Newsletter abonnieren

Wir graben für Sie nach Neuigkeiten. Die Ergebnisse gibt es bei uns im Newsletter.

Wir graben für Sie nach Neuigkeiten. Die Ergebnisse gibt es bei uns im Newsletter.

Newsletter Anmeldung
B_Iumweltbau

Aachener Akteure treiben Mehrfachnutzung von Abwasser voran

Die Wasserwirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Verschärfte gesetzliche Anforderungen, steigende Erwartungen an den Gewässerschutz und zunehmende regionale Wasserknappheit erfordern neue technologische Ansätze. Gleichzeitig stoßen bestehende zentrale Abwasserinfrastrukturen hinsichtlich Kapazität, Energiebedarf und der Entfernung von Mikroschadstoffen an ihre Grenzen.

AIX-Net-WWR: Abwasserrecycling & Wasserwiederverwendung im Quartier (Aachen)
Demonstrator an seinem Aufstellort am PIA Prüfinstitut für Abwassertechnik GmbH | Foto: Intewa

Das AIX-Net-WWR – Aachen Network for Waste Water Reuse verfolgt daher das Ziel, modulare semi-dezentrale Systeme zur Abwasserwiederverwendung zu entwickeln, lokale Wasser- und Energiekreisläufe zu schließen und gleichzeitig die Anforderungen an die Wasserqualität für Einleitung (EU-Kommunalabwasserrichtlinie KARL) bzw. Wiederverwendung (z.B. EU-Richtlinie 2006/7/EG für Badegewässer, EU-Verordnung 2020/741 und DWA-M1200 für Bewässerung) zuverlässig zu erfüllen.

Semi-dezentrale Systeme verbinden mehrere Gebäude mit einer gemeinsamen Aufbereitungsanlage auf Quartiersebene. Durch die räumliche Nähe von Abwasseranfall, -behandlung und -nutzung lassen sich Wasser, Wärme und Wertstoffe direkt vor Ort zurückgewinnen bzw. nutzen. Zudem können zentrale Kläranlagen entlastet werden und die Resilienz der Wasserinfrastruktur erhöht werden.

Ein besonderes Anliegen des Netzwerkes mit der neuen Technologie ist es, nach Möglichkeit die lokalen Ver- und Entsorger als zukünftige Betreiber der Anlagen mit einzubinden. Mit diesem Ansatz kann vermieden werden, dass die neue Abwasserwiederverwendungs-Technologie als Wettbewerb zur bestehenden Infrastruktur gesehen wird. Dies trägt wiederum zur Sicherstellung der Finanzierung des Versorgungsauftrages der Kommunen bei.

Dezentrale Wasserversorgungsanlagen erhöhen zudem die Krisenresilienz der kritischen Infrastruktur, weil sie Abhängigkeiten von zentralen Netzen und einzelnen Ausfallpunkten reduzieren. Bei Stromausfällen, Leitungsbrüchen oder Sabotage bleiben lokale Versorgungseinheiten funktionsfähig und können die Grundversorgung schneller aufrechterhalten oder wiederherstellen. Gleichzeitig ermöglichen sie eine flexible Skalierung und Redundanz, sodass Regionen auch bei großflächigen Störungen stabiler und handlungsfähiger bleiben.

Die Systeme sind darauf ausgelegt:

  • häusliches Abwasser für die Wiederverwendung aufzubereiten,
  • ganze Quartiere – Neubau oder Bestand – zu versorgen,
  • den gesamten Abwasserstrom für die Wiederverwendung nutzbar zu machen,
  • Wärmeenergie zurückzugewinnen,
  • die bereits vorhandenen Abwasserleitungen zu nutzen,
  • lokale Ver- und Entsorger als Betreiber einzubinden,
  • durch Standardisierung wirtschaftlich betrieben zu werden und
  • die Krisenresilienz der kritischen Infrastruktur zu verbessern.

Auslegung:

  • 20 m³/d (≈134 EW) – Typ 20 (Demonstrator)
  • 80 m³/d (≈500 EW) – Typ 80
  • Weitere modulare Skalierungen bis 1000 EW möglich

AIX-Net-WWR – Das Netzwerk

AIX-Net-WWR vereint 11 Unternehmen, ein Start-Up und fünf Forschungseinrichtungen, unterstützt von über 30 assoziierten Partnern wie Industrieunternehmen, Wasserver- und -entsorgern, aber auch von weiteren Organisationen aus der Bau- und Umweltbranche. Das Bündnis ist offen für weitere assoziierte Partner, die das Projekt aktiv unterstützen wollen. Dabei ist es das gemeinsame Ziel, AIX-Net-WWR weltweit zu einem führenden Netzwerk für die Wasserwiederverwendung zu machen und Abwasser ein neues Leben zu verleihen.

Ziele für Einsatzgebiete semi-dezentraler Systeme

Ein wesentlicher Vorteil der AIX-Net-WWR-Systeme ist die Möglichkeit, unterschiedliche Wasserqualitäten abhängig vom lokalen Bedarf bereitzustellen. Insgesamt werden vier Anwendungsszenarien betrachtet, die auch kombinativ betrieben werden können.

Szenario 1 – Einleitung nach KARL

Einleitung von Abwasser in ein aufnehmendes Gewässer gemäß KARL (KI generiert) | Foto: Intewa
Einleitung von Abwasser in ein aufnehmendes Gewässer gemäß KARL (KI generiert) | Foto: Intewa

Wie laut KARL gefordert wird für Regionen ohne akute Wasserknappheit sowie ohne Anschlussmöglichkeit an eine kommunale Kläranlage Abwasser entsprechend der 4. Reinigungsstufe aufbereitet.

Rohrpost abonnieren!

Wir graben für Sie nach Neuigkeiten. Die Ergebnisse gibt es bei uns im Newsletter.

Jetzt anmelden!

Ich akzeptiere die Datenschutz-Bestimmungen.
Newsletter Anmeldung
Newsletter Anmeldung

Szenario 2 – Wiederverwendung als Bewässerungswasser

Wiederverwendung von Bewässerungswasser (KI generiert) | Foto: Intewa
Wiederverwendung von Bewässerungswasser (KI generiert) | Foto: Intewa

Für Gebiete mit lokalem Wassermangel, aber bestehender Trinkwasserversorgung, wird für die landwirtschaftliche Bewässerung eine Qualität der Klasse A gemäß EU-Verordnung 2020/741 erreicht.

Szenario 3 – Wiederverwendung als Betriebswasser

Wasserwiederverwendung als Betriebswasser (KI generiert) | Foto: Intewa
Wasserwiederverwendung als Betriebswasser (KI generiert) | Foto: Intewa

Bei einer bestehenden Wasserknappheit wird das Wasser für die Nutzung zum Beispiel in der Toilettenspülung oder in Waschmaschinen zu Betriebswasserqualität nach NSF/ANSI 350-2014 Class C aufbereitet. Diese Anwendung ist ausschließlich im Neubau realisierbar.

1
2
3

Jetzt Ausschreibungen finden

Wählen Sie eine Leistungsart, die Sie interessiert.

Bauleistungen
Bauleistungen

Bau

Dienstleistungen
Dienstleistungen

Dienst­leistung

Lieferleistungen
Lieferleistungen

Lieferung

Jetzt Ausschreibungen finden

Wählen Sie passende Bundesländer aus.

Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

Szenario 4 – Wiederverwendung als Trinkwasser

Wiederverwendung als Trinkwasser (KI generiert) | Foto: Intewa
Wiederverwendung als Trinkwasser (KI generiert) | Foto: Intewa

Für Regionen mit ausgeprägter Wasserknappheit wird das Abwasser in einer mehrstufigen Prozesskette bis zur Trinkwasserqualität nach Trinkwasserverordnung aufbereitet. Ein solches System kann sowohl im Neubau als auch im Bestand eingesetzt werden.

Weiterlesen:

Die Verbundvorhaben: Fortschritt und aktueller Stand

Die fünf Verbundvorhaben bilden die technologische Basis des Gesamtsystems bestehend aus Membranbioreaktor mit Pulveraktivkohledosierung, biohybridem Adsorbergranulat, nicht-thermischer Plasmaoxidation, Nanofiltration und fließkapazitiver Deionisierung, verknüpft durch innovative Steuerung- und Überwachungskonzepte zur Sicherstellung der Wasserqualität.

Überblick der fünf Verbundvorhaben aus AIX-Net-WWR: AIX-WWR, AIX-Solved, AIX-OXI, AIX-Watch und AIX-Dezi | Foto: Intewa
Überblick der fünf Verbundvorhaben aus AIX-Net-WWR: AIX-WWR, AIX-Solved, AIX-OXI, AIX-Watch und AIX-Dezi | Foto: Intewa

AIX-WWR – Entwicklung des Aufbereitungssystems

In AIX-WWR wird ein Demonstrator zur Aufbereitung von 20 m³/d häuslichem Abwasser entwickelt. Das Abwasser wird aus einem Vorlagebehälter zudosiert und zunächst in einem Siebrechen mit 1 mm Sieblochweite vorbehandelt. Danach fließt es in den Membranbioreaktor, der aus Selektor, Denitrifikation, Nitrifikation und Ultrafiltration (UF) besteht. Der Selektor dient der Förderung von flockenbildenden und der Hemmung fadenförmiger Mikroorganismen, um die biologische Abbauleistung zu optimieren. Um das Ziel von 80%-iger Spurenstoffentfernung zu erreichen, wird Pulveraktivkohle in den Bioreaktor dosiert, bevor das Abwasser durch eine UF-Membran mit 0,02 µm Porengröße filtriert wird. Durch diese Aufbereitung wird erwartet, dass das Permeat die Anforderungen, inkl. der Elimination von Spurenstoffen laut KARL, erfüllt. Die Inbetriebnahme des Demonstrators ist für Februar 2026 geplant.
Fließschema mit Darstellung unterschiedlicher Wasserqualitäten | Foto: Intewa
Fließschema mit Darstellung unterschiedlicher Wasserqualitäten | Foto: Intewa

AIX-Solved– Biohybrides Adsorbergranulat

In AIX-Solved entsteht ein biofunktionalisiertes Adsorbergranulat, mit dem Ziel, Spurenstoffe und Schwermetalle wie beispielsweise Kupfer, Zink und Chrom zu entfernen. Das biofunktionalisierte Granulat besteht aus einem anorganischen Trägermaterial, auf welchem mithilfe von Ankerpeptiden Enzyme aufgebracht sind. Die Enzyme werden aus Pflanzen hergestellt und anschließend auf dem Granulat mit einem Ankerpeptid fixiert. Die Materialien wurden bereits charakterisiert und geeignete Enzyme und Peptide wurden ausgewählt. Um das Granulat im Realbetrieb zu testen, wurde ein Prototyp eines Batch-Reaktors gebaut. Dieser wird im Jahr 2026 im Demonstrator eingebaut.
Darstellung des Aufbaus des bio-funktionalisierten Adsorbergranulats | Foto: Intewa
Darstellung des Aufbaus des bio-funktionalisierten Adsorbergranulats | Foto: Intewa
Darstellung des Hybridfilters | Foto: Intewa
Darstellung des Hybridfilters | Foto: Intewa

AIX-OXI – Nicht-thermische Plasmaoxidation

In AIX-OXI wird ein nicht-thermischer Plasmaprozess (NTP), der reaktive Spezies wie OH-Radikale, Wasserstoffperoxid und Ozon zum Spurenstoffabbau und zur Entkeimung generiert. Der Prozess basiert auf einer dielektrischen Barrierenentladung. Mit einer neuartigen, perforierten Elektrode wird das Plasmagas feinblasig in das Wasser eingeleitet. Ein 12-Liter-Laborpilot wurde bereits getestet und erste Abbauversuche waren erfolgreich. Darauf aufbauend werden zwei Prototypen mit je 10 m³/d entwickelt, die jeweils im semi- und im kontinuierlichen Betrieb gefahren werden. Beide Prototypen werden in den AIX-WWR-Demonstrator integriert, um einen Teilstrom aufzubereiten.
NTP-Laborpilot im Betrieb | Foto: Intewa
NTP-Laborpilot im Betrieb | Foto: Intewa

AIX-Watch – Monitoring und Validierung

In AIX-Watch stehen die Überwachung der Wasserqualität sowie Entwicklung einer neuartigen Fluoreszenzsonde im Fokus. Die Fluoreszenzsonde soll eine sensitivere Online-Analytik als herkömmliche UV-ViS-Sonden für Summenparameter wie den DOC ermöglichen. Unter anderem dient ein ColiMinder für die mikrobiologische Online-Analytik, während mithilfe speziell ausgestatteter, automatischer Probenehmer Standardparameter wie TOC, CSB, BSB, NO₃-N und NO₂-N online erfasst werden können und bei Auffälligkeiten entsprechende Rückstellproben gebildet werden können. Ein Ziel ist es, Korrelationen zwischen Standardparametern und den Daten der Online-Sonden zu detektieren, um den Aufwand für manuelle Laboranalytik zu reduzieren und somit eine kostengünstige, kontinuierliche Online-Überwachung der Wasserqualität zu gewährleisten. Durch die Einbindung aller Messdaten aus dem Demonstrator in eine Cloud-Applikation soll das Gesamtsystem auch von der Ferne aus überwacht werden können. Die Integration aller in AIX-Watch betrachteten Systeme in den Demonstrator erfolgt 2026.
ColiMinder für Online-Analytik (E. coli, Enterokkoken, Coliform, Gesamtaktivität) | Foto: Intewa
ColiMinder für Online-Analytik (E. coli, Enterokkoken, Coliform, Gesamtaktivität) | Foto: Intewa
Automatische Probenahmestation | Foto: Intewa
Automatische Probenahmestation | Foto: Intewa

AIX-Dezi – Nanofiltration und fließkapazitive Deionisierung

AIX-Dezi befasst sich mit der Behandlung industrieller Abwässer, insbesondere der Entsalzung von Brack- und Meerwasser sowie der Entfernung von per- und polyfluorierten Verbindungen (PFAS). Die fließkapazitive Deionisierung (engl. Flowelectrode Capacitive Deionisation, FCDI) wird zur Entsalzung eingesetzt. Parallel werden UF-Membranen mittels Layer-by-Layer-Beschichtung zu Nanofiltrationsmembranen (NF) funktionalisiert, wodurch die Porengröße und Ladung der Membran an unterschiedliche Wässer eingestellt werden kann. Experimentell wurde bereits die effiziente PFAS-Abtrennung aus Deponiesickerwasser mit Realwässern nachgewiesen

Darstellung einer FCDI-Zelle | Foto: Intewa
Darstellung einer FCDI-Zelle | Foto: Intewa

Im weiteren Projektfortschritt werden die Technologien hochskaliert, die Einsatzmöglichkeiten mit Realwässern untersucht und auch die Verschaltung der Technologien untereinander sowie im Zusammenspiel des AIX-Net-Verfahrens untersucht.

Darstellung der der Layer-by-Layer-beschichteten NF-Membranen | Foto: Intewa
Darstellung der der Layer-by-Layer-beschichteten NF-Membranen | Foto: Intewa

Vision und Ausblick

Um eine wirtschaftliche Systembaureihe für semi-dezentrale Systeme zu entwickeln, wird eine Serienfertigung der modularen Einzeltechnologien angestrebt. Zusätzlich werden Betreibermodelle für die Einbindung der Ver- und Entsorger ausgearbeitet.

Quelle: Intewa

Neueste Beiträge:

Weitere Beiträge

Verwandte Bau-Stichworte:


Aktuelle Termine für unterirdische Infrastruktur

Anzeige

24.02.2026 - 25.02.2026

Göttinger Abwassertage 2026

Jetzt zum Newsletter anmelden:

Leitungsbau, Kanalsanierung, Abwasser – erfahren Sie das wichtigste rund ums Thema unterirdische Infrastruktur.