Mecklenburg-Vorpommern
Auftragshoch ohne Umsatzschub: Tiefbau stützt die Baukonjunktur

Widersprüchliche Signale aus dem Bauhauptgewerbe in Mecklenburg-Vorpommern: Zwar wachsen die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten preisbereinigt um 12,6 Prozent, doch der reale Umsatz sinkt. Kräftige Zuwächse im Tief- und Wirtschaftsbau stehen einem tiefen Einbruch im Wohnungsbau gegenüber.
Das Bauhauptgewerbe in Mecklenburg-Vorpommern meldet eine deutliche Belebung der Nachfrage. Im Zeitraum von Januar bis Juli 2026 kletterte das Ordervolumen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nominal um 17,2 Prozent. Preisbereinigt verbleibt ein reales Auftragsplus von 12,6 Prozent, womit das Bundesland deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt liegt. Allein im Juli 2026 stiegen die Auftragseingänge im Vorjahresvergleich um 18,0 Prozent. Getragen wird dieser Zuwachs maßgeblich von Großaufträgen der öffentlichen Hand sowie Investitionen der gewerblichen Wirtschaft.
Tiefbau und Infrastrukturprojekte treiben das Wachstum
Besonders dynamisch entwickelte sich die Nachfrage im Juli im Tiefbau mit einem Zuwachs von 52,8 Prozent sowie im öffentlichen Bau mit einem Plus von 63,9 Prozent. Auch der Wirtschaftsbau legte mit 30,9 Prozent kräftig zu. Großprojekte wie der Werksausbau des Medizintechnikunternehmens Ypsomed in Schwerin oder das geplante Rechenzentrum in Dummerstorf setzen wichtige Impulse für den Standort. Aus den aktuellen Zahlen lässt sich nach Angaben des Bauverbandes Mecklenburg-Vorpommern jedoch noch keine dauerhafte Entwarnung ableiten: „Ob daraus eine dauerhaft höhere Bautätigkeit entsteht, wird sich allerdings erst in den kommenden Monaten an der Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung ablesen lassen“, so Hauptgeschäftsführer Dr. Jörn-Christoph Jansen.
Anhaltende Nachfragekrise im Wohnungsbau
Während Tiefbau und Wirtschaftsbau zweistellige Zuwächse verzeichnen, bleibt die Lage im Hoch- und Wohnungsbau angespannt. Die Auftragseingänge im Wohnungsbau brachen im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 31,2 Prozent ein. Auch der gesamte Hochbau verzeichnete mit einem Minus von 21,7 Prozent eine deutliche Zurückhaltung bei Neuinvestitionen. Die gestiegenen Baukosten und die anhaltende Unsicherheit über künftige Förderprogramme belasten die Sparte weiterhin massiv.
Realer Umsatzrückgang trotz leichtem Zuwachs
Die Umsatzerlöse der Baubetriebe spiegeln die anziehende Nachfrage bisher nur begrenzt wider, so der Verband. Zwar lag der baugewerbliche Umsatz im Juli nominal um 0,4 Prozent über dem Vorjahresmonat, in den ersten sieben Monaten des Jahres summiert sich das nominale Plus jedoch lediglich auf 1,4 Prozent. Unter Berücksichtigung der Teuerung entspricht dies einem realen Umsatzrückgang von 2,2 Prozent. Auf Spartenebene entwickelten sich die Umsätze im bisherigen Jahresverlauf gegensätzlich: Der Wirtschaftsbau legte nominal um 8,7 Prozent zu, der öffentliche Bau gab um 8,8 Prozent und der Tiefbau um 1,2 Prozent nach.
Mecklenburg-Vorpommern: Bausparten im direkten Vergleich
Bausparte | Auftragseingang Juli 2026 (nominal) | Umsatz Jan.–Juli 2026 (nominal) |
Öffentlicher Bau | +63,9 % | -8,8 % |
Tiefbau | +52,8 % | -1,2 % |
Wirtschaftsbau | +30,9 % | +8,7 % |
Hochbau gesamt | -21,7 % | +3,4 % |
Wohnungsbau | -31,2 % | +0,5 % |
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