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Alleen schützen & erhalten: Hilft ein Alleenfonds?

Alleen schützen & erhalten: Hilft ein Alleenfonds?
Ihr dichtes Kronendach formt einen grünen Tunnel, der förmlich zum Hineinspazieren einlädt: eine Allee im niedersächsischen Norden-Leybuchtpolder. | Foto: Magdalene Kreckel-Froebel

Sie spenden Schatten, sind ökologisch wertvoll und hübsch anzuschauen: Alleen schlängeln sich auf rund 20.000 Kilometern quer durch Deutschland. Doch Straßenverkehr, Bebauung, mangelnde Pflege oder fehlende Nachpflanzungen gefährden das Natur- und Kulturgut. Wie lassen sich die prächtigen Baumreihen schützen?


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Es geht um Bäume, die über 100 Jahre alt sind, manche bringen es sogar auf bis zu 250 Jahre. Die meisten Alleen stammen aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert. Hochkonjunktur hatte der Trend zur baumgesäumten Straße seinerzeit an neuen Chausseen in Preußen. Zunächst waren es oft Pappeln, später vor allem Eichen, Linden und Ulmen, die Herzöge und Gutsbesitzer pflanzen ließen. Reisende nutzten Alleen damals zur Orientierung, erläutert Katharina Dujesiefken, Referentin für Baum- und Alleenschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Mecklenburg-Vorpommern. Gerade im Winter und bei Nacht ließ sich so in der Postkutschenzeit der Weg besser finden. Und auch als Wetterschutz, Wegproviant, Tierfutter oder Brennholz dienten die Bäume.

Wo es in Deutschland viele Alleen gibt – und wo weniger

Alleen verbinden noch heute Biotope miteinander und bieten Tieren einen wichtigen Lebensraum, unterstreicht Dujesiefken. Sie war jetzt auf Einladung des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB) und des Bundes deutscher Baumschulen Schleswig-Holstein bei einem Parlamentarischen Abend im Landeshaus in Kiel zu Gast. Dort sprach die Agraringenieurin über Alleen als Kulturgut – und wie sich dieses schützen lässt. Denn nach dem goldenen Zeitalter der baumgesäumten Straßen ist ein erheblicher Teil der Bäume entlang der Wege in Deutschland und ganz Europa – in manchen Regionen bis zu 90 Prozent – verschwunden. Mit wachsender Verkehrsdichte in den 1960er und 1970er Jahren gerieten die positiven Seiten der Alleen immer stärker in den Hintergrund. Allein von 2006 bis jetzt sind die Alleen-Kilometer bundesweit von 27.500 auf besagte 20.000 geschrumpft.

Gerade im Westen Deutschlands mussten nach dem Zweiten Weltkrieg viele Bäume breiteren Fahrbahnen weichen. In den neuen Bundesländern finden sich dagegen noch weitaus mehr Alleen. Zudem gibt es in Deutschland ein Nord-Süd-Gefälle: Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland haben weniger Alleen. Über das dichteste Alleennetz verfügt nach BUND-Angaben Brandenburg. Danach folgt Mecklenburg-Vorpommern – das Bundesland hat zum Schutz der Alleen im Bundesvergleich umfangreiche naturschutzrechtliche Regelungen erlassen. Sie sind in Mecklenburg-Vorpommern an öffentlichen und privaten Wegen durch die Landesverfassung und das Naturschutzgesetz geschützt. Ansonsten ist der Schutz der Alleen im Bundesnaturschutzgesetz festgeschrieben.

Alleenfonds in Mecklenburg-Vorpommern als Vorbild?

Katharina Dujesiefken, Referentin für Baum- und Alleenschutz beim BUND Mecklenburg-Vorpommern. | Foto: B_I MEDIEN/Budde
Katharina Dujesiefken, Referentin für Baum- und Alleenschutz beim BUND Mecklenburg-Vorpommern. | Foto: B_I MEDIEN/Budde

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zudem einen Fonds, der zum Erhalt der Alleen beitragen soll. Laut Katharina Dujesiefken fließen dort jährlich 300.000 Euro hinein. Nach ihren Worten enthält der Alleenfonds rund sieben Millionen Euro. Daraus werde Baumpflege finanziert. „Und in erster Linie sollen Pflanzungen finanziert werden", sagt sie. Für jede Fällung ist nach ihrer Darstellung mindestens eine Pflanzung vorgesehen. Kompensation darüber hinaus ist durch eine Einzahlung in den Fonds möglich. Deren Höhe müsse sich am Markt orientieren. Dujesiefken betonte, dass eine Fondslösung ein gutes Management erfordere. Geld allein reiche nicht, es brauche Menschen, die sich für den Alleenschutz einsetzen.

Ihre Ausführungen stießen auf der Veranstaltung in Kiel auf offene Ohren. In Schleswig-Holstein gehören Alleen zu den gesetzlich geschützten Biotopen. Einen Fonds wie im benachbarten Bundesland gibt es aber nicht. Doch beim Parlamentarischen Abend mit rund 70 Gästen herrschte durchaus Interesse an dem Konstrukt. „Alleen sind vielfach bedroht in ihrem Bestand“, sagte Dr. Frank Schoppa vom BdB Schleswig-Holstein. Hitze und Wassermangel machen ihnen zu schaffen – sie werden angreifbarer für Schädlinge.

Doch Geldquellen zu finden, stelle sich immer wieder als problematisch heraus, schilderte der Forstwirt. Nach seiner Ansicht sollte in Schleswig-Holstein im ersten Schritt nach Politikern gesucht werden, die sich für das Thema stark machen. Im zweiten Schritt ließe sich dann eventuell ein Alleenfonds wie in Mecklenburg-Vorpommern anpacken. Die Baumpflege werde doch allzu oft vernachlässigt.

Warum alte Bäume so schützenswert sind

Zur Verdeutlichung zitierte Schoppa eine Rechnung des Forstwissenschaftlers Professor Dr. Andreas Roloff: Demnach braucht es etwa 400 Jungbäume, um die Wirkungen eines Altbaumes mit einem Kronendurchmesser von etwa 20 Metern hinsichtlich seiner Umweltleistungen wie Luftfilterung, Beschattung, Kühlung und CO2-Speicherung zu ersetzen.

Ob der Appell in der Politik tatsächlich ankommt? Katja Günther, Staatssekretärin im Kieler Umweltministerium, betonte an dem Abend den biologischen und kulturellen Wert von Alleen. Schleswig-Holstein sei stolz auf seine immerhin rund 500 Allee-Kilometer. Dennoch müssten Bäume viel erleiden, ob nun Streusalz, Abgase oder Verletzung des Wurzelwerks bei Bauarbeiten. Es brauche eine Alleen-Bestandsanalyse. Und mehr Menschen, die sich kümmern.

Gedeiht die grüne Branche?

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Alleen: Finanzielle Belastung für Gemeinden

Podiumsdiskussion über Alleen im Landeshaus in Kiel: Holger Gerth (von links), Vizepräsident des SHHB, Katja Günther, Staatssekretärin im Umweltministerium Schleswig-Holstein, Katharina Dujesiefken, Alleenverantwortliche beim BUND Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Frank Schoppa vom Bund deutscher Baumschulen Schleswig-Holstein und Philipp Frank, Bürgermeister der Gemeinde Seedorf. | Foto: B_I MEDIEN/Budde
Podiumsdiskussion über Alleen im Landeshaus in Kiel: Holger Gerth (von links), Vizepräsident des SHHB, Katja Günther, Staatssekretärin im Umweltministerium Schleswig-Holstein, Katharina Dujesiefken, Alleenverantwortliche beim BUND Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Frank Schoppa vom Bund deutscher Baumschulen Schleswig-Holstein und Philipp Frank, Bürgermeister der Gemeinde Seedorf. | Foto: B_I MEDIEN/Budde
Und Finanzmittel braucht es ebenfalls. Denn dass der Erhalt von Alleen ins Geld geht, ist kein Geheimnis. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald nennt etwa die kontinuierliche Prüfung der Standsicherheit von Bäumen sowie Verkehrssicherheitsmaßnahmen. Dies bedeute Kosten für Bund, Länder und Kommunen. „Ja, Alleen sind Fluch und Segen zugleich“, räumte Philipp Frank, Bürgermeister der Gemeinde Seedorf, auf der Veranstaltung im Kieler Landeshaus ein. In seinem Ort befindet sich die imposante Hornsdorfer Allee, die etwa 1,7 Kilometer lang ist. Von einer Förderung durch einen Fonds wäre Frank nicht abgeneigt. Denn die Kosten für Pflege, Neuanpflanzungen oder Gutachten summierten sich schnell auf tausende Euro. Eine Allee sei ein wunderbares Biotop, doch die Kosten stellten für eine kleine Gemeinde dann doch eine finanzielle Belastung dar.

Wer jedoch Baumschutz nicht ernst nehme, etwa auf der Baustelle, müsse mit saftigen Strafen rechnen, warnte Katharina Dujesiefken. Dort herrsche unter den Beteiligten oft wenig Begeisterung, wenn Baumgutachter auftauchten. Wer sich aber an die geltenden Regeln halte, erspare sich nicht nur Ärger, sondern helfe auch den Bäumen.

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