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Deponieentwässerung: Betonschachthülle mit PEHD-Auskleidung im Praxistest

Deponieentwässerung: Betonschachthülle mit PEHD-Auskleidung im Praxistest
Auf einer Gesamtfläche von 10,5 Hektar entsteht in Eschbach derzeit eine Deponie der Klasse 1 mit einem Verfüllvolumen rund 1,55 Millionen Tonnen oder einer Million Kubikmeter. | Foto: B_I/zu Eulenburg

Bei Entwässerungssystemen im Bereich von Deponien sind in der Regel Kunststoffe wie PEHD die bevorzugten Werkstoffe. Bei dem Neubau der Deponie Weinstetten entschied sich die Abfallwirtschaft Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (ALB) als Bauherr für Schächte aus korrosionsgeschütztem Stahlbeton.


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Zu den Aufgaben des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald gehört es, Entsorgungsmöglichkeiten für feste Abfälle zu schaffen. Als die Kapazität der bestehenden Deponie für mineralische Abfälle in einem alten Steinbruch in Merdingen absehbar zur Neige ging, begann frühzeitig die Suche nach einer Lösung für die Zukunft. „Es war gar nicht so ganz leicht, geeignete Standorte zu finden, die groß genug, grundstücksrechtlich verfügbar und verkehrsgünstig gelegen sind“, sagt Sven Kunz, Technischer Leiter der Abfallwirtschaft Breisgau-Hochschwarzwald (ALB). Deswegen war die Erleichterung groß, in Eschbach mit dem Areal Weinstetten einen Standort gefunden zu haben, der all diese Kriterien erfüllt. Hier soll zukünftig der im Landkreis und in der Stadt Freiburg anfallende mineralische Bauschutt ordnungsgemäß und umweltverträglich entsorgt werden.

Das Versetzen der bis zu 19 Tonnen schweren Einzelteile bei Schachttiefen bis zu 6 Metern war anspruchsvoll, hat aber sehr gut funktioniert. | Foto: Beton Müller
Das Versetzen der bis zu 19 Tonnen schweren Einzelteile bei Schachttiefen bis zu 6 Metern war anspruchsvoll, hat aber sehr gut funktioniert. | Foto: Beton Müller

Vom Kiesaushub zum Generationenprojekt: Deponie Weinstetten

Bei dem Gelände handelt es sich um eine ehemalige Kiesgrube, die vor über 30 Jahren nach der Auskiesung von der Knobel Baugruppe gekauft und teilweise bereits mit unbelasteten Böden wiederverfüllt wurde. Vor etwa 10 Jahren begannen die ersten Gespräche mit dem Landkreis, diesen Standort als Bauschuttdeponie zu nutzen.

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Auf einer Gesamtfläche von 10,5 Hektar entsteht hier derzeit eine Deponie der Klasse I mit einem Verfüllvolumen von rund 1,55 Millionen Tonnen oder einer Million Kubikmeter. Entsprechend der Deponieverordnung ist hier die Entsorgung mineralischer Abfälle vorgesehen. Um zum Schutz des Grundwassers die geforderte Dichtheit des Untergrundes herzustellen, wird in Weinstetten zunächst eine einen Meter mächtige mineralische technische Barriere hergestellt. Als Basisdichtung dient eine 10 Zentimeter starke Asphaltdichtung.

Während des Betriebes wird der Deponiekörper abschnittsweise mit einer Oberflächenabdichtung abgedeckt und rekultiviert. „Wenn in rund 40 Jahren die endverfüllte Deponie schließlich vollständig rekultiviert ist, dann gehen wir von einer Nachsorgezeit von noch einmal mindestens 30 Jahren aus“, erläutert Sven Kunz und spricht vor diesem Hintergrund von einem Generationenprojekt.

Die Fugen der im Werk ausgekleideten Fertigteile wurden auf der Baustelle mit PE verschweißt. | Foto: Beton Müller
Die Fugen der im Werk ausgekleideten Fertigteile wurden auf der Baustelle mit PE verschweißt. | Foto: Beton Müller

Sickerwasser-Entwässerung für ein Ewigkeitsbauwerk

Teil des Gesamtbauwerkes Deponie ist ein Entwässerungssystem. Dessen Aufgabe ist es, anfallendes Sickerwasser aufzunehmen, sicher abzuleiten und einer umweltverträglichen Entsorgung – im konkreten Fall einer kommunalen Kläranlage - zuzuführen. Hierzu wurden auf der Basisabdichtung in einer jeweils in der Asphaltdichtung profilierten Leitungszone und in einem Auflager aus Trisoplast Drainageleitungen verlegt. Das in den gelochten Drainagerohren DA 450 gefasste Sickerwasser wird in Doppelrohren, bestehend aus einem Medienrohr DA 400 und einem Mantelrohr DA 630 im Freigefälle zu Schächten am Rande des Deponiekörpers geleitet. In den Schächten sind die Medienrohre an eine Sammelleitung aus PEHD angeschlossen, die das Sickerwasser weiter zu einem Pufferbecken transportiert. Von da aus wird es über eine Druckleitung in einen Verbandssammler und schließlich im Freigefälle in die kommunale Kläranlage geleitet.
Der Schacht ist für den Anschluss der Drainageleitung vorbereitet. | Foto: B_I/zu Eulenburg
Der Schacht ist für den Anschluss der Drainageleitung vorbereitet. | Foto: B_I/zu Eulenburg

Beton trifft PEHD: Wirtschaftliche Hybrid-Schächte statt Reinkunststoff

Beim Bau der Entwässerungsanlagen für Deponien ist in der Regel Kunststoff der bevorzugte Werkstoff. Was die Rohrleitungen betrifft, ist dies auch beim Bau der Deponie Weinstetten der Fall. Bei den Schächten haben sich die Verantwortlichen hier jedoch anders entschieden. Auf der Grundlage eines Sondervorschlages des ausführenden Bauunternehmens Knobel, fiel die Wahl auf mit PEHD ausgekleidete Betonschächte des Herstellers Beton Müller aus Achern. Hierbei spielten zunächst wirtschaftliche Gründe eine wesentliche Rolle, denn bei der Größe der insgesamt sechs Bauwerke mit Durchmessern von 2,50 und 3,50 Metern und einer Tiefe bis zu 6 Metern waren die Fertigteilschächte aus Beton erheblich kostengünstiger als entsprechend dimensionierte Bauteile aus PEHD. Hinzu kam, dass die mit PEHD-Auskleidung korrosionsgeschützten Schächte alle geforderten technischen Anforderungen ohne Einschränkungen erfüllen.

Da das Sickerwasser in einem geschlossenen Rohrsystem durch die Schächte geleitet wird und somit mit der Schachtoberfläche gar nicht in Berührung kommt, hätten in diesem Einsatzfall auch ungeschützte Betonschächte ausgereicht. „Da das Angebot mit den ausgekleideten Schächten gar nicht so viel teuer war, haben wir gesagt: Dann ziehen wir doch noch den Gürtel zu den Hosenträgern an“, sagt Sven Kunz. So sei man auch für unvorhergesehene Vorkommnisse, beispielsweise bei der Reinigung der Sickerrohre, immer und für mindestens die nächsten 100 Jahre auf der sicheren Seite. „Das ist uns besonders wichtig, denn solche Deponien sind nun einmal Ewigkeitsbauwerke.“

Im Schacht wird das Sickerwasser aus der Drainageleitung in die Sammelleitung übergeben. | Foto: Hopfgartner
Im Schacht wird das Sickerwasser aus der Drainageleitung in die Sammelleitung übergeben. | Foto: Hopfgartner

Statische Tragfähigkeit und Logistik: Handling der 19-Tonnen-Fertigteile

„Wir haben mit den Perfect-Schächten ein Hybrid-System, was die Vorteile beider Werkstoffe, nämlich die preisgünstige statische Tragfähigkeit vom Stahlbetonsystem und die Korrosionsbeständigkeit vom Kunststoff miteinander verbindet“, so Joachim Strack, Geschäftsführer von Beton Müller. Dem gegenüber stehe natürlich das höhere Gewicht. „Wenn das Gewicht ein Problem ist, dann sind wir raus“, so Joachim Strack. Das Handling der bis zu 19 Tonnen schweren Einzelteile bei Schachttiefen bis zu 6 Metern sei schon anspruchsvoll und erfordere entsprechend leistungsfähiges Hebezeug, das in der Gesamtkalkulation berücksichtigt werden müsse, ergänzt Andreas Knobel, Geschäftsführer der Knobel Bau GmbH. „Unter dem Strich hat das Versetzen der Schächte jedoch sehr gut funktioniert.“
Die Sammelleitung wird das Sickerwasser zu einem Pufferbecken transportieren. | Foto: B_I/zu Eulenburg
Die Sammelleitung wird das Sickerwasser zu einem Pufferbecken transportieren. | Foto: B_I/zu Eulenburg

CAD-Planung und Hand-in-Hand-Montage: Schlüssel zum Projekterfolg

Dies treffe auch auf die Einbindung der Schächte in das Kunststoffrohrsystem zu, betont Mario Hopfgartner. Er ist Geschäftsführer der auf Kunststoffbehälter und Kunststoffrohrleitungsbau spezialisierten und im Deponiebau erfahrenen Firma Hopfgartner Kunststoff- und Umwelttechnik GmbH aus Ilmendorf in der Nähe von Ingolstadt, die als Nachunternehmer des Bauunternehmens Knobel beim Bau der Deponie Weinstetten für den Rohrleitungsbau verantwortlich ist. „Dort, wo dies aufgrund der statischen Anforderungen sinnvoll ist, arbeiten wir auch mit Anbietern von Betonschächten zusammen“, erläutert Mario Hopfgartner. Insbesondere, wenn es sich um mit Kunststoff ausgekleidete Schächte handelt, bestehe die Herausforderung darin, Lösungen für die Anbindung der Rohrleitungen zu konzipieren und umzusetzen, die einen durchgehenden Korrosionsschutz des Gesamtsystems gewährleisten.

„Bei solchen Projekten ist es besonders wichtig, schon in der Planungsphase eng mit dem Schachthersteller zusammenzuarbeiten, und das hat bei diesem Projekt super funktioniert“, lobt Mario Hopfgartner. „Wir haben in der Planungsphase auf der gleichen CAD-Basis gearbeitet, die Dateien hin- und hergeschickt und haben so die Fügungen und Durchdringungen der Kunststoffleitungen durch die Betonbehälter bis ins Detail im engen Austausch gemeinsam entwickelt und umgesetzt“, ergänzt Joachim Strack. Das habe sich im Ergebnis auf der Baustelle ausgezahlt. Wichtig sei das Zusammenspiel zwischen Tiefbau, Rohrleitungsbau und Schachthersteller. „Alle drei müssen im Sinne des Projekterfolges Zug um Zug und Hand in Hand zusammenarbeiten, und das hat auf dieser Baustelle bemerkenswert unkompliziert und gut funktioniert“, betont Mario Hopfgartner.

Mit dem Ergebnis der bisherigen Arbeiten zufrieden: Für den Bauherrn Sven Kunz, für den Schachthersteller Joachim Strack, für das Bauunternehmen Andreas Knobel und für die Weinstetter Entsorgungsgesellschaft als Betreiber der Deponie Betriebsleiter Hans-Ulrich Dreher (v.l.). | Foto: B_I/zu Eulenburg
Mit dem Ergebnis der bisherigen Arbeiten zufrieden: Für den Bauherrn Sven Kunz, für den Schachthersteller Joachim Strack, für das Bauunternehmen Andreas Knobel und für die Weinstetter Entsorgungsgesellschaft als Betreiber der Deponie Betriebsleiter Hans-Ulrich Dreher (v.l.). | Foto: B_I/zu Eulenburg

Neues Marktsegment? Betonschächte mit Kunststoff-Auskleidung im Deponiebau

Für Beton Müller war dies der erste Auftrag aus dem Deponiebereich. „Großschächte mit 2,50 und 3,50 Metern Durchmesser komplett auszukleiden und damit eine Deponielösung zu bieten, das war für uns technologisch etwas Neues“, so Joachim Strack. Neben der kompletten Auskleidung inklusive der Schachtböden im Werk wurden auf der Baustelle die Fugen verschweißt. „Unter dem Strich konnten wir hier unterschiedliche Technologien, die wir beherrschen, hier in diesen Bauwerken zusammenführen.“ Auch Mario Hopfgartner sieht hierin eine interessante Perspektive im Deponiebau. Hier seien mit zum Teil sehr tiefen Schächten und erhöhten Temperaturen für Kunststoffschächte oftmals herausfordernde Randbedingungen gegeben. In der Kombination aus einem statisch stabilen und temperaturresistenten Betonschacht mit einem Korrosionsschutz in Form einer Innenauskleidung aus PE sieht er eine perfekte Kombination, „wenn sie von den Beteiligten technisch und qualitativ richtig umgesetzt wird.“

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