Rettung für grüne Riesen
Warum Deutschlands alte Alleen unersetzbar sind

Sie spenden Schatten, sind ökologisch wertvoll und hübsch anzuschauen: Alleen schlängeln sich auf rund 20.000 Kilometern quer durch Deutschland. Doch Straßenverkehr, Bebauung, mangelnde Pflege oder fehlende Nachpflanzungen gefährden das Natur- und Kulturgut. Wie lassen sich die prächtigen Baumreihen schützen?

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Wo es in Deutschland viele Alleen gibt – und wo weniger
Alleen verbinden noch heute Biotope miteinander und bieten Tieren einen wichtigen Lebensraum, unterstreicht Dujesiefken. Sie war jetzt auf Einladung des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB) und des Bundes deutscher Baumschulen Schleswig-Holstein bei einem Parlamentarischen Abend im Landeshaus in Kiel zu Gast. Dort sprach die Agraringenieurin über Alleen als Kulturgut – und wie sich dieses schützen lässt. Denn nach dem goldenen Zeitalter der baumgesäumten Straßen ist ein erheblicher Teil der Bäume entlang der Wege in Deutschland und ganz Europa – in manchen Regionen bis zu 90 Prozent – verschwunden. Mit wachsender Verkehrsdichte in den 1960er und 1970er Jahren gerieten die positiven Seiten der Alleen immer stärker in den Hintergrund. Allein von 2006 bis jetzt sind die Alleen-Kilometer bundesweit von 27.500 auf besagte 20.000 geschrumpft.
Gerade im Westen Deutschlands mussten nach dem Zweiten Weltkrieg viele Bäume breiteren Fahrbahnen weichen. In den neuen Bundesländern finden sich dagegen noch weitaus mehr Alleen. Zudem gibt es in Deutschland ein Nord-Süd-Gefälle: Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland haben weniger Alleen. Über das dichteste Alleennetz verfügt nach BUND-Angaben Brandenburg. Danach folgt Mecklenburg-Vorpommern – das Bundesland hat zum Schutz der Alleen im Bundesvergleich umfangreiche naturschutzrechtliche Regelungen erlassen. Sie sind in Mecklenburg-Vorpommern an öffentlichen und privaten Wegen durch die Landesverfassung und das Naturschutzgesetz geschützt. Ansonsten ist der Schutz der Alleen im Bundesnaturschutzgesetz festgeschrieben.
Alleenfonds in Mecklenburg-Vorpommern als Vorbild?

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zudem einen Fonds, der zum Erhalt der Alleen beitragen soll. Laut Katharina Dujesiefken fließen dort jährlich 300.000 Euro hinein. Nach ihren Worten enthält der Alleenfonds rund sieben Millionen Euro. Daraus werde Baumpflege finanziert. „Und in erster Linie sollen Pflanzungen finanziert werden", sagt sie. Für jede Fällung ist nach ihrer Darstellung mindestens eine Pflanzung vorgesehen. Kompensation darüber hinaus ist durch eine Einzahlung in den Fonds möglich. Deren Höhe müsse sich am Markt orientieren. Dujesiefken betonte, dass eine Fondslösung ein gutes Management erfordere. Geld allein reiche nicht, es brauche Menschen, die sich für den Alleenschutz einsetzen.
Ihre Ausführungen stießen auf der Veranstaltung in Kiel auf offene Ohren. In Schleswig-Holstein gehören Alleen zu den gesetzlich geschützten Biotopen. Einen Fonds wie im benachbarten Bundesland gibt es aber nicht. Doch beim Parlamentarischen Abend mit rund 70 Gästen herrschte durchaus Interesse an dem Konstrukt. „Alleen sind vielfach bedroht in ihrem Bestand“, sagte Dr. Frank Schoppa vom BdB Schleswig-Holstein. Hitze und Wassermangel machen ihnen zu schaffen – sie werden angreifbarer für Schädlinge.
Doch Geldquellen zu finden, stelle sich immer wieder als problematisch heraus, schilderte der Forstwirt. Nach seiner Ansicht sollte in Schleswig-Holstein im ersten Schritt nach Politikern gesucht werden, die sich für das Thema stark machen. Im zweiten Schritt ließe sich dann eventuell ein Alleenfonds wie in Mecklenburg-Vorpommern anpacken. Die Baumpflege werde doch allzu oft vernachlässigt.
Warum alte Bäume so schützenswert sind
Zur Verdeutlichung zitierte Schoppa eine Rechnung des Forstwissenschaftlers Professor Dr. Andreas Roloff: Demnach braucht es etwa 400 Jungbäume, um die Wirkungen eines Altbaumes mit einem Kronendurchmesser von etwa 20 Metern hinsichtlich seiner Umweltleistungen wie Luftfilterung, Beschattung, Kühlung und CO2-Speicherung zu ersetzen.
Ob der Appell in der Politik tatsächlich ankommt? Katja Günther, Staatssekretärin im Kieler Umweltministerium, betonte an dem Abend den biologischen und kulturellen Wert von Alleen. Schleswig-Holstein sei stolz auf seine immerhin rund 500 Allee-Kilometer. Dennoch müssten Bäume viel erleiden, ob nun Streusalz, Abgase oder Verletzung des Wurzelwerks bei Bauarbeiten. Es brauche eine Alleen-Bestandsanalyse. Und mehr Menschen, die sich kümmern.
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Alleen: Finanzielle Belastung für Gemeinden

Wer jedoch Baumschutz nicht ernst nehme, etwa auf der Baustelle, müsse mit saftigen Strafen rechnen, warnte Katharina Dujesiefken. Dort herrsche unter den Beteiligten oft wenig Begeisterung, wenn Baumgutachter auftauchten. Wer sich aber an die geltenden Regeln halte, erspare sich nicht nur Ärger, sondern helfe auch den Bäumen.
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