„Bündnis bezahlbarer Wohnraum"
Bauindustrie legt 10-Punkte-Plan für bezahlbaren Wohnungsbau vor

Beim Wohnungsbau besteht dringender Handlungsbedarf. Zum Auftakt-Treffen des „Bündnisses bezahlbarer Wohnraum" auf Einladung von Bundesbauministerin Klara Geywitz haben Wohnungswirtschaft und Bauindustrieverband jetzt einen 10-Punkte-Plan vorgestellt. Tenor: Nur Neubau hilft gegen Wohnungsmangel.
Gemeinsam mit dem Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW hat der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) heute in Berlin einen 10-Punkte-Plan für bezahlbaren Wohnungsbau vorgelegt. Darin sind die Rahmenbedingungen aufgelistet, die aus Sicht der Baubranche nötig sind, um schnell mehr günstigen Wohnraum in Deutschland zu schaffen. „Die Zeit drängt“, sagte HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. „Die dramatische Situation auf dem Wohnungsmarkt ist seit langem bekannt. Es ist gut, dass das Bündnis jetzt seine Arbeit aufnimmt.“ Das Bundebauministerium müsse allerdings den Fokus auf den Neubau legen. „Weder über eine reine Mietenpolitik noch über die Sanierung des Bestandes allein können wir die Wohnungsnot in den Ballungsräumen lösen“, so Müller.
Was der 10-Punkte-Plan enthält
Bauindustrie und GdW legen in dem Plan Forderungen vor, die sich im Wesentlichen auf die Erkenntnisse des „Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen“ von 2014 stützen und aus Sicht der beiden Verbände nur unzureichend umgesetzt wurden. Gefordert wird unter anderem die Aktivierung von Baulandkapazitäten, die Beschleunigung von Genehmigungsprozessen – Stichwort Digitalisierung - und die Nutzung von Building-Information-Modelling (BIM) zur Verknüpfung von Planung und Bauausführung. Zudem müssten serielle und modulare Bauweisen stärker zum Zuge kommen.
Kostentreiber Baunormen entschlacken
Ein weiterer Punkt, der nach Auffassung der Bauindustrie den Wohnungsbau beschleunigen würde, ist die Verschlankung von Normen. Der Neubau gerate aktuell in ein Spannungsfeld zwischen verstärkten klimapolitisch bedingten Vorgaben und Bezahlbarkeit. „Um Wohnraum bezahlbar zu halten, sollten bereits geplante Regulierungen auf eine Balance aus Wirksamkeit und Bezahlbarkeit hin überprüft und kostenseitige (Preis)Effekte durch gezielte Förderungen ausgeglichen werden“, heißt es in dem 10-Punkte-Plan. Nach Berechnungen der ARGE Kiel seien rund 30 Prozent der Investitionskosteigerungen im Mietwohnungsbau seit dem Jahr 2000 auf Vorgaben von Bund, Ländern und Kommunen zurückzuführen.

KfW-Förderung ausweiten
Neben einer ausreichend ausgestatteten KfW-Neubauförderung seien weitere Förderinstrumente erforderlich, die nicht nur auf Klimaschutz, sondern auch auf die Bezahlbarkeit von Wohnraum zielten, so die Verbände weiter. „Ansonsten sind die Wohnungsbau- und Klimaziele in Deutschland nicht zu erreichen“, so GdW-Präsident Axel Gadaschko. Klimaschutz im Gebäudebereich müsse zudem auf den Lebenszyklus ausgerichtet und entsprechend langfristig betrachtet werden.
Materialmangel durch mehr Recycling angehen
Außerdem ist aus Sicht der Baubranche eine neue Strategie der Rohstoffsicherung nötig. Sie sollte eine stärkere Fokussierung auf Produktionen im EU-Binnenmarkt ebenso enthalten, wie die Förderung von Recycling und Kreislaufwirtschaft am Bau. Baustoffmangel, Preisanstiege und Lieferengpässe in Folge des Ukraine-Krieges träfen die Baustellen hierzulande „mit voller Wucht“, so Müller. Öffentliche und private Investoren hielten sich deshalb zurück. Müller: „Das muss das Bündnis wissen, denn die ambitionierten Wohnungsbauziele der Bundesregierung stehen damit zumindest in Frage.“
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