Baukonjunktur
Planungsbüros erwartet nächstes Tief bereits 2030

Die deutsche Baukonjunktur dreht ins Positive, doch wie lange hält der Aufschwung? Ein neues Whitepaper analysiert die Marktzyklen bis 2040. Da Planer dem Baumarkt rund zwei Jahre vorauslaufen, steht das nächste Tief für sie bereits um 2030 an, so die Studie. Das liefert auch Baufirmen wertvolle Signale.
Grundlage der Analyse ist das Zyklenmodell des Wirtschaftsforschers Gerhard Wehner aus dem Jahr 1988. Es beschreibt Bauboom und Bauflaute als Überlagerung dreier Konjunkturwellen von rund 10 und 4 Jahren. Autor Dr.-Ing. Knut Marhold, der das Modell bereits 1992 in seiner Dissertation aufgriff, hat die Wellenmuster mit aktuellen Daten bis 2026 und mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz neu berechnet. Das Ergebnis zeigt eine bemerkenswerte Stabilität der historischen Muster über fast vier Jahrzehnte.
Die 23-Monate-Regel
Als erste Kernthese stellt das Whitepaper fest, dass Planungsbüros der Baustatistik im Durchschnitt 23 Monate vorauslaufen. Das bedeutet: Was heute im Auftragseingang der Büros verzeichnet wird, erscheint erst rund zwei Jahre später in den offiziellen Daten der Bauinvestitionen. Die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes bestätigen diese Richtung: Nach dem Anstieg der Baugenehmigungen im Jahr 2025 um 10,8 Prozent setzt sich die Erholung in den ersten fünf Monaten 2026 mit einem Plus von 15,4 Prozent fort.
Das neue Tief kommt früher als gedacht
Das Modell projiziert für den Planungsmarkt einen moderaten Aufschwung bis etwa 2029 oder 2030, der unter anderem durch das geplante Infrastruktur-Sondervermögen von 500 Milliarden Euro gestützt wird. Weil Planungsbüros dem Baumarkt jedoch vorauslaufen, ist das n ächste Tief für sie bereits um die Jahre 2030 und 2031 zu erwarten. Das Modell prognostiziert für diese Phase rein rechnerisch Rückgänge von bis zu sechs Prozent pro Jahr.

Modell kann externe Krisen nicht erfassen
Allerdings diene das Modell vor allem als analytischer Denkansatz zur strategischen Orientierung und bilde kein verbindliches Prognoseinstrument, so Marhold. Unvorhersehbare externe Schocks wie plötzliche Zinssprünge, geopolitische Krisen oder politische Sonderprogramme erfasse die mathematische Berechnung nicht. Zudem würden die Projektionen mit wachsendem Zeithorizont naturgemäß unschärfer.
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Das 2-von-4-Frühwarnsystem
Um nicht unvorbereitet in das nächste Tief zu steuern, empfiehlt das Whitepaper den Planungdbüros ein eigenes, einfaches Frühwarnsystem auf Basis von vier Kennzahlen. Dazu gehören regionale Baugenehmigungen und neu vergebene Wohnungsbaukredite als externe Faktoren sowie das eigene Anfragevolumen und die Stornoquote laufender Projekte als interne Indikatoren. Die „2-von-4-Regel“ besagt: Sobald zwei dieser Indikatoren gleichzeitig negativ drehen, besteht Handlungsbedarf. Dies sichere Inhabern einen Vorsprung von sechs bis 18 Monaten.
Frühe Signale für ausführende Baufirmen
Von disen Erkenntnissen können auch ausführende Bauunternehmen profitieren. Für sie verschiebt sich der kommende Abschwung entsprechend der 23-Monate-Regel. Während die Planer voraussichtlich ab 2030 mit Auftragsrückgängen kämpfen, spürt das Baugewerbe die nächste Flaute voraussichtlich erst in den Jahren 2032 und 2033. Baufirmen können die Auftragslage und die Stimmung der Planungsbüros daher gezielt als Seismograf nutzen, um eigene Kapazitäten und Investitionen rechtzeitig anzupassen, bevor der Bau-Auftragseingang einbricht.
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