Klimaresilientes Bauen
BDB legt neuen Zehn-Punkte-Plan für die Baupraxis vor

Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse fordert der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) ein grundlegendes Umdenken in der Bauwirtschaft. Mit einem neuen, zehn Punkte umfassenden Resilienz-Bauplan will der Verband Gebäude und Infrastrukturen fit für den Klimawandel machen.
Die jüngsten Phasen extremer Temperaturen in Deutschland und die damit einhergehende Überlastung von Städten sowie der Verkehrsinfrastruktur verdeutlichen laut BDB deutliche Defizite bei der Vorbereitung auf den Klimawandel. Der Verband hat deshalb einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, der auch als Forderung nach strategischer Neuausrichtung betrachtet werden kann.
Paradigmenwechsel: Resilienz statt nachträglicher Krisenreaktion
Das Ziel ist ein grundlegender Systemwechsel in der Branche: „Wir müssen weg von einer Baupolitik, die erst nach der Katastrophe reagiert“, fordert BDB-Präsident Christoph Schild. „Resilienz darf deshalb kein Zusatzthema bleiben. Sie muss zur Grundlage des Planens und Bauens werden.“
Für Bauunternehmen, Planende und ausschreibende Stellen bedeutet dies eine Abkehr von rein nachträglichen Maßnahmen hin zu einer vorausschauenden Vorsorgekultur.
Wer heute baut, saniert oder Infrastruktur plant, entscheidet über Sicherheit, Versorgung und Lebensqualität der nächsten Jahrzehnte.
Der BDB Resilienz-Bauplan: Die zehn Kernforderungen im Detail
Das Strategiepapier formuliert zehn konkrete Punkte, um die gebaute Umwelt widerstandsfähiger gegen Extremwetter, Lieferkettenprobleme und neue Bedrohungslagen zu machen:
- Risiken erkennen und vorausschauend planen: Städte und Gemeinden benötigen belastbare, standortbezogene Risikoanalysen und öffentliche Risikokarten, die auch Daten der Versicherungswirtschaft einbeziehen. Nur so lassen sich Entsiegelung, Stadtgrün und Wasserspeicherung wirksam steuern.
- Versorgung durch ausfallsichere Infrastruktur sichern: Energie-, Mobilitäts- und Wassernetze müssen bundesweit erfasst und durch redundante Strukturen wie Ringnetze, Microgrids und dezentrale PV-Anlagen mit Speichern krisenfest gemacht werden.
- Ressourcen im Bestand und Leerstand nutzen: Der BDB fordert ein öffentlich einsehbares Ressourcenkataster, verpflichtende Ökobilanzen und einen digitalen Gebäudepass, um Bauwerke als Materiallager zu begreifen.
- Regional und langlebig bauen: Die Förderung robuster Low-Tech-Konstruktionen, lokaler Baustoffe und die Ausrichtung auf lange Nutzungsdauern im Sinne einer „Um-Bauordnung“ stärken die Baukultur als Resilienzfaktor.
- Verbindliche Klimarisikoanalysen für Gebäude: Risikoanalysen müssen verbindlicher Bestandteil des Bauantrags werden – insbesondere bei sensiblen Nutzungen wie Schulen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.
- Konkrete Anpassungsstrategien früh integrieren: Auf jede Risikoanalyse muss eine planerische Anpassungsstrategie folgen, die Bauherrschaften transparent über Schutzmaßnahmen, Werterhalt und Versicherbarkeit informiert.
- Einfacher planen und bauen: Um Anpassungen zu beschleunigen, müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren vereinfacht, Bauordnungen vereinheitlicht und Abweichungen zugunsten multifunktionaler Lösungen erleichtert werden.
- Leistungen klar regeln und Honorare anpassen: Neue Planungsanforderungen wie Klimarisikoanalysen, Ökobilanzierung oder Materialberatung müssen in den Leistungsbildern eindeutig beschrieben und als besondere Leistungen angemessen vergütet werden.
- Wissen in Lehre und Ausbildung neu ausrichten: Resilienz, Lebenszyklusbetrachtung und Baustoffbeständigkeit müssen fester Bestandteil von Studium, Ausbildung und Fortbildung in Verwaltungen, Handwerk und Unternehmen werden.
- Schutzräume mitdenken und soziale Resilienz stärken: Gebäude und Quartiere müssen im Krisenfall Schutz, Versorgung und Orientierung bieten, beispielsweise durch multifunktionale Strukturen und ein öffentliches Schutzraumkataster.

Hoher fachlicher Nutzwert erfordert klare Rahmenbedingungen
Ein zentraler Hebel des Resilienz-Bauplans liegt in der optimierten Nutzung bestehender Strukturen, um Rohstoffabhängigkeiten zu minimieren. Planende, Kommunen und Bauherrschaften benötigen laut Verband verlässliche Daten und eindeutige Regeln, um Investitionen langfristig zu sichern.
„Wer heute baut, saniert oder Infrastruktur plant, entscheidet über Sicherheit, Versorgung und Lebensqualität der nächsten Jahrzehnte. Deshalb brauchen Kommunen, Planende und Bauherrschaften klare Daten, klare Regeln und klare Zuständigkeiten“, betont Schild.
Erhöhter Planungsaufwand muss wirtschaftlich tragfähig vergütet werden
Damit diese Konzepte in der Baupraxis flächendeckend ankommen, fordert die Initiative neben vereinfachten Genehmigungsverfahren auch eine wirtschaftlich tragfähige Vergütung für den erhöhten Planungsaufwand. Laut BDB-Präsident Schild ist der Verzicht auf diese Investitionen langfristig keine Option: „Resilienz erfordert Planung, Fachwissen und Investitionen. Der Verzicht darauf kostet im Ernstfall Menschenleben, Milliarden und Vertrauen in den Staat.“
Im Bau kennen wir uns aus!
Für Sie bauen wir unseren Newsletter mit den relevantesten Neuigkeiten aus der Branche. Gleich abonnieren!
Hier finden Sie Hinweise zum Datenschutz.


Die Forderung des BDB richtet sich an die Politik auf Bundes- und Ländersebene, an Kommunen und die öffentliche Verwaltung sowie die Bau- und Immobilienwirtschaft.
Lesen Sie mehr zur Arbeit des BDB:
Neueste Beiträge:
Meistgelesene Artikel
Jetzt Ausschreibungen finden
Wählen Sie eine Leistungsart, die Sie interessiert.


Bau


Dienstleistung


Lieferung
Verwandte Bau-Themen:
Top Bau-Themen:
Jetzt zum Newsletter anmelden:
Lesen Sie Nachrichten zu Bauwirtschaft und Baupolitik aus erster Hand. Plus: Hoch-, Tief- und Straßenbau.
Hier finden Sie Hinweise zum Datenschutz







