Deutsche Bauwirtschaft vor moderatem Wachstum
Nach fünf rückläufigen Jahren erwartet das Beratungsunternehmen Linesight für die deutsche Bauindustrie 2026 wieder ein Wachstum. Öffentliche Investitionen, Rechenzentren und Energiewende-Projekte sorgen für Auftrieb. Lieferketten, Materialpreise und Regulierung bleiben zentrale Risiken.


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Nach mehreren Jahren rückläufiger Bauleistung deutet sich für den deutschen Bausektor 2026 eine Trendwende an. Wie das internationale Bauberatungsunternehmen Linesight im aktuellen „Construction Market Insights Report 2026“ mitteilt, soll die Bauleistung in Deutschland um 2,1 Prozent wachsen. Vor allem staatliche Investitionen in Infrastruktur, Energieversorgung und digitale Infrastruktur stützen die Entwicklung. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld: Für Schweden prognostiziert Linesight ein Plus von 4,3 Prozent bei der Bauleistung.
„Nach Jahren rückläufiger Bauleistung gewinnt der deutsche Markt wieder an Dynamik“, sagt Giles Heather, Director Europe und Country Head Germany bei Linesight. Öffentliche Investitionen setzten wichtige Impulse, erhöhten jedoch zugleich die Anforderungen an Planung und Umsetzung. Verlässliche Lieferketten seien dabei entscheidend für den Projekterfolg, so Heather.
Lieferketten: Entspannung mit strukturellen Engpässen
Im Jahr 2025 haben sich die Lieferketten laut Linesight aufgrund stärkeren Wettbewerbs und sinkender Preise für einzelne Rohstoffe etwas erholt. Für 2026 erwartet das Unternehmen jedoch erneut Druck, vor allem durch den anhaltenden Boom beim Bau von Rechenzentren. Engpässe zeichnen sich insbesondere bei Strom- und Kühlsystemen ab. Komponenten mit langen Vorlaufzeiten wie Transformatoren und Generatoren bleiben knapp. Die hohe Zahl an Projekten im Bereich erneuerbare Energien und KI-Infrastruktur verschärft diese Situation zusätzlich, wie Linesight prognostiziert.

Materialpreise: Regulierung beeinflusst Kostenentwicklung
Während sich die Preise für Stahl und Aluminium zuletzt stabilisiert haben, könnten 2026 neue Preiserhöhungen folgen. Linesight verweist auf regulatorische Maßnahmen wie den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) und strengere Vorgaben im EU-Emissionshandelssystem. Betroffen sind vor allem CO₂-intensive Baustoffe wie Zement, Beton und Stahl.
In Deutschland bleiben die Preise für Zement und Beton laut Bericht hoch, da Energie- und CO₂-Kosten weiter steigen. Zudem bleiben die Dieselpreise volatil, beeinflusst durch geopolitische Entwicklungen, neue Abgaben und den zunehmenden Einsatz alternativer Kraftstoffe wie HVOs.
„Klimapolitik, volatile Energiepreise und der anhaltende Fachkräftemangel wirken sich direkt auf Termine, Budgets und Lieferketten aus“, sagte Neil Doyle, Director of Procurement and Supply Chain bei Linesight. Diese Faktoren seien eng miteinander verknüpft und erforderten vorausschauende Beschaffungs- und Risikostrategien.
Ausblick 2026: Wachstum am Bau mit Vorbehalten
Für Europa insgesamt zeichnet Linesight ein Bild vorsichtigen Optimismus. Das Wachstum werde 2026 vor allem von Projekten in den Bereichen Infrastruktur, Energie und Versorgungswirtschaft getragen und durch die Ziele der EU zur Dekarbonisierung und digitalen Transformation unterstützt, wie das Unternehmen mitteilte.
Gleichzeitig bleiben die Energieversorgung und die Netzplanung laut Linesight zentrale Engpässe für nahezu alle Bausegmente. Diese Faktoren dürften maßgeblich darüber entscheiden, wie schnell und reibungslos Projekte umgesetzt werden können.
Construction Market Insights Report
Der „Construction Market Insights Report“ erscheint zweimal jährlich und analysiert die Entwicklungen in 13 europäischen Schlüsselmärkten, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden und Großbritannien. Grundlage sind laut Linesight quartalsweise erhobene Marktdaten aus verifizierten Quellen sowie makroökonomische Kennzahlen etwa von IWF, Eurostat und nationalen Statistikämtern.
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