahr 2004 für die damals noch junge Primus Line-Technologie. Seit der Sanierung sind mehr als zwei Jahrzehnte vergangen und die Leitung versorgt die Anwohner zuverlässig mit Trinkwasser.
Grabenlos mit Primus Line: Ausgangssituation, Entscheidung und Umsetzung
Das von den KWO beauftragte Ingenieurbüro schloss einen Neubau oder Austausch der defekten Zubringerleitung in offener Bauweise schnell aus. Dadurch, dass das Vorstaubecken und die Trinkwasserleitung im Rahmen des Neubaus der Biggetalsperre gebaut wurden, liegen die zwei parallel verlaufenden Trinkwasserleitungen ca. 1,50 Meter unter der Sohle des Vorstaubeckens, in einem dafür hergestellten Rohrgraben. Über die Jahre hatten sich außerdem Sedimente im Vorstaubecken abgelagert. Für einen Austausch hätte der Schlamm ausgebaggert bzw. umgelagert werden müssen. Dies wäre mit hohen Transport- und Entsorgungskosten verbunden gewesen. Auf Empfehlung des Ingenieurbüros entschieden sich die KWO für die Sanierung des Doppeldükers.
Zur Auswahl der Sanierungsmethode hatte der Betreiber folgende Voraussetzungen definiert:
- Ein Mindestquerschnitt von 200 Millimetern in den Leitungen sollte erhalten bleiben, um die hydraulische Kapazität nicht zu mindern.
- Die beiden 30°-Bögen im Verlauf des Dükers sollten durchfahren werden können.
- Die Druckstufe von 16 bar musste sichergestellt werden.
- Die Primus Line-Technologie erfüllte alle definierten Anforderungen: Der flexible Liner konnte die Bögen passieren und reduzierte dank seiner geringen Wandstärke von 6 Millimetern den Leitungsquerschnitt kaum. Ebenso blieb die geforderte Druckstufe erhalten.

Ein weiterer Trumpf der neuen Technologie war die kurze Bauzeit: Lediglich vier Tage waren für die Sanierung des Doppeldükers notwendig. Der Linereinzug selbst dauerte nur 45 Minuten pro Dükerstrang. Nach der Montage der Verbinder erfolgten die Druckprüfung sowie die Desinfektion und Wiedereinbindung in das Versorgungsnetz.
Eine Besonderheit des Projekts war die Mitführung eines Steuerkabels in einem der Dükerstränge. Es wurde damals an den Liner geklebt mit eingezogen. Da das Steuerkabel aufgrund der zugfesten und dichten Verbindung nicht durch den Pressverbinder gezogen werden durfte, wurde es seitlich über einen Abgang herausgeführt. Hier liegt ein Unterschied zu heute: Damals war der Liner noch flach, während er heute U-förmig gefaltet ist: Zusätzliche Medien wie Steuer- oder Glasfaserkabel werden gleich in die Falte mit eingelegt, um unnötige Handgriffe beim Einzug zu vermeiden.
Zeitgleich mit der Rohrsanierung wurden im ersten Schritt die technisch veralteten Schachtbauwerke abgerissen und nach Einzug der Inliner neu hergestellt. Dadurch waren die Dükeräste optimal zugänglich.
Betreiberperspektive: Drei Fragen zum Liner-Einsatz an Uwe Axt
Mehr als zwei Jahrzehnte später ist die Sanierung des Doppeldükers am Biggesee nicht nur ein Beispiel für den frühen Einsatz grabenloser Technologien in der Trinkwasserversorgung. Sie zeigt auch, welche Faktoren die Betreiber bei ihrer Entscheidung für eine damals noch neuartige Lösung abzuwägen hatten. Uwe Axt, Wasserversorgungstechniker bei den KWO, für den dieses Projekt eines der ersten in Eigenverantwortung war, blickt auf die Entscheidungsfindung und die Herausforderungen auf der Baustelle zurück.
Herr Axt, welche Gründe gab es für die KWO, sich für eine Sanierung mit Primus Line zu entscheiden?
Uwe Axt: Ich hatte mich bereits über grabenlose Sanierungsmethoden informiert und war auf die damals noch junge Primus Line-Technologie aufmerksam geworden. Die Struktur des Liners mit seinem Kevlar-Gewebe sowie der Innen- und Außenschicht aus Kunststoff und die daraus resultierenden Eigenschaften hatten mich überzeugt: Der Liner ist flexibel und stabil zugleich.
Uns war bewusst, dass das Produkt sehr neu war. Allerdings hatte der zu sanierende Doppeldüker mit je 200 Metern pro Strang eine überschaubare Länge. Und wir hatten hinsichtlich Bogengängigkeit und geringer Querschnittsreduzierung so gut wie keine Alternativen. Eine Sanierung mit einem PE-Rohr beispielsweise hätte den Durchmesser zu stark eingeschränkt.
Zudem lagen nach unserer Einschätzung und der des Ingenieurbüros die Kosten durch die Verwendung der neuen Technologie rund 70 % unter den geprüften Alternativlösungen Umverlegung der Trasse oder Neubau des Doppeldükers.
Welche Herausforderungen gab es damals?
Axt: Da sich die zum Inliner-Einzug vorbereiteten Rohrenden direkt am Seeufer befanden, waren die zur Verfügung stehenden Arbeitsräume auf beiden Seeuferseiten durch eine Hauptverkehrsstraße und eine Bahnstrecke sehr begrenzt. Die Trommel, auf der der Liner angeliefert wurde, stand sechs Meter oberhalb der Einzugsstelle und grenzte direkt an die Bahnstrecke. Die Baugrube unterhalb der Trommel wurde durch den Einsatz von Verbauelementen gesichert. Damit der Inliner beim Einzug im Verlauf von der Trommel zum Altrohr nicht durch Steine und das anstehende Felsgestein beschädigt wurde, hatten wir die Baugrube mit Paletten ausgelegt. Am Altrohr waren Führungsrollen angebracht, die ein Reiben an der Schnittfläche des Altrohres verhinderten.
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Nach Reinigung der zu sanierenden Rohrstränge wurde festgestellt, dass Grundwasser von außen in die Rohre eindrang. Um die vorgegebenen Zugkräfte beim Einzug des Inliners nicht zu überschreiten, wurde kurz vor dem Einzug das eingedrungene Wasser durch Molchen entfernt und direkt im Anschluss der Inliner eingezogen.

Bei dieser grabenlosen Methode ist eine Winde zum Liner-Einzug erforderlich. Um die Einzugskräfte auf höchstens 2,5 Tonnen zu minimieren und den Höhenunterschied von der Winde zum Altrohr zu überbrücken, installierten die Monteure von Rädlinger primus line ein System mit Umlenkrollen, über die sie das Windenseil führten. Das Führungssystem ließ sich variabel an die Gegebenheiten der Baugrube anpassen.
Das sind nur drei Beispiele für pragmatische Lösungen. Diese haben mir gezeigt, dass wir ein Unternehmen beauftragt hatten, dessen Mitarbeiter über Ingenieur- und Tiefbau-Know-how verfügen.
Welches persönliche Fazit ziehen Sie?
Axt: Bei Rädlinger primus line hatte ich den Eindruck, dass sich die Verantwortlichen Gedanken gemacht haben und wissen, was sie tun. Dieser Eindruck hat sich in weiteren Projekten noch verfestigt: Das Unternehmen liefert nicht nur ein Produkt, sondern arbeitet lösungsorientiert und stellt die Technik, die zur Umsetzung des Projektes notwendig ist, zur Verfügung.
Erfolgreiches Doppel
Der Biggesee-Doppeldüker ist einer von vier Doppeldükern im Verantwortungsbereich der Kreiswerke Olpe. Jeder der Düker wurde im Zuge des Neubaus der Talsperren gebaut. Durch die zweisträngige Auslegung kann die Versorgung im Havariefall aufrechterhalten werden. Drei der Doppeldüker aus Grauguss wurden zwischenzeitlich mit Primus Line saniert:
Biggesee, Olpe, 2004: 2 x 200 m DN 300, Druckstufe PN 16
Biggesee, Kirchesohl, 2010: 2 x 280 m DN 350, Druckstufe PN 16
Dumicke, 2019: 2 x 250 m DN 400, 2 x 250 m DN 350, Druckstufe PN 16
Zusätzlich wurde aufgrund eines Rohrbruchs ein Leitungsabschnitt einer Trinkwasserleitung mit Primus Line saniert.
Rohrbruch Herpel 2024: 250 m DN 250, Druckstufe PN 16 (nur ein Strang)
Quelle: Rädlinger primus line GmbH
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