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Kanalbau und -betrieb/

Digitales Ratten-Monitoring im Kanal: So werden die neuen Giftköder-Auflagen erfüllt

Köderschutzboxen

Digitale Vernetzung gegen die Ratten

29.07.2026, 00:00
KIEL
Digitales Ratten-Monitoring im Kanal: So werden die neuen Giftköder-Auflagen erfüllt
Ratten finden in der Abwasserkanalisation gute Lebensbedingungen vor. Je wärmer das Klima wird, desto stärker vermehren sich die Tiere. | Foto: Adobe Stock / Bilal

Mildere Winter und Starkregen beschleunigen die Ausbreitung von Ratten im urbanen Raum. Gleichzeitig schränken novellierte gesetzliche Vorgaben den Einsatz von Giftködern stark ein. Kommunen und Betreiber kritischer Infrastrukturen setzen daher verstärkt auf sensorbasiertes, digitales Ratten-Monitoring mit Hilfe von vernetzten Köderschutzboxen zur gezielten und gesetzeskonformen Bekämpfung.

Wärmeres Klima lässt Rattenpopulation wachsen: Veränderte Umweltbedingungen wie milde Winter und stärkere Regenfälle schaffen verlängerte Fortpflanzungszyklen in Städten, und natürlich auch in kleineren Kommunen. Häufige Starkregenereignisse führen zudem zu Überflutungen im Kanalnetz, wodurch die Tiere verstärkt an die Oberfläche drängen. Dies betrifft sowohl Wohngebiete als auch die Infrastruktur von Industriearealen.

Parallel dazu schränkt der Gesetzgeber den Einsatz klassischer Bekämpfungsmittel streng ein. Eine präventive Dauerbeköderung mit Rodentiziden ist untersagt. Gifte dürfen nur noch bei nachgewiesenem Befall eingesetzt werden. Im Kanalbereich sowie in Gewässernähe sind zudem geschlossene Köderschutzboxen zwingend vorgeschrieben.

Köderschutzbox am Kanalauslauf: Der Einsatz solcher Systeme verhindert, dass Giftstoffe ins Wasser gelangen und schützt so die Umwelt. | Foto: ball b/Michael Meyer
Köderschutzbox am Kanalauslauf: Der Einsatz solcher Systeme verhindert, dass Giftstoffe ins Wasser gelangen und schützt so die Umwelt. | Foto: ball b/Michael Meyer

Kanalisation Rattenbekämpfung: Befall zeitnah lokalisieren und Gifteinsatz minimieren

Um diesen rechtlichen und ökologischen Vorgaben zu entsprechen, rückt die genaue Lokalisierung von Nestern im Untergrund in den Fokus. Das systematische Erfassen der Populationen bildet die Grundlage für eine zielgerichtete Rattenbekämpfung. Ohne eine datengestützte Überwachung lassen sich stark wachsende Rattenpopulationen kaum noch kontrollieren.

Sensorbasierte Systeme ermöglichen hierbei eine lückenlose Kontrolle sowohl im Kanalsystem als auch oberirdisch. Durch die Kombination aus mechanischem Schutz und elektronischer Erfassung lässt sich der Einsatz chemischer Mittel auf das gesetzlich geforderte Minimum reduzieren.

Wichtige Änderungen bei der Rattenbekämpfung seit 2026

Stark eingeschränkte Bedingungen für den Einsatz von Rattengift:

· Anlassbezogene Bekämpfung: Giftköder dürfen nur eingesetzt werden, wenn ein nachgewiesener Schädlingsbefall vorliegt.

· Präventive, „befallsunabhängige“ Dauerbeköderung ist verboten.

· Köderschutzboxen-Pflicht: In Kanalisation- und Wassernähe müssen Giftköder in geschlossenen Köderschutzstationen eingesetzt werden, um Kontakt mit Wasser zu verhindern.

· Verwenderkategorie: Giftköder dürfen nur noch von geschulten Fachkräften und geeigneten Firmen verwendet werden. Privatpersonen sind damit in der Regel ausgeschlossen.

· Biozid-Verordnung: Seit dem 1. Juli 2026 ist eine neue Biozid-Verordnung des Umweltbundesamtes in Kraft getreten, die diese Pflichten rechtlich festlegt.

Das Umweltbundesamt will mit der Novellierung der Rechtslage zur Rattenbekämpfung die Umwelt besser schützen, also verhindern, dass Giftstoffe in Gewässer gelangen, die in Kläranlagen nicht vollständig entfernt werden können. Zudem sollen Nichtzieltiere stärker geschützt werden: Eine Reduzierung von Vergiftungen bei Wildtieren, die vergiftete Ratten jagen.

Die anlassbezogene, gezielte Bekämpfung anstelle einer Routine-Giftverteilung soll die Effektivität der Rattenbekämpfung maßgeblich steigern.

Für Kommunen ändert sich, dass sie auf Köderschutzboxen, oft mit automatischem Monitoring, umsteigen müssen. So können sie allerdings auch den Dokumentations- und Kontrollaufwand zu reduzieren. Privatpersonen dürfen eine Rattenbekämpfung nur noch mit Fachfirmen durchführen. Für diese Firmen und ihre Fachkräfte heißt das: neue Schulungs- und Dokumentationspflichten.

Vernetzte Köderschutzboxen: Kontrollaufwand senken und Dokumentationspflichten automatisieren

Integrierte Sensoren innerhalb der Köderschutzboxen registrieren Kontakte automatisch und übermitteln die Bewegungsmeldungen per Funk an eine zentrale Datenbank. Über entsprechende Web-Schnittstellen lassen sich neu entstehende Befallsschwerpunkte am Bildschirm identifizieren und sofortige Maßnahmen einleiten.

Neben der schnellen Reaktion vereinfachen die digitalen Systeme die rechtlich geforderte Lückenlosigkeit der Dokumentation. Gleichzeitig sinkt die Anzahl manueller Kontrollfahrten für das Personal von Kommunen und Netzbetreibern deutlich.

Lesen sie mehr zu Rattenbekämpfung und vernetzten Köderschutzboxen:

Quelle: Ball-b


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